LIFESTYLE
10/10/2014 13:39 CEST | Aktualisiert 10/10/2014 13:45 CEST

Seelische Gewalt kann bei Kindern mehr Schaden anrichten als körperlicher Missbrauch

Weapon of Choice
Seelische Gewalt kann bei Kindern mehr Schaden anrichten als körperlicher Missbrauch

Sexueller Missbrauch von Kindern erregt die Gemüter ebenso wie Kindesmisshandlung. Auf der ganzen Welt ist man sich einig: unschuldigen Kindern Schmerzen zuzufügen, gehört mit zum Schändlichsten, was ein Mensch sich zu Schulden kommen lassen kann.

Egal ob es um Skandale innerhalb der katholischen Kirche geht, Kindesentführung oder häusliche Gewalt – der Aufschrei ist groß, die Menschen fordern strenge Maßnahmen, um Kinder zu schützen. Und sie tun das völlig zu Recht.

Dabei geraten allerdings oft die vielen anderen Formen des Missbrauchs in den Hintergrund. Besonders unter seelischer Gewalt leiden Kinder häufig besonders stark und besonders andauernd.

Offenbar ist unsere gesellschaftliches Aufmerksamkeit auf sichtbare Verletzungen und die sexuelle „Schmuddelecke“ beschränkt – eine Tendenz, die auch zur fehlenden Anerkennung psychischer Krankheiten in einer effizienzorientierten Leistungsgesellschaft wie der unseren gut passen will.

Eine von Joseph Spinozza (PhD) in der Zeitschrift „Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy“ veröffentlichte Studie erhärtet den Verdacht, dass emotionaler Missbrauch von Kindern weit schwerwiegendere Folgen haben kann, als bislang anerkannt wird:

Aus den Interviewdaten von Kindern verschiedenster nationaler Herkunft wurden deren traumatische Erlebnisse sowie ihre Verhaltensauffälligkeiten bestimmt. Zusätzlich wurden Berichte ihrer Bezugspersonen und der Ärzte, die die Studie durchführten, herangezogen, um die Geschichte eines jeden Traumas möglichst vollständig darzustellen.

Dazu gehörten neben psychischem Missbrauch wie emotionaler Vernachlässigung auch körperliche und sexuelle Missbrauchsfälle.

Aus den Auswertungen dieser Daten geht hervor, dass Kinder, die Opfer seelischen Missbrauchs geworden waren, mindestens ebenso häufig unter Angstzuständen, Depression, geringem Selbstbewusstsein, Posttraumatischen Stresssymptomen und Suizidgedanken litten wie ihre Altersgenossen, die körperliche Misshandlung erlebt hatten.

In manchen Fällen war das Ausmaß der negativen Folgen sogar größer. Wenn psychische und physische Misshandlungen zur selben Zeit stattgefunden hatten, waren die Folgen für das Kind am verheerendsten.

Vor allem von Schulen und Krankenhäusern müssen diese Ergebnisse als Weckruf verstanden werden, seelischen Missbrauch verstärkt in ihre Präventionsprogramme einzubinden. Aber auch in den Köpfen der Menschen muss sich einiges tun: nicht nur körperliche, sondern auch seelische Schmerzen können manchmal unser ganzes Leben verändern.

Das ist auch die Botschaft des Foto-Projekts "Weapon of Choice" des amerikanischen Fotografen Richard Johnson. Er macht die Narben sichtbar, die Worte hinterlassen können:

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