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27/10/2014 12:09 CET | Aktualisiert 25/11/2014 07:03 CET

5 Gesundheitsrisiken veganer Ernährung

thinkstock.com

Anhänger der jungen veganen Bewegung entscheiden sich meist aus moralischen Gründen für einen Verzicht auf sämtliche tierische Produkte.

Gerade wenn die finanziellen Mittel es zulassen, frei aus einem reichhaltigen Angebot an Lebensmitteln zu wählen, ist es nach Ansicht vieler Menschen nicht mehr zu verantworten, das „Recht des Stärkeren“ anzuwenden und Tiere für unsere Ernährung auszubeuten.

Getreu dem Motto „man ist, was man isst“ versuchen viele Veganer, ihre Entscheidung zusätzlich durch positive Auswirkungen auf die eigene Gesundheit zu untermauern. Dabei laufen sie jedoch Gefahr, die Augen vor den Risiken ihrer Ernährungsweise zu verschließen:

1. Mangelerscheinungen

Wer unbedacht alle tierischen Lebensmittel vom Speiseplan streicht, muss langfristig mit Mangelerscheinungen rechnen. Professor Stephan Bischoff, Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim, weiß einige aufzuzählen: Eiweißmangel, Eisenmangel, Kalziummangel, Jodmangel, Zinkmangel. Damit sei die Liste jedoch noch nicht vollständig, so der Mediziner. Betroffene klagen in der Folge über Müdigkeit und Krankheitsanfälligkeit.

Auch die Ernährungsmedizinerin Yudagül Zopf von der Uniklinik Erlangen erklärt, dass vor allem Jod und Eisen eine wichtige Rolle für den Körper spielen. Verursacht durch Jodmangel würden bei vielen Veganern Schilddrüsenprobleme auftreten, außerdem könnten Störungen des Eisenstoffwechsels zu einer Immunschwäche führen.

Als besonders kritisch stuft die Ärztin jedoch die Gefahr durch Vitamin B-12-Mangel ein. Das Vitamin kann nur durch tierische Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier vom Körper verarbeitet werden. Zopf warnt, ein derartiger Mangel könne gravierende neurologische Störungen bis hin zu motorischen Problemen zur Folge haben.

Diese Produkte bilden zusammen mit Seefisch zudem eine wichtige Quelle für Vitamin D. Zur Vorbeugung von Diabetes, Osteoporose, Multipler Sklerose, Bluthochdruck und sogar einiger Sorten von Krebserkrankungen ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D enorm wichtig. Da es nur sehr wenige pflanzliche Quellen für dieses Vitamin gibt, bleibt Veganern nur, ausreichend Zeit in der Sonne zu verbringen – ihre Strahlen aktivieren eine Vorstufe des Vitamins, die auch in menschlichen Zellen lagert.

Viele Veganer greifen deshalb zu Nahrungsergänzungsmitteln, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Vitamin-Ergänzungspräparate sind jedoch kein Zaubermittel - sie können vom Körper meist nicht so effizient verwertet werden wie Vitamine aus natürlichen Quellen und auch Eisen lässt sich aus Gemüse nicht so erfolgreich gewinnen wie aus tierischen Produkten.

Vor allem wegen des gefährlichen Vitamin-B12-Mangels ist es deshalb ratsam, sich immer wieder von Fachkräften durchchecken zu lassen. Sie können dabei helfen, die optimale Kombination von Präparaten und Lebensmitteln zu finden, um den Nährstoffbedarf der Körpers möglichst vollständig zu decken.

2. Verstopfte Gefäße

Fettes Fleisch gilt oft als Übeltäter bei Herz-Kreislauf-Krankheiten und Arteriosklerose. Tatsächlich kann fleischlose Kost vor einigen Herz- und Kreislaufproblemen bewahren – dieser Effekt gilt aber nicht für eine rein pflanzliche Ernährung, wie eine Übersichtsarbeit des chinesischen Wissenschaftlers Duo Li von der Zhejiang-Universität nahelegt.

