POLITIK
10/12/2014 08:12 CET | Aktualisiert 04/01/2015 06:30 CET

Behindertenbeauftragter in Koblenz: Dieser Mann ist der CDU zu ehrlich

Christian Bayerlein war bislang Behindertenbeauftragter der Stadt Koblenz - jetzt soll er seinen Posten räumen
Björn Lubetzki
Christian Bayerlein war bislang Behindertenbeauftragter der Stadt Koblenz - jetzt soll er seinen Posten räumen

Er bezeichnet sich selbst als "Sex-Nerd", gibt zu, dass er eine Zeit lang Prostituierte aufgesucht hat und sagt, dass er mit Menschen zu tun hat, für die Behinderung ein Fetisch ist.

Der Koblenzer Behindertenbeauftragte Christian Bayerlein geht offen mit seiner Sexualität und seiner Behinderung um, bei Facebook und in Zeitungs-Interviews sagt er Dinge, die sich andere vielleicht nicht zu sagen trauen.

Für einige konservative Politiker in Koblenz geht das mittlerweile aber offenbar zu weit. Wie die "Rhein-Zeitung" berichtet, darf der Behindertenbeauftragte offenbar nicht wiedergewählt werden. Bayers Wiederwahl sei kürzlich erst verschoben worden, berichtet das Blatt. Die CDU-Fraktion habe "Beratungsbedarf" angekündigt.

"Der Grund scheint mein Auftreten in der Thematik Sexualität zu sein"

Was wie eine Provinzposse wirkt, verrät in Wahrheit viel über Toleranz, Respekt und Freizügigkeit in Deutschland. "Der erzkonservative Koblenzer Stadtrat hat gestern erfolgreich verhindert, dass ich wieder als Behindertenbeauftragter gewählt werde", schrieb Bayerlein am Dienstag auf seiner Facebookseite.

Und weiter: "Der Grund dafür scheint mein Engagement und mein öffentliches Auftreten in der Thematik Sexualität und Behinderung zu sein", so der 39-Jährige, der beim Bundesarchiv in Koblenz arbeitet und sich bei Pro Familia ehrenamtlich mit Sexualität und Behinderung befasst.

Keine Reaktion auf Gesprächsangebote

Offiziell habe noch niemand mit ihm und seinem Stellvertreter Joachim Seuling gesprochen, kritisiert Bayerlein, und auch auf seine Gesprächsangebote habe er noch keine Rückmeldung erhalten.

Laut "RZ" habe ein Unterhändler Seuling gefragt, ob dieser bereit sei, Bayerleins Posten zu übernehmen. Dabei sei deutlich klar geworden, dass die öffentliche Umgehensweise mit dem Tabuthema Sexualität und Behinderung den Hauptausschlag dafür gegeben habe, dass die CDU Bayerlein nicht wiederwählen wollte, so das Blatt.

Die CDU hält sich bislang bedeckt, Bayerleins Aus scheint indes jedoch besiegelt zu sein: "Die Behindertenverbände, die Bayerlein und Seuling 2009 vorgeschlagen hatten, sollen jetzt um neue Vorschläge gebeten werden", berichtet die "RZ" und beruft sich dabei auf einen Beschluss der vergangenen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Koblenz.

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