POLITIK
19/11/2014 06:58 CET | Aktualisiert 19/11/2014 09:15 CET

ZDF-Sendung "Die Anstalt": Satiriker nehmen Angela Merkels Flüchtlingspolitik auseinander

ZDF

Am Dienstagabend war einer der seltenen Fernsehmomente, in denen man erkennen konnte, zu welch großartigen Dingen das gute alte Kabarett in der Lage sein kann. Der Dank geht an das ZDF.

In der Sendung „Die Anstalt“ empörten sich die Kabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner eine halbe Stunde lang über die Flüchtlingspolitik der EU. Die große Stärke der Sendung, die sich auch schon im Mai bei der Kritik an der Ukraine-Berichterstattung zeigte: Uthoff und von Wagner sind nicht nur meinungsstark, sie recherchieren auch. Die daraus gewonnene Gesellschaftskritik pendelt irgendwo zwischen Realsatire und echtem Drama.

Unter anderem hatte das Anstalt-Team für die Sendung am Dienstag herausgefunden, dass der im Vier-Wochen-Turnus vollzogene Umzug des EU-Parlaments von Brüssel nach Straßburg 114 Millionen Euro kostet.

Genauso viel Geld, wie die italienische Marine gebraucht hätte, um ihre Flüchtlingsrettungs-Operation „Mare Nostrum“ im Mittelmeer fortzusetzen – 150.000 Menschen wurden damit insgesamt vor dem Ertrinken bewahrt. Aber dafür fehlten den Regierungschefs am Ende die Mittel.

Und nicht zuletzt der Wille, einen dreistelligen Millionenbetrag für die Rettung von Menschen zu überweisen, deren schiere Not am Ende von den Rechtpopulisten für ihre mehr als zweifelhaften Anliegen missbraucht wird. Auch das zeigte „Die Anstalt“ ganz hervorragend auf.

Das große Finale der Show aber könnte zu einem echten Klassiker der deutschen Fernsehsatire werden.

Von Wagner und Uthoff saßen verkleidet als Angela Merkel und Horst Seehofer vor dem Himmelsgericht und wollten Asyl ins Paradies haben (im Video ab Minute 41:02).

Gleich zu Beginn entspinnt sich folgender Dialog:

Gott: „Sie wollen Asyl im Paradies. Worauf stützt sich Ihr Begehren?“

Merkel: „Wir sind seit mehr als 50 Jahren christliche Parteien. Ich dachte, dieses Verfahren sei eine reine Formalität.“

Gott: „Werden sie denn politisch verfolgt?“

Merkel: „Ständig. Von Journalisten. Zum Teil bis aufs Klo.“

Erzengel Jürgen: „Dann machen wir hier doch mal kurzen Prozess. Es liegt keine politische Verfolgung vor. Ich beantrage Ablehnung des Asylgesuchs.“

Gott: „Sie suchen hier im Himmel offenbar nur ein besseres Leben. Um mit ihren Worten zu sprechen: Sie sind Wirtschaftsflüchtlinge.“

Im Anschluss an die Verhandlung gaben die Moderatoren dann die Leitung der Sendung aus der Hand. Die Kabarettistin Nessi Tausendschön sagte: „Wir haben genug über Flüchtlinge geredet – jetzt wollen wir ihnen mal zuhören.“ Auf die Bühne trat ein Chor von syrischen Flüchtlingen. Es waren keine Schauspieler.

Einer der Sänger bedankte sich dafür, dass er Zuflucht in Deutschland gefunden habe. Dann wandte er sich mit einer Botschaft ans Publikum: „Genug Blut! Hört auf mit dem Krieg“ Mehrmals musste der Mann aus Homs innehalten, weil ihm die Tränen kamen. Schließlich sang er mit seinen Chorkollegen ein Lied über die „wunderschönen Stätten Syriens“, die jetzt „alle zerstört sind“.

Das sind die Momente, in denen man den bräsige Studienratshumor von Urban Priol keine einzige Sekunde vermisst.

Auch auf Twitter hat die Sendung zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Der Hashtag #dieAnstalt war am Vormittag Trending Toppic in Deutschland.

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