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03/09/2014 13:26 CEST

Russischer Top-General enthüllt Putins Pläne für die Ukraine

Ein General hat vor einem Jahr bereits indirekt angekündigt, was Putin in der Ukraine plant
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Ein General hat vor einem Jahr bereits indirekt angekündigt, was Putin in der Ukraine plant

PRAG – Als sich die Ukraine-Krise im November und den folgenden Wochen dramatisch verschärfte, war ich beeindruckt, wie viele verschiedene Instrumente Russland hatte, um den Nachbarstaat zu destabilisieren. Es wurde sehr schnell klar, dass russische Politiker, Journalisten, angebliche Nichtregierungsorganisationen, Staatsfirmen, Thinktanks, das Militär, die Gerichte, Behörden und die Duma alle auf Basis derselben Anweisungen auf dasselbe Ziel hinarbeiteten.

Zur gleichen Zeit habe ich auf Twitter darauf hingewiesen, dass die Krise die taktische Effektivität des „Einheitsstaates“ Russland zeigte, den Präsident Wladimir Putin seit 1999 aufgebaut hatte.

Im Juni stieß ich auf einen ziemlich obskuren Artikel von General Valery Gerasimow, Generalstabschef der Russischen Föderation, und war verblüfft, wie genau er meine Beobachtungen der Ukraine-Krise widerspiegelte.

Gerasimow schrieb darüber, wie ein „in voller Blüte stehender Staat innerhalb von Monaten oder sogar Tagen in einen Schauplatz heftiger bewaffneter Konflikte verwandelt, ein Opfer von Intervention aus dem Ausland, ins Chaos, in eine humanitäre Katastrophe und in den Bürgerkrieg gestürzt werden kann.“

Das erreiche man, so schrieb Gerasimow, „durch den groß angelegten Einsatz politischer, ökonomischer, informationeller, humanitärer und anderer nicht-militärischer Maßnahmen in Koordination mit dem Protestpotential der Bevölkerung“. Ziel sei „eine dauerhaft aktive Front im gesamten Feindesland“.

Gerasimows Artikel ist für Militärspezialisten von großem Interesse, aber auch für die Allgemeinheit. Er zeigt viel von dem, wie Russland den Westen und insbesondere die USA sieht, der nach der Überzeugung des Kreml regelmäßig solche Operationen in der ganzen Welt durchführt. Die Sicht auf die Weltpolitik, die in diesem Artikel deutlich wird, reflektiert meiner Ansicht nach sehr genau eine wichtige Denkschule im Kreml.

Der Text wurde in einem unbedeutenden Magazin veröffentlicht und der Verfasser hatte wohl nicht damit gerechnet, dass sein Text im Ausland gelesen würde.

Er offenbart auch eine ehrliche und ziemlich negative Einschätzung der russischen Militärwissenschaft. Gerasimow schreibt, die Weiterentwicklung des Fachs sei in der Vergangenheit durch eine „Verachtung für neue Ideen“ behindert worden, wofür die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg mit „viel Blut“ bezahlt habe.

Wer hier zwischen den Zeilen liest, kann viel lernen über die Beziehung zwischen dem Militär und der Regierung und über die konkurrierenden Denkschulen innerhalb des Sicherheitsapparates selbst.

Ich denke, dieser Artikel ist eine Lektion für den Westen. Die russische Regierung hält sich bewusst bedeckt, aber sie ist bei weitem nicht so undurchschaubar wie die sowjetische gewesen war. Es gibt viele wichtige und entlarvende Informationen, die aufgespürt, analysiert, übersetzt und in die Diskussion über Russlands Beziehung zum Westen und Russlands Rolle in der Welt eingebracht werden müssen. Aber nur ein Bruchteil dieser Informationen dringt über einen kleinen Zirkel von Spezialisten hinaus. Und das ist ein Fehler, der dem Westen teuer zu stehen kommen kann.

Das ist meine Übersetzung von Schlüsselstellen aus General Gerasimows Artikel, der am 27. Februar 2013 in der russischen Publikation „Militärisch-industriellen Kurier“ erschien.

Im 21. Jahrhundert verschwimmen die Grenzen zwischen Krieg und Frieden mehr und mehr. Kriege werden nicht länger offiziell erklärt, und wenn sie einmal begonnen haben, folgen sie neuen Mustern.

