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30/07/2014 17:51 CEST | Aktualisiert 01/08/2014 15:01 CEST

Großmachts-Phantasie: Schweizer Boulevardleser wollen Teile Deutschlands und Italiens als Kantone

thinkstock.com

Im Februar entschieden die Schweizer in einem Volksentscheid, die „Masseneinwanderung“ in ihr Land zu stoppen. Zur Freude der Populisten, die fanden, dass ein Ausländeranteil von knapp 25 Prozent genug sei. Zum Entsetzen vieler Schweizer, die ihr Land in der wirtschaftlichen Isolation verdorren sahen.

Jetzt hat die Zeitung „20 Minuten“ einen Vorschlag publiziert, der eigentlich alle glücklich machen könnte. Einen Vorschlag, der viele Menschen zu Bewohnern der Schweiz machen, dem Land aber nicht mehr Ausländer beschweren würde.

"Grossmacht Schweiz"

Die Zeitung zeigt eine "Grossmacht Schweiz", mit Regionen aus den Nachbarländern.

Eine nicht repräsentative Umfrage unter 44.000 Lesern des Blattes zeige: Über 80 Prozent wollten, dass die Schweiz neue Kantone aus dem Ausland aufnimmt.

Die anderen wollen es doch auch

Der Wunsch Sardiniens, der Lombardei, Bozens, Bayerns und Baden-Württembergs künftig zur Schweiz zu gehören, steht für das Blatt auch fest. Die Belege: Eine OECD-Studie, derzufolge die beiden deutschen Bundesländer besser zur Schweiz als zum übrigen Deutschland passen würden. Eine Online-Petition von 20.000 Italienern, die sich den Beitritt der Lombardei zur Schweiz ersehnen. Die Facebook-Gruppe eines Zahnarztes auf Sardinien, der für einen Beitritt zur Schweiz werbe. Nicht zu vergessen eine geplante Tagung in Bozen unter dem Titel „Kanton Südtirol – Utopie oder Modell?“

Krieg wäre weniger schön

Auch das Für und Wider solcher Beitritte diskutiert der Autor des Artikels ausführlich. Schön wäre etwa, wenn die Schweiz dank der Deutschen künftig Weltmeister im Fußball würde. Oder Pizza und Paste dank der Italiener künftig zur Schweizer Küche gehörte.

Weniger schön wäre, dass angesichts der Expansion Krieg drohen könnte. Man denke an die Ukraine. Und dass die Süddeutschen mit ihrem Dialekt doch sehr aus der Reihe tanzen würden.

Alles nur Satire?

Der Leser von „20 Minuten“ argwöhnt, dass es sich bei dem Text um Satire handeln müsse. Wie FOCUS Online recherchiert hat, gibt aber zumindest ein paar Schweizer, die das nicht abwegig genug finden, um es politisch vorzubringen.

Bereits 2010 habe ein Nationalrat der rechtspopulistischen Partei SVP gefordert, die Verfassung zu ändern, um Baden-Württemberg, Vorarlberg, dem Elsass, Aosta Como, Bozen und anderen Regionen einen Beitritt zu ermöglichen. Der Politiker selbst soll damals von einer "provokativen, aber trotzdem seriöse Idee” gesprochen haben.

Ach ja, damit die anderen Länder nicht traurig sind, haben einige Schweizer laut „20 Minuten“ einen Vorschlag zu Güte: Mann könne ja das Welschland an die Franzosen abtreten, und Zürich an Deutschland.

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