WIRTSCHAFT
10/10/2014 11:43 CEST | Aktualisiert 10/10/2014 12:41 CEST

Diese 8 Zahlen zeigen, wie schlecht es um die deutsche Wirtschaft wirklich steht

Thinkstock

Deutschland gilt ja in vielerlei Hinsicht als Antreiber Europas. Bei politischen Fragen über die Zukunft des Kontinents. Vor allem aber wenn es darum geht, die europäische Wirtschaft am Leben zu halten.

Diese Vorreiterrolle wird Deutschland aus vielen Nachbarländern zugeschrieben. Und die Bundesregierung, sie sonnt sich in dieser Position - und ignoriert die Realität.

Denn wirtschaftlich ist Deutschland keinesfalls so fortschrittlich aufgestellt, wie allenthalben behauptet wird, da sind sich führende Ökonomen einig.

Die Huffington Post nennt 8 alarmierende Kennzahlen, die zeigen, wie schlecht es um die hiesige Wirtschaft steht:

5 Monate

So oft ist der Ifo-Geschäftklima-Index jetzt schon hintereinander gefallen. Zuletzt im September auf 104,7 Punkte.

Der Geschäftsklima-Index ist der wohl renommierteste Indikator für die konjunkturelle Entwicklung dieses Landes. Das Problem: Er bereitet Experten seit geraumer Zeit Sorgen.

So warnte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, vor kurzem im „Wall Street Journal”: „Wir stehen vor einer Stagnation, das ist keine Frage. Es gibt genug Gründe, warum das Wachstum noch mal einbrechen könnte.”

Besonders auf dem Radar steht derzeit die deutsche Industrie: Der brachen im August die Aufträge weg - ein Minus von 5,7 Prozent.

1,3 Prozent

So gering fällt das Wachstum aus, das die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschland in diesem Jahr prognostizieren. 2015 soll das Wachstum gar nur bei 1,2 Prozent liegen. Eine bedrohliche Vorhersage.

Das Ausmaß wird ersichtlich, wenn man bedenkt, dass dieselben Top-Ökonomen, die Deutschland jetzt eine düstere Prognose ausstellen, im Frühjahr noch von 1,9 Prozent (2014) und 2,0 Prozent (2015) Wachstum ausgegangen waren.

156

Auf diesem Platz rangiert Deutschland, wenn man die wirtschaftliche Entwicklung von 1993 bis 2003 in einem Länderranking betrachtet. Das durchschnittliche Wachstum in diesem Zeitraum betrug 1,29 Prozent.

Damit zählt die größte Volkswirtschaft Europas zu den zwölf wachstumsschwächsten Ländern der Welt in dieser Zeitspanne. Hinter Tonga (1,3 Prozent) und gerade so vor Bulgarien (1,23).

Was vor allem Sorgen bereitet: Deutschland verliert in dieser Auflistung auf dramatische Weise den Anschluss an führende Nationen wie Großbritannien (2,4 Prozent) und Schweden (2,5 Prozent).

0,63 Prozent

Um diesen Wert ist die deutsche Wirtschaft in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich gewachsen. Nur, werden Ökonomen im gleichen Atemzug anführen.

Glaubt man Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, dann ist Deutschland längst kein Platzhirsch auf diesem Feld mehr. „Unter normalen Umständen würde man eine solche Rate als Versagen bezeichnen. Deutschland sieht nur deshalb so stark aus, weil die andere Staaten Europas so schlecht aussehen“, kritisierte der US-Ökonom kürzlich.

2060

... könnte das Schreckensjahr aus deutscher Sicht werden. Bis dahin prognostiziert die OECD der hiesigen Wirtschaft ein jährliches Wachstum von 1,1 Prozent. Verglichen mit dem Durchschnitt anderer Mitgliedstaaten (2,2 Prozent bis 20130, dann 1,8 Prozent) ein blamabler Wert.

Erweist sich die Vorhersage als richtig, bildet Deutschland in ein paar Jahrzehnten gemeinsam mit Japan das Schlusslicht der führenden Wirtschaftsnationen.

Erste Vorläufer dieser Entwicklung sind bereits jetzt zu betrachten. In Deutschland ist derzeit ein gigantischer Investitionsrückgang zu beobachten.

1,9 Prozent

So hoch waren 2013 die Investitionen in private Anlagen gemessen an der gesamten Wirtschaftsleistung. 2000 lag dieser Wert noch über 5 Prozent.

Für diesen Negativtrend machen Experten die Politik verantwortlich. "Es ist die Summe der Maßnahmen, die die Investitionstätigkeit in Deutschland dämpft", sagte Oliver Holtemöller, Konjunkturexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) der „Süddeutschen Zeitung”.

DIW-Konjunkturexperte Ferdinand Fichtner kritisierte den Sparhaushalt der Bundesregierung: "Ich halte die schwarze Null aus ökonomischer Sicht derzeit nicht für angebracht."

58 Milliarden

Diese Zahl räumt mit einer der größten Illusionen unserer Zeit auf. Immer mehr Menschen klagen über Stress und Überbelastung im Job. Dabei wurde in Deutschland noch nie so wenig gearbeitet wie im vergangenen Jahr: 58 Milliarden Stunden.

Das macht 3 Stunden und 48 Minuten pro Arbeitskraft und Kalendertag. Ähnlich niedrige Werte findet man in Europa sonst nur noch in den Niederlanden vor.

Zum Vergleich: Nach der Wiedervereinigung konnte Deutschland noch eine Gesamtarbeitszeit von 60 Milliarden Stunden verzeichnen.

200.000

So viele Geringverdiener in Deutschland müssen durch die Einführung des Mindestlohns um ihren Job bangen. Diesen Wert haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten vorgestellt. Darin heißt es, die vom nächsten Jahr an geltende gesetzliche Lohnuntergrenze von 8,50 Euro werde "im Niedriglohnbereich zu Lohnsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich" führen. Besonders betroffen seien Minijobs.


Video: Blick ins Jahr 2030 - In diesen Regionen fallen die meisten Jobs weg


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