Die Erfahrung mit militärischen Konflikten - inklusive jener, die mit den sogenannten Farbrevolutionen in Nordafrika und dem Nahen Osten zusammenhängen – lehrt, dass ein in voller Blüte stehender Staat innerhalb von Monaten oder sogar Tagen in einen Schauplatz heftiger bewaffneter Konflikte gezogen, ein Opfer von Intervention aus dem Ausland, ins Chaos, in eine humanitäre Katastrophe und in Bürgerkrieg gestürzt werden kann.

Lektionen aus dem „Arabischen Frühling“

Natürlich wäre es am einfachsten zu sagen, dass der „Arabische Frühling“ kein Krieg war und es daher für uns – für das Militär – nichts daraus zu lernen gibt. Aber vielleicht ist das Gegenteil der Fall – dass genau solche Ereignisse typisch für Kriege des 21. Jahrhunderts sind.

Betrachtet man die Dimension der Opfer und der Zerstörung, die katastrophalen sozialen, ökonomischen und politischen Konsequenzen, sind solche neuartigen Konflikte vergleichbar mit den Folgen echter Kriege.

Die ehernen „Regeln des Krieges“ haben sich verändert. Nicht-militärische Mittel sind wichtiger geworden, um politische und strategische Ziele zu erreichen, und in vielen Fällen waren sie effektiver als Waffengewalt.

Die Wahl der Methoden im Konflikt hat sich in Richtung eines breiten Einsatzes von politischen, ökonomischen, informationellen, humanitären und anderen nicht-militärischen Maßnahmen verschoben, in Koordination mit dem Protestpotential der Bevölkerung.

All das wird von verdeckten militärischen Maßnahmen ergänzt, darunter informationelle Aktionen und der Einsatz von Spezialeinsatzkräften. Der offene Einsatz von Truppen – oft unter dem Deckmantel von friedenserhaltenden Maßnahmen und Krisenmanagement – ist einer bestimmte Phase des Konfliktes vorbehalten, hauptsächlich, um den finalen Sieg herbeizuführen.

Daraus ergeben sich logische Fragen: Was ist moderner Krieg? Auf was sollte die Armee vorbereitet sein? Wie sollte sie bewaffnet sein?

Nur nach der Beantwortung dieser Fragen können wir festlegen, wie wir auf lange Sicht die Streitkräfte aufbauen und weiterentwickeln. Um das zu tun, müssen wir unbedingt die Formen und Methoden der Gewaltanwendung kennen.

In diesen Tagen werden sowohl traditionelle als auch neue Techniken weiterentwickelt. Die Rolle von mobilen, gemischten Einsatzgruppen, die in einem gemeinsamen Informationsraum handeln, wurden durch den Einsatz neuer Gefechtsstandssysteme gestärkt.

Militäraktionen werden dynamischer, aktiver, erfolgreicher. Taktische und operative Pausen, die der Feind nutzen könnte, verschwinden. Neue Informationstechnologien haben die räumlichen und zeitliche Distanzen und Informationsunterschiede zwischen den Einsatzkräften und den Kontrollorganen signifikant reduziert.

Fronteinsätze großer Kampfverbände auf dem strategischen und operativen Level gehören immer mehr der Vergangenheit an. Angriffe über weite Entfernungen ohne direkten Feindkontakt werden das wichtigste Mittel, Kampfziele und operative Ziele zu erreichen.

Feindliche Ziele werden auf seinem gesamten Territorium bekämpft. Die Unterschiede zwischen strategischen, operativen und taktischen Levels entfallen, außerdem jene zwischen Angriffs- und Verteidigungseinsätzen.

Der Einsatz von Hochpräzisionswaffen wird Standard. Waffen auf Basis neu entdeckter physikalischer Prinzipien und automatisierter Systeme werden aktiv in die militärischen Handlungen eingebunden.

Asymmetrische Kriegsführung ist inzwischen weit verbreitet, mit ihr kann man die Vorteile, die der Feind hat, zunichte machen. Dazu zählen der Einsatz von Spezialeinsatzkräften und der internen Opposition, um eine dauerhaft aktive Front im ganzen Feindesland zu schaffen, ebenso informationelle Aktionen, Geräte und Methoden, die ständig perfektioniert werden.

