WIRTSCHAFT
10/09/2014 07:47 CEST | Aktualisiert 10/09/2014 08:40 CEST

McKinsey zur Generation Y: "Junge Menschen wollen anders arbeiten - aber sie sind keinesfalls faul"

"Work hard, play hard ist nicht mehr" - Wie die Generation Y McKinsey verändert
Getty Images
"Work hard, play hard ist nicht mehr" - Wie die Generation Y McKinsey verändert

Er ertrinkt in Bewerbungen von Top-Talenten: Thomas Fritz ist Recruiting-Chef der Unternehmensberatung McKinsey. 15.000 Bewerbungen bekommt er pro Jahr nach eigenen Angaben. Viele ambitionierte junge Menschen brennen dafür, hier arbeiten zu dürfen. Die Konkurrenz ist groß. Fritz stellt nur 250 Berater und 100 Praktikanten ein.

Im HuffPost-Interview spricht Fritz darüber, wie die sogenannte Generation Y McKinsey verändert. Und er macht den Anhängern der "Wir brauchen mehr Work-Life-Balance"-Bewegung klar, dass ihre Forderungen mit der Realität der Ypsiloner nicht mehr viel zu tun haben.

HuffPost: Was für eine Generation fängt gerade bei McKinsey an zu arbeiten?

Thomas Fritz: Eine Generation, die hervorragend ausgebildet und sehr international ist. Die Berufseinsteiger sind selbstbewusst und haben einen mehrdimensionaleren Blick darauf, was Erfolg bedeutet.

HuffPost: Was meinen Sie damit?

Fritz: Die Generation Y hat unserer Erfahrung nach den Wunsch nach stärkerer Zeitsouveränität und Flexibilität, natürlich neben spannenden Projekten und persönlichen Herausforderungen – das fordert sie auch stark ein. Als Arbeitgeber müssen wir das ernst nehmen, sonst sind die Mitarbeiter weg. Die Kollegen sind heute immer noch sehr loyal, aber nur solange sie ihre persönlich gesteckten Ziele auch erreichen. Gerade McKinsey kann es sich nicht leisten, diese Ziele und Wünsche zu ignorieren.

HuffPost: Warum gerade Ihre Beratung nicht?

Fritz: McKinsey ist quasi die Generation Y. Rund zwei Drittel unserer Mitarbeiter gehören zu dieser Generation, die ersten sind bei uns schon Partner.

HuffPost: Was bieten Sie den Ypsilonern?

Fritz: Wir haben unsere Mitarbeiter gefragt: Wie muss die Firma sein, damit sie attraktiver ist? Daraus entstanden ist zum Beispiel das „Take Time“-Programm...

HuffPost: ... die Möglichkeit, zwei Monate Auszeit zu nehmen – zusätzlich zum Urlaub.

Fritz: Genau. Vor fünfzehn Jahren wäre so ein Programm undenkbar gewesen. Da ging es um work hard play hard. Heute freuen sich junge Menschen auf die Pause. Sie verbringen die freie Zeit mit ihrer Familie, andere fahren mit dem Rad quer durch Afrika. Sie wollen anders arbeiten – aber sie sind keinesfalls faul. Auch Uni-Absolventen wollen keinen nine-to-five-Job.

HuffPost: Woher wissen Sie das?

Fritz: Eine Befragung von 6000 Stipendiaten auf der Plattform e-fellows.net hat gezeigt, dass die Work-Life-Balance für die Generation Y zwar durchaus eine wichtige Rolle spielt. Fragt man sie jedoch ganz konkret nach den aus ihrer Sicht attraktivsten Arbeitgebern, landen dabei Argumente wie Innovationsgrad, sinnstiftende Aufgaben oder der Ruf des Unternehmens ganz oben.

mckinsey fritz

HuffPost: Bewundern Sie die jungen Menschen?

Fritz: Wir leben in einer sich schnell verändernden Welt. Da braucht es eine Generation, die damit Schritt halten kann. Und das können die jungen Menschen. Sie sind in der Lage, innerhalb eines Jahres wahnsinnig viele Veränderungen mitzunehmen und das als den natürlichen Lauf der Dinge wahrzunehmen. Wir haben genau die Generation, die wir brauchen.

HuffPost: Ein großes Thema ist in diesen Tagen die ständige Erreichbarkeit. Was halten Sie von dem diskutierten E-Mail-freien Feierabend?

Fritz: Das ist eine plakative Maßnahme, die in vielen Bereichen schlicht keinen Sinn ergibt.

HuffPost: Warum nicht?

Erstens: Bei einem internationalen Unternehmen ist so etwas völlig impraktikabel. Die Kollegen in Asien dürften uns keine Mails mehr schicken. Und zweitens: Ein solches Verbot geht an den Bedürfnissen dieser Generation vorbei. Ein E-Mail-Verbot in der Freizeit würde konsequenterweise ein Facebook-Verbot bei der Arbeit bedeuten. Wenn man die Kollegen vor diese Wahl stellen würde, wüsste ich, wofür sie sich entscheiden. Die Vorstellung „Wenn ich bei der Arbeit bin, mache ich nichts anderes als zu arbeiten“ ist veraltet.

HuffPost: Was ist Ihrer Meinung nach das moderne Verständnis?

Fritz: Bei der Arbeit telefoniere ich auch mal privat und gucke bei Facebook vorbei – und privat bekomme ich dann eben auch nach 17 Uhr eine Mail, auf die ich antworte. Das ist längst die Lebensrealität der Generation Y – diese Flexibilität erwartet sie. Klar, es gibt erfahrenere Mitarbeiter, die schon länger dabei sind, die denken: "So etwas zu fordern, hätte ich mich früher nicht getraut. Was nehmen die sich nur heraus?" Gleichzeitig denken sie aber vielleicht auch: "Hätten wir rückblickend auch tun sollen."

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