WIRTSCHAFT
17/10/2014 13:15 CEST | Aktualisiert 09/01/2017 06:59 CET

Billig-Bier im Supermarkt: Die überraschende Wahrheit

Die überraschende Wahrheit über Billig-Bier im Supermarkt
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Die überraschende Wahrheit über Billig-Bier im Supermarkt

Edeka tut es. Rewe tut es. Aldi und Lidl sowieso: Bier im Supermarkt verkaufen. Gemessen am Getränke-Absatz sind Deutschlands Handelsunternehmen und Discounter längst zu einer Art Ersatz-Brauerei geworden.

Dort, wo das Bier in Deutschland noch eine Institution ist, im Ruhrgebiet oder im Rheinland etwa, wird diese Entwicklung nicht unbedingt positiv gesehen. Dort ist Gerstensaft aus dem Supermarkt häufig als „Plörre-Bier” verschrien.

Das aber ist zumindest besser als sein Ruf. In den Flaschen steckt nichts anderes als das, was viele Kunden aus herkömmlichen Getränke-Läden kennen: Bier von Krombacher, Warsteiner oder Veltins - getarnt als Eigenmarke des jeweiligen Händlers.

Ursprung des Bieres soll verschleiert werden

Das Problem: Diesen Hintergrund kennt fast niemand. Die Flaschen im Supermarkt-Regal haben keine Etiketten, keine Aufschriften, die auf die Herkunft des Bieres schließen lassen. Man könnte sagen: Sein Ursprung soll verschleiert werden.

Die Wahrheit sieht so aus: In den Regalen von Edeka steht Bier von Herforder, einer Tochter von Warsteiner. Aldi ordert seinen Gerstensaft von der Oettinger-Brauerei und verkauft ihn unter der Eigenmarke Karlskrone. Oettinger wiederum versorgt auch die Edeka-Tochter Trinkgut. Dort wird Billigbier unter der Marke Maxxum zum Verkauf angeboten.

Die Geheimniskrämerei um das Bier im Supermarkt hat das "SZ-Magazin" in einem aktuellen Bericht analysiert. Hintergrund: Die Preise in der deutschen Bierbranche liegen am Boden.

Brauereien verkaufen ihre Ideale

Brauereien kämpfen um die Existenz. Aus diesem Grund verscherbeln viele ihr Qualitätsbier an Handelsmarken und Discounter - und verkaufen damit ein Stück ihrer Ideale.

Aus Angst, das Image der Marke könnte leiden, wenn sie in Zusammenhang mit Billig-Discountern steht, bewahren fast alle namhaften Brauereien Stillschweigen über das Geschäft mit der Zweitverwertung.

Des einen Leid ist des anderen Freud. Für den Kunden bringt die Situation im deutschen Biermarkt fast nur Vorteile mit sich. Wie das „SZ-Magazin” schreibt, werden heutzutage drei Viertel aller angebotenen Bierkästen zu Aktionspreisen verkauft. Die haben sich auf einem Level eingependelt, mit dem Brauereien nicht mithalten können, wenn die Margen nicht gänzlich einbrechen sollen.

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Discounter erobern den Biermarkt

Also werden die einstigen Qualitätsmarken immer mehr Fabrikbier, das gänzlich auf Massenproduktion ausgerichtet ist. Nach leicht abgeänderter Brauart zwar, aber immerhin noch von namhaften Produzenten.

Das freut die Supermärkte. Der Anteil der Discounter am Biermarkt hat sich seit 1994 verdoppelt, schreibt das Magazin. Herforder etwa liefert dem Bericht zufolge jährlich 200.000 Hektoliter an Edeka. Ein Werteverfall? Wohl nicht, wenn es ausschließlich um den Geschmack geht.

Wer sich mit Bierbrauen auch nur halbwegs auskennt, der weiß, dass es ein Wundermittel namens Hopfenextrakt gibt. Das sichert die Konsistenz des Bieres und behält gleichzeitig den Geschmack bei.

Das Verfahren ist über die Jahre so ausgereift worden, das inzwischen nur noch Feinschmecker Qualitätsbier von dem im Supermarkt angebotenen Bier unterscheiden können.

Eine Tatsache, die bitter für die Branche sein mag. Den Kunden wird sie freuen.


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