Diese andauernden Veränderungen spiegeln sich in Lehrmeinungen der führenden Staaten der Welt und werden in militärischen Konflikten genutzt.

Schon 1991, während der Operation Desert Storm im Irak, hat das US-Militär das Konzept von „globaler Schlagkraft, globaler Macht“ und von „Luft-Boden-Angriffen“ angewendet. 2003, während der Operation Iraqi Freedom, wurden Militäroperationen im Einklang mit der sogenannten Single Perspective 2020 durchgeführt.

Nun sind die Konzepte von „globalem Angriff“ und „globaler Raketenabwehr“ sehr weit entwickelt, mit denen feindlichen Objekte und Kräfte innerhalb von Stunden von fast überall auf der Welt attackiert werden können, während sie gleichzeitig vor nicht mehr tolerierbarem Schaden durch einen feindlichen Gegenschlag Schutz bieten. Die USA versuchen außerdem durch die weltweite Vernetzung in sehr kurzer Zeit höchst mobile gemischte Einsatzgruppen bereitzustellen.

In den jüngsten Konflikten sind neue Varianten militärischer Operationen aufgetaucht, die nicht rein militärisch betrachtet werden können. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz in Libyen, wo eine Flugverbotszone eingerichtet und eine Seeblockade errichtet wurde, und private Militärunternehmen in großem Stil eingesetzt wurden, in enger Zusammenarbeit mit bewaffneten Verbänden der Opposition.

Wir müssen zugeben, dass wir zwar tiefes Wissen über die traditionellen militärischen Aktionen regulärer Streitkräfte haben, aber nur einen oberflächliches Verständnis asymmetrischer Formen und Mittel. In diesem Zusammenhang wird die Militärwissenschaft wichtiger, die eine umfassende Theorie solcher Aktionen erarbeiten muss. Die Arbeit und die Forschung der Militärakademie kann hier helfen.

Die Aufgaben der Militärwissenschaft

Wenn wir über die Formen und Mittel eines militärischen Konflikts diskutieren, dürfen wir unsere eigenen Erfahrungen aus der Vergangenheit nicht außer Acht lassen. Damit meine ich zum Beispiel den Einsatz von Partisaneneinheiten während des deutsch-sowjetischen Krieges oder den Kampf gegen irreguläre Truppen in Afghanistan und im Nordkaukasus.

Ich möchte unterstreichen, dass während des Afghanistan-Kriegs spezielle Formen und Mittel zur Durchführung von Militäroperationen erarbeitet wurden. Im Wesentlichen führten Schnelligkeit, der geschickte Einsatz von taktischen Fallschirmjägern und zur Einkesselung abgestellter Truppen zusammen dazu, dass die Pläne des Feindes vereitelt wurden und er erhebliche Verluste erlitt.

Weitere Faktoren , die das Wesen moderner bewaffneter Konflikte beeinflussen, sind die Verwendung moderner, automatisierter Militärsysteme und Forschung auf dem Gebiet künstlicher Intelligenz. Während wir heute noch Drohnen fliegen, werden die Schlachtfelder von morgen mit laufenden, kriechenden, springenden und fliegenden Robotern gefüllt sein. Es ist denkbar, dass in naher Zukunft eine voll automatisierte Robotereinheit geschaffen wird, die militärische Operationen selbstständig durchführen kann.

Wie sollen wir unter solchen Bedingungen kämpfen? Welche Mittel sollten wir gegen einen Roboter-Gegner einsetzen? Welche Art von Robotern brauchen wir, und wie können sie entwickelt werden? Bereits heute müssen unsere militärischen Köpfe über diese Fragestellungen nachdenken.

Das Problem, dem wir die größte Aufmerksamkeit widmen müssen, ist die Frage, wie man den Einsatz der Streitkräfte perfektionieren kann. Es ist notwendig, die strategischen Aktivitäten der Streitkräfte der Russischen Föderation neu zu durchdenken. Bereits jetzt kommen Fragen auf wie: Sind so viele strategische Operationen notwendig? Welche und wie viele davon werden wir in Zukunft brauchen? Bisher gibt es darauf keine Antworten.

Es gibt auch andere Probleme, denen wir in unserer täglichen Arbeit begegnen.

