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18/06/2014 04:23 CEST | Aktualisiert 18/06/2014 04:23 CEST

Zecken-Alarm: Gefahr droht auch in Städten!

dpa

Wer glaubt, man müsse nur auf weiten Wiesen und im Wald auf Zecken achten, irrt. Auch in den Städten verbreiten sich die Zecken immer stärker. So ließen sich auch in Parks oder Gärten verstärkt Zecken finden, die mit Erregern von Lyme-Borreliose oder gar der Hirnerkrankung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) infiziert seien, warnen Franz-Rainer Matuschka, Parasitologe von der Hochschulambulanz der Universität Potsdam und seine Kollegin Dania Richter von der TU Braunschweig.

Hintergrund ist die Zunahme geeigneter Lebensräume auch für die Wirtstiere wie Mäuse oder Ratten, auf denen die Parasiten sitzen. Im häuslichen Bereich seien vor allem Katzen Schuld an der Ausbreitung.

Wichtig sei ein gutes Müllmanagement, forderte Matuschka. Wenn der Tisch für Nagetiere reich gedeckt sei, dann steige auch das Zeckenrisiko für den Menschen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Zecken im Überblick

Wo leben Zecken besonders gern?

Die Parasiten schätzen Waldränder, feuchtes Unterholz und schattige Wiesen. "In den Städten machen sich die Spinnentiere in Parks, Hinterhöfen und Gärten, sowie auf Spielplätzen, ehemaligen Rieselfeldern und an Mauerstreifen breit", sagt die auf Zecken spezialisierte Parasitologin Richter. Meist warteten die Spinnentiere in einer Höhe von bis zu einem Meter über dem Boden auf ihre Opfer, an denen sie sich dann in Sekundenbruchteilen festklammern.

Welche Wirtstiere verbreiten die Zecken und damit die Erreger?

"Vor allem Nagetiere wie Mäuse oder Ratten aber auch Vögel wie Amseln oder Rotkehlchen tragen zum Übertragungszyklus bei", sagt Parasitologe Matuschka. "Auf Katzen, Füchsen und Igeln treffen sich die Zecken in der Stadt zur Paarung."

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

Durch Zeckenstiche können viele verschiedene Krankheitserreger übertragen werden. Am häufigsten ist die Lyme-Borreliose mit bis zu 200.000 Neuinfizierten pro Jahr, gegen die es aber Medikamente gibt. Sie beginnt oft mit der Wanderröte, einem roten Ring, der sich um den Zeckenstich herum bildet und immer größer wird. Weitere Symptome können Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber auch erst Wochen nach dem Stich sein. Unbehandelt kann die durch Bakterien (Borrelien) verursachte Krankheit zu Spätfolgen wie Gelenk-, Herzmuskel- oder Nervenentzündungen führen.

Als gefährlicher gilt die FSME. "Bundesweit liegt die Zahl der gemeldeten FSME-Fälle meist bei 300 bis 400 pro Jahr", sagt die Biologin Susanne Glasmacher, Pressesprechern des Robert-Koch Instituts (RKI) in Berlin. Die FSME ist eine fieberhafte Erkrankung unter Beteiligung der Hirnhäute. In besonders schweren Fällen kann es zur Gehirnentzündung und zur Schädigung des Rückenmarks kommen. Für die Behandlung der FSME gibt es keine Medikamente. Daher raten Ärzte zur Schutzimpfung in den Risikogebieten.

Doch manchmal haben die Zecken noch mehr Erreger im Gepäck. "In den vergangenen Jahren gab es einige Fälle in Europa von durch Zecken übertragene Neoehrlichiose. Der Erreger kann zu Schlaganfällen und vermutlich auch Herzinfarkt führen", sagt Matuschka. Der Keim sei erst vor wenigen Jahren entdeckt worden.

Sind die Zecken nur in Süddeutschland ein Problem?

"Wo es zwischen Flensburg und Konstanz geeignete Wirte gibt, sind auch mit Lyme-Borreliose infizierte Zecken unterwegs", sagt Richter. Im bundesweiten Durchschnitt seien 25 bis 30 Prozent der Zecken mit Erregern der Lyme-Borreliose infiziert, FSME liege dagegen nur im Prozent- oder gar Promillebereich. "In Deutschland besteht ein Risiko für eine FSME-Infektion weiterhin vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, in Südhessen und im südöstlichen Thüringen", heißt es beim RKI.

Wie kann man sich vor Zecken schützen?

Die Experten raten, Gebiete mit Unterholz oder hohem Gras zu meiden. Wichtig ist es, Kleidung und Haut nach einem Aufenthalt im Grünen abzusuchen. Spaziergänger können sich die Hosenbeine in die Socken stecken und Abwehrmittel verwenden. Für die Behandlung der FSME gibt es keine Medikamente. Daher raten Ärzte zur Schutzimpfung. Gegen Borreliose gibt es keine vorbeugende Impfung. Nicht-infizierte Zecken sind lästig, aber harmlos.

Wie entferne ich Zecken richtig?

Hilfreich ist eine spezielle Zeckenzange oder sogenannte Zeckenkarte. Die Parasiten dürfen nicht gequetscht werden, sonst gelangen die Viren und Bakterien in den Körper des Wirts. Anschließend sollte der Stich desinfiziert werden.

Welche Rolle spielen Wiederkäuer?

"Bei der Beweidung durch Wiederkäuer kann das Risiko, einer infizierten Zecke zu begegnen, um mehr als das Fünfzigfache sinken", sagt Richter. Nutztiere wie Rinder, Schafe oder Ziegen, aber auch Wild, etwa Rehe und Hirsche, würden die Borrelien nicht aufnehmen. "Infizierte Tiere werden beim Saugen sogar von diesen Erregern befreit", betont Matuschka.

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