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16/09/2014 10:02 CEST

AfD: Enttäuschte Funktionärin entlarvt eigene Partei

Sie war eine der wenigen, vielleicht sogar die Einzige in der AfD, die für liberale Werte eingetreten ist. Doch diesen Kampf hat Michaela Merz, Mitglied des Bundesvorstands und Sprecherin des Landesverbands Thüringen, verloren.

Die Anti-Euro-Partei ist nach rechts abgedriftet. In Ostdeutschland hat sie bei drei aufeinander folgenden Landtagswahlen zweistellige Ergebnisse eingefahren - durch teilweise populistische Parolen.

Es ist nicht die AfD, so wie sie sich Michaela Merz vorgestellt hat. Deshalb hat sie jetzt Konsequenzen gezogen. Die Funktionärin will zum 1. Oktober aus der Partei austreten.

„AfD ist der Verantwortung nicht gewachsen"

Das hat Merz in einem offenen Brief in ihrem Blog angekündigt.

„Die Schlacht um die Ausrichtung der Partei ist verloren”, schreibt Merz. Liberale Philosophien hätten in der AfD keine Bedeutung mehr.

Ihr Brief ist gleichzeitig eine Generalabrechnung mit den alten Parteikollegen, besonders mit der Führung der AfD.

„Es zeigt sich immer deutlicher, dass die Funktionäre der Verantwortung” für Demokratie nicht gewachsen seien, kritisiert Merz. Die Philosophie der AfD, schreibt sie, sei „mit einem modernen weltoffenen Deutschland nicht mehr zu vereinbaren”.

Vorwurf: AfD schürt Ängste - ganz bewusst

Den führenden Köpfen scheine es „zunehmend egal zu sein, welche politischen Philosophien sich unter dem Parteilogo versammeln – Hauptsache es gibt Stimmen und Geld”, prangert Merz an.

Der Parteispitze hält das Vorstandsmitglied vor, bewusst Ängste zu schüren - „gegen unsere Nachbarn im Ost-Europa, gegen kriminelle Ausländer, gegen Moslems, gegen Sozialschmarotzer”.

Mit ihrer Vorstellung des politischen Kurses der AfD ist Merz offenbar auf taube Ohren gestoßen.

Deutschland brauche keine weitere Protestpartei, schreibt sie. „Sondern eine politische Kraft, die sich ernsthaft mit den Themen unserer Zeit befasst und durch kluge, durchdachte und pragmatische Lösungsvorschläge die zahlreichen Probleme in unserem Land angeht.”

Ihren Abschiedsbrief leitet Merz mit dem Datum ihres Parteiaustritts ein. „Zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens jedoch zum 1. Oktober 2014”, schreibt sie.

Es kann ihr offenbar nicht schnell genug gehen, der AfD den Rücken zu kehren.

Des kompletten Brief finden Sie hier:


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