Wir befinden uns derzeit in der finalen Aufbauphase eines Systems zur Luft- und Weltraumverteidigung (VKO). Aus diesem Grund konkretisiert sich die Frage nach der Entwicklung von Handlungsformen und Instrumenten, die auf VKO-Kräfte und -Mittel zurückgreifen. Der Generalstab arbeitet bereits an diesen. Ich schlage vor, dass sich auch die Akademie für Militärwissenschaft aktiv daran beteiligt.

Das Internet eröffnet zahlreiche, asymmetrische Möglichkeiten, die Kampfkraft des Feindes zu schwächen. In Nordafrika konnten wir den Einsatz von Technologien zur Beeinflussung staatlicher Strukturen und der Bevölkerung mit Hilfe von Informationsnetzwerken beobachten. Es ist notwendig, die Aktivitäten im Netz einschließlich der Verteidigung unserer eigenen Objekte zu perfektionieren.

Der Einsatz, mit dem Georgien zum Frieden gezwungen werden sollte, zeigte, dass ein einheitlicher Ansatz für den Einsatz von Streitkräfteeinheiten außerhalb der Russischen Föderation fehlte. Der Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi im September 2012, das Aufleben der Piraterie und die jüngste Geiselnahme in Algerien – all das bestätigt, wie wichtig es für die Interessen des Staates ist, ein eigenes Verteidigungssystem außerhalb seiner Landesgrenzen zu schaffen.

Obwohl die Ergänzungen, die im Jahr 2009 ins Verteidigungsgesetz aufgenommen wurden, den Einsatz der russischen Streitkräfte außerhalb des Landes ermöglichen, werden die Art des Vorgehens und die Handlungsinstrumente eines Einsatzes nicht definiert. Darüber hinaus wurde die Frage, ob der operative Einsatz auch erleichtert werden kann, auf interministerieller Ebene nicht geklärt. Hierzu gehören die Vereinfachung des Vorgehens bei der Überquerung der Staatsgrenzen, die Nutzung des Luftraums und der Hoheitsgewässer der ausländischen Staaten, das Vorgehen bei der Interaktion mit den Behörden im Zielstaat, und so weiter.

Es ist notwendig, die Arbeit der Forschungsorganisationen, der zuständigen Ministerien und der Behörden in solchen Angelegenheiten zusammenzuführen.

Eine Form der Anwendung militärischer Gewalt außerhalb des Landes ist die Friedenssicherung. Zusätzlich zu den klassischen Aufgaben könnten hier auch speziellere hinzukommen, wie humanitäre Rettung, Evakuierung, Gesundheitspflege und andere. Derzeit gibt es hier keine Klassifikation, Wesen und Inhalte sind nicht definiert.

Darüber hinaus setzen die komplexen und facettenreichen Aufgaben der Friedenssicherung, die möglicherweise von regulären Truppen ausgeführt werden müssen, die Schaffung eines grundlegend neuen Systems zur Vorbereitung dieser Truppen voraus. Schließlich ist es die Aufgabe einer Friedenstruppe, Konflikte zwischen Parteien zu lösen, die Zivilbevölkerung zu schützen und zu retten, Gewalt zu verringern und ein friedliches Leben wiederherzustellen. All dies verlangt eine akademische Vorbereitung.

Kontrolle des Staatsgebiets

In modernen Konflikten wird es immer wichtiger, die eigene Bevölkerung, das eigene Gut, und die Kommunikation vor Spezialkräfte schützen zu können, die immer häufiger eingesetzt werden. Zur Lösung des Problems braucht es die Organisation und Einführung einer Landesverteidigung.

Vor dem Jahr 2008, als die Armee in Kriegszeiten mehr als 4,5 Millionen Männer zählte, wurden diese Aufgaben ausschließlich von den Streitkräften übernommen. Die Bedingungen haben sich aber verändert. Nun kann diversen feindlichen Kräften und Terroristen nur noch durch die komplexe Einbindung aller Sicherheits- und Ordnungskräfte des Landes begegnet werden.

