POLITIK
19/11/2014 16:18 CET

AfD-Politiker Alexander Gauland nennt Partei-Mitglieder "dumm"

dpa

Noch vor wenigen Wochen war die himmelblau-rote Welt der AfD noch in Ordnung. Im Osten fuhren die Rechtspopulisten erstaunlich hohe Wahlergebnisse ein, Umfragen sahen die Partei auch auf Bundesebene auf Kurs und die Parteispitze um Bernd Lucke, Alexander Gauland und Hans-Olaf Henkel lächelte auf Parteitagen um die Wette.

Seit kurzem ist es jedoch vorbei mit der Einigkeit. Im Führungsgremium kriselt es, Gauland und Henkel liefern sich schon seit Wochen eine öffentliche Schlammschlacht und Lucke macht sich Sorgen um rechte Querulanten in seiner Partei. Das Bild, das die Partei derzeit abgibt, wird sie vermutlich viele Wähler kosten.

Gauland: "Lucke ist ein Kontrollfreak"

Ein Interview, das Gauland jetzt der "Zeit" gegeben hat, dürfte den innerparteilichen Krach weiter anheizen. Lucke sei ein "Kontrollfreak", der in jeden kleinsten Landesverband hineinregieren wolle, sagte Gauland dem Blatt.

Im Hinblick auf den Streit um rechtskonservative Parteimitglieder sagte Gauland: „Lucke ist besorgt über die vielen Verschwörungstheoretiker in der Partei. Der möchte die am liebsten alle loswerden, aber ich sage ihm: Wir kriegen die Leute nicht los. Die sind nämlich nicht parteischädigend im Sinne der Statuten, die sind allenfalls dumm“.

Zudem störe ihn das Bestreben Luckes, alleiniger Parteivorsitzender werden zu wollen. „Der Versuch, einen einzelnen starken Vorsitzenden zu installieren, erinnert mich an Frau Merkel", sagte der 73-Jährige. Damit spielt Gauland auf einen Parteitag im vergangenen März in Erfurt an, bei dem Lucke versucht hatte, alleiniger Vorsitzender der AfD zu werden.

Dass Lucke hart arbeite, sei eher positiv

AfD-Bundesgeschäftsführer Georg Pazderski übte sich am Mittwoch in Schadensbegrenzung. "Lucke ist nun einmal das Gesicht der Partei, dazu haben ihn vor allem die Medien gemacht", sagte Pazderski. Dass Lucke hart arbeite und mitten in der Nacht E-Mails an Parteikollegen schicke, sei aus seiner Sicht eher positiv.

Gauland hatte zuvor schon Schlagzeilen gemacht, als er sich über Äußerungen Henkels aufregte. Henkel hatte gesagt, der AfD gehörten auch Verschwörungstheoretiker und Goldgräber an. Auf Parteiveranstaltungen schäme er sich bisweilen. Gauland, der die AfD in den Brandenburger Landtag geführt hatte, erwiderte: "Wenn jemand sagt, dass er sich für die Partei schämt, dann muss er die Partei verlassen." Dieser Zwist sei inzwischen beigelegt, heißt es aus Parteikreisen.

Auch auf Landesebene hat die AfD derzeit mit Imageproblemen zu kämpfen. In Hamburg hatten Parteimitglieder kürzlich mit der Kundgebung "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa) sympathisiert, in Sachsen-Anhalt trat AfD-Vorstandsmitglied Jobst von Harlessem zurück, nachdem er zuvor auf Facebook bearbeitete Bilder von US-Präsident Barack Obama am Galgen veröffentlicht hatte.

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