VIDEO
22/09/2014 03:29 CEST | Aktualisiert 11/11/2014 05:22 CET

Türkei, Erdogan und die Atombombe: Experte äußert einen schlimmen Verdacht

Ein Verteidigungsexperte behauptet, die Türkei baue eine Atombombe
Thinkstock
Ein Verteidigungsexperte behauptet, die Türkei baue eine Atombombe

Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei ist ein spezielles. Kürzlich wurde bekannt, dass der BND seit Jahren in großem Stil das Land unter Führung des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan ausspioniert.

Glaubt man Experten, dann hat Deutschland allen Grund dazu, die Vorgänge in der Türkei genau im Blick zu behalten.

Hans Rühle etwa, ehemals hochrangiger Funktionär im Bundesverteidigungsministerium, entwirft in seinem jüngsten Gastbeitrag in der "Welt am Sonntag" ein alarmierendes Szenario. Rühles Vorwurf: Die Türkei bastelt heimlich an einer Atombombe.

"Bombe in Vorbereitung"

Die These wirkt beinahe zu furchteinflößend, als dass man sie wahrhaben möchte. Doch sie stammt von einem Insider, der exzellente Einblicke in die Arbeit von Nachrichtendiensten hat – und damit auch in nukleare Aufrüstungsprogramme rund um den Globus.

Rühle war in den 80er Jahren sechs Jahre lang Leiter des Planungsstabes im Verteidigungsministerium. Ein Funktionär in dieser Rolle weiß, welche dunklen Machenschaften sich in Ländern wie der Türkei auf politischer Ebene abspielen.

Und was er nicht weiß, präsentieren ihm die international vernetzten Aufklärungsdienste im Detail.

Das Bild, das der Autor über die Türkei zeichnet, wirkt deshalb durchaus real.

"Die türkische Führung", schreibt Rühle in der "Welt am Sonntag", "will Vorbereitungen treffen für den Bau einer Plutoniumbombe." Plutonium ist hochradioaktiv. Ein Zustand, der es bei Konstrukteuren nuklearer Massenvernichtungswaffen begehrt macht.

Die Absicht, eine entsprechende Bombe zu bauen, unterstellt Rühle dem türkischen Regime – und untermauert seinen Verdacht mit mehreren Indizien.

Massenhaft Angebote für Langstreckenraketen

Der wohl alarmierendste Hinweis, den er liefert: Die türkische Rüstungsindustrie werde derzeit mit Angeboten überschwemmt, die internationalen Beobachtern die Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Die Angebote umfassen den Bau von Langstreckenraketen. Ministerpräsident Erdogan selbst hat sie bereits Ende 2011 öffentlich angefordert. Seitdem läuft die Industrie auf Hochtouren.

Ein Raketen-Modell mit einer Reichweite von 2500 Kilometern soll laut Rühle spätestens 2015 fertiggestellt sein. Langstreckenraketen gelten in Militärkreisen für taktische Manöver als ungeeignet, da ihnen im Vergleich zu anderen Raketen die Präzision fehlt - sie sind nur als strategische Waffen einsetzbar. Mit anderen Worten: zur Abschreckung.

Dass die Türkei sie dennoch in großem Stil produziert, lässt für Rühle nur einen Schluss zu: "Ein Programm zu ihrer Herstellung ist ein sehr starker Hinweis auf ein laufendes Nuklearprogramm", schreibt er in seinem Beitrag.

Angst vor dem Iran

Die militärische Aufrüstung der Türkei geht einher mit der politischen Isolation, die Ankara betreibt.

Seit Jahren kapselt sich das Erdogan-Regime von Europa, von den USA ab. Um das zu erkennen, muss man kein Fachmann sein. Da genügen die Schimpftiraden, die Erdogan in schöner Regelmäßigkeit an die politischen Führungen im Westen entsendet.

Dass der neue politische Kurs aber von so gefährlichem und Besorgnis erregendem Ausmaß ist, zeigt vor allem eins: Erdogan ist kein Mittel zu schade, um der Welt seine

Macht zu demonstrieren.

Was er dabei gekonnt ausblendet: Hinter der suggerierten Macht steckt eine große Angst vor dem Erzfeind Iran.

Nuklearer Pakt mit Pakistan

Dem hält die Weltpolitik seit geraumer Zeit vor, gezielte Pläne für den Bau einer Bombe in einem nationalen Atomprogramm zu verschleiern. Die Gefahr, die dadurch droht, hat offenbar auch die Türkei erkannt – und Gegenmaßnahmen eingeleitet. Wie Autor Rühle unter Berufung auf ausländische Geheimdienste schreibt, herrscht "ein reger nuklearwissenschaftlicher Austausch" zwischen der Türkei und der Atommacht Pakistan, der bis in die 80er Jahre zurückreicht.

Pakistan und Iran sind verfeindet. Wer um dieses konfliktträchtige Verhältnis weiß, mag sich ausmahlen, welches Interesse die Türkei haben könnte, atomar auf- und nachzurüsten. Die Gefahr, dass die Türkei längst in Besitz von konkreten Plänen zum Bau von Kernwaffen sein könnte, erachtet Rühle als real.

Atommüll-Entsorgung? Kein Interesse!

Und noch ein anderes Indiz macht die Türkei seiner Meinung nach höchst verdächtig: Seitens der Regierung herrscht nach allem, was man weiß, keinerlei Interesse, ausgebrannte Brennstäbe, sprich Atommüll, zur Entsorgung frei zu geben – etwa wie bei den Castor-Transporten in Europa.

Plutonium entsteht als Abfallprodukt in den Brennelementen eines Reaktors. Es wird aus den ausgebrannten Brennstäben extrahiert. Der Autor sieht in diesem Verhalten nur eine schlüssige Erklärung: "Die Türkei will Material für eine Bombe auf Plutoniumbasis sammeln."


Auch auf HuffingtonPost.de: Fukushima: Japan gedenkt der Opfern des 11. März 2011