Der Generalstab hat diese Arbeit begonnen. Sie basiert darauf, die Landesverteidigung neu zu planen, wie es schon die Änderungen im Verteidigungsgesetz vorsehen. Das Gesetz verlangt, dass das System zur Landesverteidigung definiert wird und die Rolle anderer Kräfte, militärischer Verbände und anderer staatlicher Organe in diesem System rechtlich festschrieben wird.

Wir brauchen fundierte Empfehlungen für ressortübergreifende Arbeit, für Mittel zur Landesverteidigung und für Methoden zur Bekämpfung von Terrorismus und anderer feindlicher Kräfte unter diesen modernen Bedingungen.

Die Erfahrungen aus militärischen Operationen in Afghanistan und im Irak haben gezeigt, dass man die Rolle und das Maß einer Beteiligung der Streitkräfte an Einsätzen nach Ende der eigentlichen Krise zu definieren – zusammen mit den Forschungseinrichtungen anderer Ministerien und den Behörden der Russischen Föderation.

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Ideen entstehen nicht auf Befehl

Der heutige Zustand der russischen Militärwissenschaft lässt sich nicht mit der Blütezeit des militärisch-theoretischen Denkens in unserem Land, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, vergleichen.

Natürlich gibt es dafür objektive und subjektive Gründe, und man kann nicht einer bestimmten Person dafür die Schuld geben. Ich bin nicht derjenige, der sagte, Ideen entstünden nicht auf Befehl.

Ich stimme dem zu, aber ich muss auch noch etwas anderes anerkennen: Damals gab es keine Menschen mit einem höheren Bildungsgrad und es gab keine Hochschulen oder akademischen Fakultäten. Es gab außergewöhnliche Persönlichkeiten mit brillanten Ideen. Ich würde sie im besten Sinne des Wortes Fanatiker nennen. Vielleicht haben wir heutzutage einfach nicht genügend solcher Leute.

Menschen wie zum Beispiel Georgy Isserson, der trotz der Überzeugungen, die er vor dem Krieg entwickelte, das Buch "Neue Formen des Kampfes" veröffentlichte. In diesem Buch sagte der sowjetischen Militärtheoretiker voraus:

"In der Regel wird kein Krieg erklärt. Er beginnt einfach mit bereits entwickelten Streitkräften. Mobilisierung und Konzentration findet nicht erst nach Beginn des Kriegszustands statt, wie es im Jahr 1914 der Fall war, sondern unbemerkt schon lange vorher. "

Das Schicksal dieser "Propheten des Vaterlandes" war tragisch. Unser Land hat mit viel Blut dafür bezahlt, nicht auf die Schlussfolgerungen dieses Professors der Generalstabsakademie gehört zu haben.

Was können wir daraus schließen? Eine verächtliche Haltung gegenüber neuen Ideen, gegenüber ungewöhnlichen Ansätzen, gegenüber anderer Sichtweisen ist in der Militärwissenschaft inakzeptabel. Und es ist sogar noch viel inakzeptabler für Leute vom Fach, diese Haltung gegenüber der Wissenschaft zu haben.

Abschließend möchte ich sagen, dass, egal welche Truppen der Feind hat, egal wie gut seine Kräfte und Mittel sein mögen, es Handlungsformen und –Instrumente gibt, mit denen er bezwungen werden kann. Er wird immer Schwachstellen haben, was bedeutet, dass immer hinreichende Mittel gegen ihn existieren.

Wir dürfen die Erfahrungen anderer nicht kopieren und führenden Ländern nicht hinterherlaufen, wir müssen sie überholen und selbst eine führende Position einnehmen. Hier spielt die Militärwissenschaft eine entscheidende Rolle.

Der herausragende sowjetische Militärwissenschaftler Aleksandr Svechin schrieb:

"Es ist außerordentlich schwer, die Bedingungen des Krieges vorherzusagen. Für jeden Krieg ist es notwendig, eine klare Linie strategischen Verhaltens auszuarbeiten. Jeder Krieg ist einzigartig und fordert eine neue, bestimmte Logik, und kein Schablonendenken.“

Dieser Ansatz ist ebenfalls richtig. Jeder Krieg ist einzigartig, fordert das Verständnis seiner besonderen Logik, seiner Einzigartigkeit. Deshalb ist der Charakter eines Krieges, in den Russland oder seine Verbündeten gezogen werden könnten, schwer vorherzusagen. Dennoch müssen wir genau das versuchen.

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