Der Forscher kommt im Gegenteil zu dem Schluss, dass Menschen, die sich rein vegan ernähren, in dieser Hinsicht sogar noch krankheitsanfälliger sind. In Folge von unausgeglichenen Mangelerscheinungen weist das Blut vieler Veganer einen erhöhten Homocysteinspiegel auf. Dadurch nimmt die Konzentration des „guten“ HDL-Cholesterins ab. Weil das normalerweise die Arterien vor Verkalkung schützt, steigt das Risiko für Gefäßerkrankungen.

Li empfiehlt deshalb durchaus fleischlose Kost, rät aber von einem strengen Veganimus ab.

3. Verminderte Fruchtbarkeit

Ganz auf Nahrungsmittel tierischen Ursprungs zu verzichten, kann aber auch Konsequenzen haben, die über den Vitaminhaushalt und den Cholesterinspiegel des Körpers hinausgehen: Forscher der Loma Linda University Medical School in Kalifornien fanden kürzlich Belege, dass die Spermienqualität von Veganern und sogar Vegetariern im Vergleich zu Fleischessern stark abnimmt.

Sie stellten fest, dass Männer, die sich rein pflanzlich ernährten, nicht nur deutlich weniger, sondern auch inaktivere Spermien produzierten, als Männer mit einem konventionellen Essverhalten.

Überhaupt keine tierische Lebensmittel zu sich zu nehmen kann also nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern auch die Familienplanung negativ beeinflussen.

4. Schwangerschaft und Kindesalter

Doch auch wer das Stadium der Planung bereits hinter sich gelassen hat und dabei ist, eine Familie zu gründen, sollte sich die Wahl seiner Ernährung gründlich überlegen. Frauen müssen während der Schwangerschaft besonders auf ihren Nährstoffhaushalt achten, da sie möglicherweise von manchen Defiziten selbst nichts bemerken, die ihrem Nachwuchs jedoch Schaden zufügen können.

Das erhöhte Risiko für Nährstoffdefizite ist auch der Grund, warum die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) davon abrät, sich während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit rein pflanzlich zu ernähren.

Laut DGE besteht ein Risiko für neurologische Störungen und Entwicklungsverzögerungen, wenn sich stillende Mütter rein vegan ernähren oder das Kind in den ersten Lebensjahren nur rein pflanzliche Kost erhält.

Wenn die Eltern nicht über besonders gute Kenntnisse in der Lebensmittelzusammenstellung verfügen und Nahrungsergänzungen zu Hilfe nehmen, besteht für vegan lebende Kleinkinder die Gefahr, Störungen der Blutbildung, Wachstumsverzögerungen und mentale Retardierungen zu erleiden.

5. Ungesunde Fertigprodukte

Genau an diesem Punkt liegt der Hund begraben: Menschen, die sich vegan ernähren möchten, müssen Experten für jede Art von Lebensmittel sein, um trotzdem gesund zu bleiben. Sie müssen sich intensiv mit der Zusammensetzung von Produkten und den Inhaltslisten auf der Verpackung auseinandersetzen, um herauszufinden, wo für sie wichtige Nährstoffe versteckt sind und wo nicht.

Da sich aber viele Veganer aus rein ethischen Gründen für diese Lebensweise entscheiden, hat nicht jeder unter ihnen ausreichend Zeit und Muße, um sich so intensiv mit Lebensmitteln auseinanderzusetzen. Für sie bietet die Ernährungsindustrie zahlreiche vegane Fertigprodukte an, die scheinbar den Alltag erleichtern und die Speisekarte aufpeppen sollen.

Leider finden sich hinter diesen vielversprechenden Angeboten meist endlos lange Listen von künstlichen Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern. Unter dem „grünen“ Deckmantel der ungeschützten Vegan-Logos verstecken sich oft sehr Fett- und Salzhaltige Lebensmittel, die alles andere als gesund sind.

Deshalb ist vegane Ernährung nicht nur eine Sache von wollen, sondern auch von können: Nur wer Lust, Zeit und Geld hat, um sich intensiv mit Lebensmitteln auseinanderzusetzen, alle Zutaten frisch zu kaufen und sich einige Küchentricks anzueignen, kann die Attribute „rein pflanzlich“ und „gesund“ in seiner Ernährung erfolgreich verbinden.

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