POLITIK
17/10/2014 17:16 CEST | Aktualisiert 18/10/2014 19:35 CEST

Eine ehemalige ISIS-Geisel spricht über das Martyrium

Ein ehemaliger Gefangener des Islamischen Staates (ISIS) hat in einem emotionalen Interview mit dem britischen Sender ITV über seine Zeit in Gefangenschaft gesprochen und darüber, wie er darum kämpft, die „brutalen Erinnerungen“ loszuwerden.

Nicolas Henin, der vergangenes Jahr im Juni gefangen genommen worden war, wurde zusammen mit drei anderen Gefangenen aus Frankreich im April dieses Jahres freigelassen. Ihn erwartete eine überglückliche Familie, ein Willkommensgruß des Präsidenten und Fragen, wie es Frankreich gelungen sei, ihn von der Terrorgruppe freizubekommen.

Nun sagt der Journalist, dass er zwar freigelassen wurde. Aber nie frei sein werde.

Während der zehn Monate seiner Gefangenschaft wurde Henin zusammen mit den amerikanischen Journalisten James Foley und Steven Sotloff und dem britischen Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, Alan Henning, eingesperrt. Beide wurden in den vergangenen Wochen enthauptet.

In dem berührenden Interview beschreibt Henin, wie die barbarischen Verbrechen an den Männern, denen er „sehr nahe gestanden“ hatte, die furchtbaren Erinnerungen an seine Zeit als Geisel zurückbrachten.

„Mit dem Kopf bin ich noch immer in einer Zelle irgendwo in Syrien, und es ist sehr wahrscheinlich, dass ich eines Tages mit der Nachricht aufwache, dass einer meiner ehemaligen Zellengenossen getötet wurde, und das versetzt mich um Monate zurück. Es ist sehr brutal“, sagte er ITV News.

Er beschreibt den ehemaligen Taxifahrer Henning als „vollkommen unschuldig“ und „immer bereit, anderen zu helfen“.

Als er die Qual der Familien der Gefangenen ansprach, sagte er, sie „verdienen viel Respekt und Mitgefühl“. „Die Familien leiden sogar immer mehr als die Geiseln selbst“, sagte er. „Das schlimmste ist, nichts zu wissen und nichts tun zu können.“

Henin war zusammen mit Pierre Torres, Didier François und Edouard Elias befreit worden und hatte die erste Zeit seiner Gefangenschaft in Aleppo verbracht, nachdem er in Rakka in Nordsyrien gefangen genommen worden war. Mindestens zwölf Mal wurde er von einem Ort zum anderen gezerrt.

Dem Sender France 24sagte er, die Bedingungen seien nicht immer schrecklich gewesen, „nie zu wissen, was am nächsten Tag, in der nächsten Minute passiert, ist traumatisierend.“

So würden die Geiseln konditioniert. „Das allein ist eine Form der Gewalt.“

In seiner herzzerreißenden Ansprache beschreibt der Franzose, wie er mit den später exekutierten Männern lebte.

„Wir teilten unser ganzes Leben miteinander. Es gibt keine Privatsphäre, wenn man 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche in einen Raum gesperrt ist.“

Sie hätten zusammen gegessen, nebeneinander geschlafen. „Wir haben über alles diskutiert: das Leben, Hoffnungen, Erwartungen.“

Henin beschreibt auch die Zeit, die er mit dem noch immer als Geisel gefangen gehaltenen Peter Kassig aus den USA und John Cantlie aus Großbritannien verbrachte.

Kassig, der zum Islam konvertiert sei, habe fünf Mal am Tag gebetet, sagt er. „Er dachte, der Islam würde ihm die Stärke geben, mit den Herausforderungen seiner Gefangenschaft zurechtzukommen“, sagte Henin.

Henin sagte, er sei „optimistisch“, dass Cantlie, der kürzlich in einem neuen Propagandavideo auftreten musste, überleben würde – eben wegen dieses Videos. Cantlie habe wie erzwungen gesprochen und damit vielleicht sein Leben erkauft.

„Ich hoffe, die Geiselnehmer verstehen, was für ein guter Mensch er ist.“

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