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07/09/2014 13:16 CEST | Aktualisiert 07/09/2014 13:36 CEST

Burnout und Depressionen: Wie Arbeit krank macht - und Krankenkassen jetzt dagegen ankämpfen wollen

Thinkstock

Es galt lange Zeit als ein typisches Manager-Leiden, mittlerweile ist es in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Burnout, das Gefühl des Ausgebranntseins.

In der U-Bahn schnell noch die Mail vom Chef lesen, zu Hause am Projekt vom Vortag weiterarbeiten, SMS von Kollegen beantworten - während früher Arbeits- und Freizeit klar voneinander getrennt waren, verlauft die Grenze heute oft fließend.

Immer häufiger wird das Wohnzimmer zum zweiten Dienstort

Die "Stechuhr-Mentalität" ist längst Vergangenheit. Smartphones sorgen dafür, dass die Arbeitnehmer rund um die Uhr erreichbar und mental im Dauerdienst sind. Was man nicht mehr auf der Arbeit schafft, nimmt man eben mit nach Hause - immer häufiger wird das Wohnzimmer zum zweiten Schreibtisch.

Zwar hat flexibles Arbeiten für viele Menschen durchaus auch Vorzüge, wie etwa die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die ständige Erreichbarkeit hat für immer mehr Deutsche aber dramatische Folgen: Rund 16 Prozent aller Fehltage in deutschen Betrieben waren im ersten Halbjahr 2014 auf psychische Erkrankungen wie Burnout zurückzuführen. Die Zahl der Krankheitsfälle von Depressionen oder Angstzuständen stieg um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an.

Im Klartext heißt das: Der moderne Arbeitsrhythmus ist zwar auf Effizienz und Schnelligkeit getrimmt - schadet aber auf Dauer der Volkswirtschaft.

Krankenkassen geben Arbeitgebern Mitschuld am Burnout-Anstieg

Die Chefs mehrerer großer Krankenkassen haben den Arbeitgebern jetzt eine Mitschuld am dramatischen Anstieg der Burnout-Erkrankungen und Depressionsfälle in den Unternehmen gegeben.

Die Vorstandsvorsitzenden der Barmer GEK, Techniker Krankenkasse (TK) und Kaufmännischer Krankenkasse KKH forderten die Unternehmensführungen zu einem Kurswechsel auf und verlangten eine Stärkung der Gesundheitsvorsorge in den Betrieben.

„Die Veränderungen in unserer Arbeitswelt zum Beispiel durch den Gebrauch von Smartphones und die damit verbundene ständige Erreichbarkeit führen zu immer mehr Stress“, sagte Barmer-Chef Christoph Straub der „Welt am Sonntag“.

"Niemand sollte immer erreichbar sein"

Er sprach sich dafür aus, die Arbeitgeber per Gesetz dazu zu zwingen, Mitarbeitern das Recht auf Ruhepausen zuzugestehen. „Niemand sollte immer erreichbar sein müssen – hier kann ein Gesetz durch klare Maßstäbe gegen Dauerstress Gesundheit schützen.“

KKH-Chef Ingo Kailuweit warf den Unternehmen vor, ihre Verantwortung für die Beschäftigten zu vernachlässigen. Viele Betriebe versäumten es, ihre Mitarbeiter gezielt auf einen verträglichen Umgang mit wachsendem Stress vorzubereiten. „Hier müssen die meisten Arbeitgeber umdenken“, forderte er.

TK-Chef Jens Baas rief die Unternehmen auf, verstärkt in betriebliches Gesundheitsmanagement zu investieren. „Hier ist jeder Euro gut angelegt.“

Präventionsprogramm als Lösung?

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe unterstützt den Appell der Kassen. „Gute Präventionsprogramme können dazu beitragen, dass Krankheiten wie Burnout oder körperliche Beschwerden als Folge beruflicher Belastungen gar nicht erst entstehen“, sagte der CDU-Politiker der „Welt am Sonntag“.

Gesundheit und Zufriedenheit der Beschäftigten zu fördern, liege im eigenen Interesse der Betriebe. „Unternehmen, die das erkennen, steigern letztlich auch ihre Wettbewerbsfähigkeit.“

Klar ist aber auch: Ein Umdenken muss nicht nur bei den Unternehmen stattfinden, sondern auch bei den Beschäftigten selbst.

Mittlerweile verzichten etwa 41 Prozent der weiblichen Führungskräfte auf Pausen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Arbeitsschutzbehörde. Als Grund gaben die Frauen an, dass die Unterbrechungen nicht in ihren Arbeitsablauf passen.

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