VIDEO
25/07/2014 15:21 CEST | Aktualisiert 25/07/2014 15:30 CEST

USA-Kommunikation in der Ukraine-Krise: "Es ist ein Informationskrieg"

Experte über Anschuldigungen der USA gegenüber Russland: "Es ist ein Informationskrieg"
Getty
Experte über Anschuldigungen der USA gegenüber Russland: "Es ist ein Informationskrieg"

Die Separatisten haben die MH17 abgeschossen. Die Russen beschießen die Ukraine. Wir haben dafür Beweise.

So lauteten die Meldungen, die aus den USA in den letzten Tagen vermehrt zu vernehmen waren. Die angesprochenen Beweise, vor allen Dingen Satellitenbilder, wurden allerdings nie vorgelegt.

Dieses Vorgehen erweckt Misstrauen bei der deutschen Bevölkerung. Das belegen die Kommentare unter den Meldungen auf den Facebook-Profilen einschlägiger Zeitungen. Einige sind wegen der vielen Aussagen und Widerrufe verwirrt.

"Man weiss langsam überhaupt nicht mehr was man glauben soll...erst soll die USA 100%tige Beweise für die Beteiligung Russlands haben, jetzt dementieren Zeitungen, wie New York Times das Ganze", schreibt Andreas Badrow unter einem Post der FAZ.

Andere vermuten, dass sich hinter den haltlosen Anschuldigungen Kriegshetze gegen Russland verbirgt.

"Und die USA schreit schon wieder anstatt ihre Fakten auf den Tisch zu legen ? Und jetzt fängt Russland schon an die Ukraine anzugreifen ? Warum veröffentlicht ihr solche Propaganda?", entrüstet sich Ulrich Völker unter einem Post bei Spiegel-Online.

"Wenn die us-regierung echte (!) beweise hat soll sie sie vorlegen. was ist mit den sat.-bildern? Immer nocht nicht fertig gefälscht? Da läuft etwas extrem schief im wilden westen, und die akteure winden sich", kommentierte Peter Concemius den gleichen Post.

Aber was ist dran, an dieser Vermutung?

„Es ist ein Informationskrieg“, sagte Michael Hochgeschwender, Professor für amerikanische Kulturgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Huffington Post. „Alle Seiten versuchen, die Medien zu instrumentalisieren.“

„Die USA hat ein Interesse daran, dass Russland nicht zu groß wird. Seit dem Verfall der Sowjetunion war die USA immer darauf bedacht, dass Russland auf das Staatsgebiet der russischen Föderation beschränkt bleibt“, nennt Hochgeschwender mögliche Motive, die hinter den vorschnellen Anschuldigungen von Seiten der Amerikaner stehen könnten.

Zu Zeiten von Jelzin sei eine Ausweitung der russischen Landesgrenzen nicht in Frage gekommen, da damals das Land innenpolitisch noch zu zerrüttet gewesen sei. Putin habe es geschafft, mit teils undemokratischen Mitteln für Ruhe zu sorgen.

Russland macht es vor

Ein weiterer Aspekt, der die Informationspolitik der USA schlecht dastehen lässt, ist Russlands Version des Absturzes der MH17. Mag die Version für viele unglaubwürdig klingen, so liefert sie vor allen Dingen eins: Beweise.

„Es ist ein bisschen eigenartig, dass die USA ihre Beweise in diesem Fall nicht vorlegt“, findet Hochgeschwender. Gerade bei so wichtigen Themen wie diesem sei es Brauch, harte Fakten zu präsentieren.

Nur in Fällen, in denen das Risiko für Agenten zu hoch sei, enttarnt zu werden, sehe man von einer Veröffentlichung ab.

Der Haken an der Sache: Es sei kein Geheimnis, dass Satelliten über das Gebiet der Ukraine fliegen. Dementsprechend gäbe es auch nichts zu enttarnen, sagte Hochgeschwender.

Es scheint so, als suche man auf amerikanischer Seite händeringend nach Beweisen, die Russland und die Separatisten besonders schlecht dastehen lassen.

Die Rolle der Geheimdienste

„Die Geheimdienste bemühen sich um Differenziertheit“, sagt Geheimdienst-Experte Schmidt-Eenboom der Huffington Post. Die CIA, in der Vergangenheit vor allen Dingen von Verschwörungstheoretikern als Wurzel allen Übels bezeichnet, bemühe sich um Rehabilitation in der Öffentlichkeit.

Verdachtsmomente gegenüber den Separatisten entkräfteten beispielsweise Satellitenbilder der CIA. Auf denen war ein BUK-Raketensystem zu sehen, das Soldaten in ukrainischen Uniformen bedienten. Ob es sich dabei um ukrainische Soldaten oder Separatisten in gestohlenen Uniformen handelt, verrieten die Satellitenbilder allerdings nicht.

„Möglicherweise ist die nicht-Veröffentlichung der eindeutigen Satellitenbilder ein Warnschuss in Richtung Moskau: Wenn das nicht aufhört, veröffentlichen wir die Bilder“, nennt Schmidt-Eenboom einen Grund für die Zurückhaltung der USA bei der Veröffentlichung der Bilder des russischen Artilleriebeschusses.

Allerdings sind Schmidt-Eenboom und Hochgeschwender sich einig, dass jetzt der beste Zeitpunkt für eine Veröffentlichung sei.

Ein vertrautes Vorgehen

Dieses Taktieren der USA erinnert an die Vorlaufzeit der Irakinvasion 2003, in der Stimmung gegen den vermeintlichen Chemiewaffen-Besitzer Saddam Hussein gemacht wurde. Das gipfelte in Colin Powells Auftritt vor den Vereinten Nationen, bei dem er kaum erkennbare Satellitenaufnahmen präsentierte, die den Transport von Chemiewaffen darstellen sollten.

Das Resultat: Die USA marschierte im Irak ein.

„Das Bewusstsein der Verantwortlichen, was die Konsequenzen eines daraus resultierenden Weltkrieges wären“, würde eine solche Eskalation allerdings verhindern. Das sagte zumindest ein Russland-Experte, der namentlich nicht genannt werden will, der Huffington Post.

Photo galleryMH17: Angehörige der Opfer trauern See Gallery

Video: Entscheidender Hinweis

Trümmerteile von Flug MH17 zeigen Einschlaglöcher von Schrapnellen