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07/07/2014 08:32 CEST | Aktualisiert 07/07/2014 13:14 CEST

Video über mutmaßliche Polizeigewalt wühlt Internet-User auf

Es sind beängstigende Bilder, die jemand unter dem Pseudonym „Optik5000“ bei Youtube hochgeladen hat. Nicht, weil das Video Szenen zeigt, die brutaler sind als das, was man so im Fernsehen sieht. Sondern beängstigend, weil die Gewalt von einer Seite zu kommen scheint, die sich doch als die "gute" sieht: der Polizei.

Das Video zeigt in über fünf Minuten eine Szene an der Görlitzer Straße in Berlin, datiert ist sie auf den vergangenen Samstag gegen 18 Uhr:

Ein Polizist fordert von einem jungen Mann mehrmals „Ausweis her!“. Der Mann macht keine Anstalten dazu. Und wird nach kürzester Zeit von zwei Polizisten zu Boden gerungen und weiter zu Boden gedrückt, seine Beine sind zu einem wohl schmerzhaften Längsspagat gedehnt. Es ist nicht zu sehen, dass der Mann die Polizisten angegriffen hätte.

Andere Leute mischen sich ein. Der junge Mann am Boden hat wenig Chancen, sich zu wehren, trotzdem knien bis zu drei Polizisten auf ihm, ziehen sein Bein um einen Begrenzungspfosten, drücken ihm das Gesicht offensichtlich mit großer Kraft auf den Asphalt.

Immer mehr Leute kommen, immer mehr Polizisten, zuletzt auch in Schutzanzügen. Die Leute diskutieren, schreien, versuchen, zu dem Mann am Boden durchzukommen, einer wirft ein Fahrrad auf einen Polizisten. Und noch immer wird der junge Mann auf die Straße gepresst.

Was zuvor passiert ist, was danach passiert ist, das zeigt das Video nicht. Außerdem ist das Material nicht lückenlos, es gibt Schnittstellen.

Er hat "Blödsinn gemacht"

Zuvor, so schildert es Polizeisprecher Stefan Redlich auf Anfrage der Huffington Post, wurde die Polizei zum Görlitzer Park nebenan gerufen, weil ein Mensch schwer verletzt schien, stark am Kopf blutete.

Die Polizisten, sagt Redlich, hätten versucht, Zeugen dafür zu finden, wie die Verletzung zustande kam. Doch der 22-Jährige habe sich immer wieder zwischen Polizisten und Zeugen gestellt, er hat "Blödsinn gemacht".

Die Polizisten hätten den jungen Mann schließlich aus dem Park gedrängt, Platzverweise habe er ignoriert. Als der Mann wieder Richtung Park losging, forderten die Polizisten seinen Ausweis. Es ist die Stelle, in der das Video einsetzt.

Eine extreme Untertreibung?

Die Polizei Berlin hat auch eine Pressemeldung veröffentlicht, mit der Nummer 1602, die unter anderem den Vorfall mit dem 22-Jährigen beschreibt.

„Nachdem die Polizisten ihn vergeblich des Platzes verwiesen hatten und die Behinderungen anhielten, zog ein Beamter den Störenfried zur Seite“, heißt es im Polizeibericht. Diese Formulierung ist dem Video nach zu urteilen massiv untertrieben.

"Er hätte es jederzeit beenden können"

Redlich sagt, der junge Mann habe weglaufen wollen, und daran hätten ihn die Polizisten zu hindern versucht. Den Einsatz gegen einen Mann erklärt er damit, dass der 22-Jährige "erheblichen Widerstand" geleistet habe, er habe "bis zum Schluss" versucht, die Hände unter den Oberkörper zu ziehen, sodass man die Hände nicht fesseln konnte. Und drei Polizisten seien nötig gewesen. "Wie soll man sonst einen erwachsenen Mann am Boden halten?" Der 22-Jährige hätte die Situation laut Redlich "jederzeit beenden können".

In ihrer Mitteilung schreibt die Polizei, es hätten sich bis zu 60 Personen eingemischt und die Polizisten attackiert.

Eine Menschenmenge ist auf dem Video deutlich zu sehen, eine aufgebrachte auch. Ebenso eine Szene, in der ein Polizist mit einem Fahrrad beworfen wird. Der Beamte soll sich dadurch eine Gehirnerschütterung zugezogen haben.

Was man in dem Video nicht sieht: Laut Redlich hat ein Unbekannter die Polizei auch mit Tränengas angegriffen, einer einen Beamten in den Finger gebissen. Die Beamten hätten nur mit dem Einsatz des Gases gedroht, es aber seines Wissens nach nicht angewendet.

Allerdings sind längst nicht alle Beteiligten handgreiflich geworden, viele fordern schlicht, dem Mann am Boden nicht weh zu tun.

Vorwurf: Landfriedensbruch

Redlich sagt, der 22-Jährige, dem Landfriedensbruch vorgeworfen wird, sei auch nicht verletzt worden. Dafür aber sechs Polizisten. Außerdem wurden zwei weitere Menschen festgenommen, wegen schwerer Körperverletzung und versuchter Gefangenenbefreiung.

Ob die Aktion verhältnismäßig war? Redlich will das nicht abschließend beantworten. Jetzt würden, wie in solchen Fällen üblich, die Stellungnahmen der beteiligten Beamten eingeholt. Eine Anzeige gegen sie liege nicht vor.

Dafür wird im Internet heftig über das Video diskutiert. Es wurde bereits mehr als 130.000 Mal geklickt.

Video: In den USA fahren Polizisten jetzt mit Skateboards Streife

UPDATE 14.15 Uhr: Der Text wurde um die Stellungnahme der Polizei ergänzt.