POLITIK
08/01/2015 01:30 CET | Aktualisiert 08/01/2015 10:21 CET

Mehrheit der Deutschen hält den Islam für Bedrohung – aber Muslime wollen sich integrieren

Der Islam wird für viele Deutsche zum Feindbild
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Der Islam wird für viele Deutsche zum Feindbild

Das wird für Gesprächsstoff sorgen: Deutsche schotten sich gegenüber Muslimen ab. Aber Muslime wollen sich integrieren.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Sonderauswertung des "Religionsmonitors“ der Bertelsmann-Stiftung, die der Beilage "Christ & Welt“ der Zeitung "Die Zeit" vorliegt.

Eine Mehrheit der Deutschen hält den Islam demnach für gefährlich. 57 Prozent stimmten der Aussage zu "Der Islam ist eine Bedrohung". 61 Prozent der Deutschen sind der Auffassung, er passe nicht in die westliche Welt.

"Fremde im eigenen Land“

40 Prozent fühlen sich gar durch die Muslime wie "Fremde im eigenen Land“. Dabei hält "die überwiegende Mehrheit“ der Befragten sich "für nicht fremdenfeindlich“, sagt Kai Hafez, Kommunikationswissenschaftler der Universität Erfurt und Co-Autor der Studie. 24 Prozent der Befragten erklärten in der Umfrage, Deutschland solle Muslimen künftig die Zuwanderung verwehren.

"Die Islamwahrnehmung“, so Hafez, "hinkt eindeutig hinter der Akzeptanzfähigkeit der postmodernen liberalen Gesellschaft hinterher. Der Islam bleibt eine Art Restfeindbild unserer aufgeklärten Gesellschaft.“

"Vergleichbar dem Salon- Antisemitismus des 19. Jahrhunderts“

Dieses Negativbild sei, wie die Pegida-Proteste in Dresden belegen, bei rechts-konservativen Menschen aber auch in der bürgerlichen Mitte weit verbreitet. Die „Islamfeindlichkeit“, so ein Fazit der Studie, ist deshalb mit dem "Salon- Antisemitismus des 19. Jahrhunderts vergleichbar“.

Die Deutschen schließen Muslime also aus. Umgekehrt aber ist genau das Gegenteil der Fall: Muslime integrieren sich.

Der Großteil der in Deutschland lebenden Muslime fühlt sich mit dem Staat und der Gesellschaft eng verbunden.

Ein paar Erkenntnisse:

  • Neun von zehn interviewten Muslimen haben in ihrer Freizeit Kontakte zu Nicht-Muslimen.
  • Jeder zweite hat sogar mindestens genauso viele Kontakte außerhalb seiner Religionsgemeinschaft wie mit Muslimen. Nur acht Prozent haben ein rein muslimisches Netzwerk. Parallelgesellschaften? Davon kann kaum die Rede sein.
  • Dass die Demokratie eine gute Regierungsform ist, sagen laut Studie 90 Prozent der hochreligiösen sunnitischen Muslime.
  • Und 63 Prozent der Muslime, die sich als "ziemlich" oder "sehr religiös" bezeichnen, überprüfen laut der Erhebung regelmäßig ihre religiöse Einstellung. Einer Heirat unter homosexuellen Paaren zum Beispiel stimmen 58 Prozent von ihnen zu.

Was sagt uns das? Nicht Muslimen fehlt offenbar der Wille zur Integration – sondern den Deutschen.

Lesen Sie auch: 6 Mythen über den Islam, die den interkulturellen Dialog in Deutschland verhindern

bp/jds

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