WIRTSCHAFT
13/08/2014 12:05 CEST | Aktualisiert 13/08/2014 14:37 CEST

Generation Y: Hoch lebe Plan B - oder: Das Ende der Verbindlichkeit

Was junge Menschen der Generation Y von der Zukunft erwarten, wissen sie selbst nicht so genau.

"Sie haben für ihr Leben keinen festen Plan, den sie auf einem bestimmten Weg erreichen wollen. Sie wissen, dass die Welt morgen schon wieder ganz anders aussehen kann. Für alles, was sie machen, gibt es noch eine Option B, C oder D", sagt der Jugendforscher Klaus Hurrelmann in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Hurrelmann beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der deutschen Jugend, ihren Bedürfnissen und ihrer Sicht auf die Welt.

Hurrelmann sagt: Die Elite der 14- bis 29-Jährigen könne es sich leisten, immer wieder den Pfad zu wechseln. "Wenn das falsch war, korrigiere ich es einfach", beschreibt Hurrelmann das Motto der jungen Menschen.

Ansichten, die man von anderen Generationen bislang nicht gekannt hat.

Befristete Verträge, lange Probezeiten - diesen Ball spielt die Generation Y zurück

Für die Generation Y gilt jedoch: Es gibt keine Entscheidung, die endgültig ist. Erst recht nicht im Job.

Wenn etwas nicht passt, wird es passend gemacht - und zur Not wird gekündigt. Und zwar nicht erst in drei Jahren, sondern schon in den ersten drei Monaten.

Hurrelmann zufolge werden 30 bis 40 Prozent der jungen Menschen, die heutzutage auf den Arbeitsmarkt streben, zunächst mit befristeten Verträgen ausgestattet.

Für Unternehmen könnte das nochmal zum Problem werden. Sie dürften sich nicht wundern, sagt der Jugendforscher, „wenn dieser Effekt auf sie selbst zurückkommt. Das ist das Ende der Verbindlichkeit".

Viele Berufseinsteiger dürften sich in diesem Zitat wiedererkennen. Denn zum Teil werden Einjahresverträge noch mit einem halben Jahr Probezeit verbunden.

Eine vertrauensbildende Maßnahme der Arbeitgeber ist das nicht, um es vorsichtig auszudrücken.

Berufsstarter stellen Unternehmen auf die Probe

Doch auch diesen Ball spielt die Generation Y zurück ins Feld der Arbeitgeber. Die Berufseinsteiger nutzen ihre Probezeit - weil sie ihren Arbeitgeber ebenso auf Probe stellen.

Sie laufen nicht verängstigt durchs Büro, in Sorge, dass der Chef sie vor Ablauf der Frist entlässt. Die Nachwuchskräfte von heute werfen lieber von sich aus hin.

Wenn sie merken, dass ihre Bedürfnisse enttäuscht werden. Dass der Chef nervt, die Kollegen blöd sind oder das Aufgabengebiet nicht den eigenen Vorstellungen entspricht.

Genau dieses Verhalten legen Kritiker jungen Menschen häufig als Egoismus aus. Fälschlicherweise - findet Hurrelmann.

Die Generation Y schaue sich nur genau an, "wie die Umwelt aussieht". Dann wäge sie Kosten und Nutzen ab. Ist daran etwas verwerflich?

Abwägung. Eigentlich dreht sich der ganze Alltag der Generation Y um dieses Prinzip. Eine permanente Analyse, ein ständiges Reflektieren, eine Entscheidung zwischen Pro und Contra.

Die Wahl verschiedener Möglichkeiten, sie ist für die Generation Y keine Qual - sondern eine Chance.

"Wenn wir als ältere Generation vor solchen Herausforderungen stünden, würde es uns kaputt machen. Die junge Generation hat gelernt, dass man Zeit hat, die Optionen auf sich wirken zu lassen", sagt Experte Hurrelmann im "Handelsblatt".

Genau diese Menschen sind es auch, die sich "Zeit zum Scheitern" nehmen. Eine Fähigkeit, die Ex-Telekom-Manager Thomas Sattelberger jüngst in einem Interview mit der Huffington Post von Berufseinsteigern einforderte - weil er sie im Gegensatz zu Hurrelmann vermisst.

Hurrelmann sieht die Zukunft der Generation Y deutlich optimistischer. Für ihn deutet vieles darauf hin, dass auch die Generation, die zwischen 2000 und 2015 geboren wurde und wird, den Kurs der Ypsiloner fortsetzen werde.

Hurrelmann ist sicher, dass seine Aussagen auf 60 Prozent der 14- bis 29-Jährigen zutreffen. Die Zahl wirkt groß. Hoffentlich ist sie das auch.

Als junger Mensch hofft man das. Damit sich wirklich etwas ändert - in Unternehmen, in der Arbeitswelt der Zukunft.

Denn sonst liest man in zehn Jahren vom großen Irrtum über eine Generation. Eine Generation, die sich anschickte, alles zu ändern, aber alles vermasselte, als es wirklich ernst wurde.

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