VIDEO
07/07/2014 12:59 CEST | Aktualisiert 07/07/2014 14:16 CEST

Spionage-Skandal: Ein junger BND-Spion stellt die Welt vor Rätsel

colourbox

Bekannt ist die heikle Geschichte, die das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland ganz gewaltig auf die Probe stellt, seit mehreren Tagen: Ein junger Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) hat offenbar geheime Informationen an die USA verkauft. Als er seine Dienste auch dem russischen Konsulat anbieten wollte, kam ihm der deutsche Verfassungsschutz auf die Spur.

Alles spricht dafür, dass die Informationen stimmen. Unter anderem die Reaktion der Kanzlerin. Und der junge Mann aus dem Großraum München ließ seinen Anwalt im Sender "SWRinfo" sagen: "Es steht Einiges in den Medien, das so richtig ist."

Allerdings seien noch Vernehmungen notwendig. Das scheinen sie tatsächlich. Denn einige Details sind komisch. Verblüffend. Rätselhaft. Für Laien, und sogar für Experten.

1. Ein Sachbearbeiter kann Geheimdokumente auf dem USB-Stick mit nach Hause nehmen

Bei dem Spitzel handelt es sich den Berichten nach um einen BND-Sachbearbeiter des Mittleren Dienstes. Dass Angestellte dieser und auch der unteren Organisationsebene Zugang zu vertraulichem Informationsmaterial haben, ist nach der Einschätzung des Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom vom Forschungsinstitut für Friedenspolitik zwar üblich.

Dennoch wundert es den Fachmann, dass sich Mitarbeiter geheime Dokumente auf einen USB-Stick ziehen und dann unbemerkt mit nach Hause nehmen können. „Es ist merkwürdig, dass es keine analogen Sicherheitskontrollen gab“, sagte er der Huffington Post. Bei anderen Geheimdiensten gebe es nicht die Möglichkeit, sich mit externen Laufwerken Dokumente zu besorgen.

2. Die US-Geheimdienste reagieren auf ein E-Mail-Angebot

Der Informant hat nach derzeitigem Stand offenbar keine Insider-Kontakte zu den Amerikanern gehabt. Wie der "Spiegel" berichtet, schickte der BND-Mann eine einfache E-Mail an die US-Botschaft in Berlin, um seine Spionage-Dienste anzubieten – so wurde der Kontakt mit einem CIA-Agentenführer hergestellt.

Einer der mächtigsten Geheimdienste der Welt vertraut auf die E-Mail eines mittleren BND-Beamten? Diese Art der Kontaktaufnahme klingt sehr unprofessionell. Bei Spionageangeboten von ausländischen Geheimdienstmitarbeitern „ist man normalerweise sehr vorsichtig“, so Schmidt-Eenboom. Offenbar hatten die Amerikaner keinen Anfangsverdacht gegenüber dem BND-Mann.

3. Was hat den Mann nur getrieben?

Seine Dienste ließ sich der Informant gut bezahlen: Für 218 Dokumente erhielt der Informant laut "Süddeutscher Zeitung" insgesamt 25.000 Euro.

Die Medienberichte zum Motiv des Informanten sind widersprüchlich: Während die "Welt" von „Geldgier“ schreibt, berichtet die "FAZ" unter Berufung auf BND-Kreise, dass den 31-Jährigen etwas anderes angetrieben habe: „Das Motiv des Mannes sei aber nicht Geld gewesen, sondern Geltungssucht“.

Der Anwalt des mutmaßlichen Spions sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Ich habe schon viele Spionagefälle bearbeitet, aber mein Mandant macht auf mich nicht den Eindruck eines professionellen Spions."

4. Der Informant nutzte seine Google-E-Mail-Adresse und verwendete keine Verschlüsselung

Laut dem "Spiegel" wurde der deutsche Verfassungsschutz auf den BND-Mann aufmerksam, als dieser dem russischen Konsulat geheime BND-Dokumente per Google-Mail sandte und auch dort seine Dienste als Informant anbot. Dass diese Form der Kontaktaufnahme mit dem russischen Konsulat abgehört werden könnte, „hätte er sich vorstellen können“, sagt Schmidt-Eenboom.

Besonders eigenartig: Bei der Wohnungsdurchsuchung des BND-Mannes habe man auf dessen Computer spezielle Verschlüsselungssoftware gefunden, heißt es im "Spiegel". Warum hat er diese nicht genutzt, um seine Kontaktaufnahme mit den Russen geheim zuhalten?

5. Der Informant brach die Aktion plötzlich ab

Der Verfassungsschutz ist nach Informationen des "Spiegel" unter einer gefälschten russischen Adresse auf das Spionage-Angebot eingegangen und schlug ein Treffen vor – worauf der BND-Mann seine Google-Mail-Adresse abschaltete.

Warum bekam der Informant kalte Füße? Erfuhr er im Rahmen seiner Tätigkeit beim BND von dem Trick des Verfassungsschutzes? Oder berichteten ihm die Amerikaner davon? Offenbar haben sich die deutschen Ermittler an die US-Geheimdienste gewandt, um mehr über das Google-Mail-Konto herauszubekommen, berichtet das Magazin.

6: Das Geständnis: Ich arbeite für die Amerikaner

Bisher ist nur bekannt, dass die deutschen Behörden den BND-Angestellten aufgrund seines Angebots an die Russen verhafteten. Umso überraschender ist das Geständnis des 31-Jährigen, für US-Geheimdienste spioniert zu haben. Warum gestand der Verdächtige Taten, die ihm gar nicht vorgeworfen wurden?

Vielleicht plagte ihn das Gewissen, vielleicht die Angst vor Strafe. Am Montag ließ er jedenfalls über seinen Anwalt ausrichten, es sei ihm wichtig, mit den Behörden zu kooperieren.

Auch auf HuffingtonPost.de: Hillary Clinton relativiert Hitler-Vergleich