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26/03/2014 11:40 CET | Aktualisiert 09/04/2014 07:56 CEST

Wie die AfD eine ambitionierte Frau rausekelte - weil sie transsexuell ist

privat
Tanja Krienen

Sie hat eine Alternative zu den etablierten Parteien gesucht. Sie wollte liberale Wirtschaftspolitik, leicht konservative Ansätze. So entschloss sich Tanja Krienen im Juli 2013, die Soester Ortsgruppe der Alternative für Deutschland (AfD) aufzubauen.

Die inzwischen 57-Jährige wurde sofort Kreisbeauftragte, kümmerte sich um die Pressearbeit, suchte Mitglieder. Sie sollte Direktkandidatin für den Bundestag werden. Aber dann veröffentlichte eine Zeitung ein Porträt über sie, in dem sie offen über ihre Transsexualität sprach. Dass sie mal Thomas Krienen war.

Da tauchte nach Krienens Darstellung der Vertreter einer Gruppe bei ihr auf, die sie als die Hauptklientel der AfD bezeichnet und die auch in der Soester AfD enormen Einfluss habe. Männer, 40, 50 oder 60 Jahre alt, die "mit der Bibel in der Hand Politik machen" und „bei denen auf einmal die rote Lampe anging“, sagte Krienen der Huffington Post.

"Unsere Leute würden das nie verstehen"

Er könne sich nicht vorstellen, dass Krienen mit ihrem Aussehen auf Wahlplakate passe, soll der Mann gesagt haben. Und: „Unsere Leute würden das nie verstehen." Von da an wurde Krienen von Mitgliedern beschimpft. Es könne nicht angehen, “dass eine Transe die AfD repräsentiert”.

Als es dann kurz darauf zur Wahl des Direktkandidaten für die Bundestagswahl kam, versagte ihr die Mehrheit der Partei-Mitglieder die Zustimmung. „Die ganze katholische Basis hatte organisiert, dass ich keine Chance habe“, sagt sie.

Sie habe den nordrhein-westfälischen Landesverband gebeten, einzuschreiten. Aber es sei nichts passiert. Da trat Tanja Krienen wieder aus der AfD aus. Gut drei Monate, nachdem sie eingetreten war. In einer Partei, die keine Transsexuellen akzeptiere, wolle sie nicht bleiben, sagt sie. „Wenn das bürgerliche Politik sein soll, dann weiß ich’s nicht.“

Die AfD Soest bestreitet die Schilderungen Krienens. Dass sie aufgrund ihrer Transsexualität nicht gewählt wurde, sei nicht wahr. Krienen sei nicht sonderlich beliebt gewesen, weil sie machtbesessen sei.

AfD scheut die offenen Worte

Nun ist Krienen eine Kritikerin der AfD. Sie wirft der Partei vor, von christlichen Fundamentalisten dirigiert zu werden, die mittelalterliche Positionen vertreten. „Transsexualität, Homosexualität, gleichgeschlechtliche Ehen – die AfD ist dagegen“, sagt Krienen. Das stehe in keinem Programm, „aber alles, was man hört und zum Beispiel in Foren liest, deutet drauf hin“.

Krienen sagt auch, sie habe ihre ehemaligen Parteikollegen einmal gefragt, ob sie ihr zugestehen würden, verheiratet zu sein. Keine Antwort. „Sie trauen sich nicht, offiziell etwas dazu zu sagen.“ Im Europaprogramm der Partei taucht das Wort Sexualität nicht auf.

FDP-Chef Christian Lindner hat kürzlich gesagt: "Den Ton in der AfD geben nicht mehr die wenigen Bürgerlichen an, sondern die Hetzer gegen Schwule (...).“

Als Fußballspieler Thomas Hitzlsperger sagte, dass er homosexuell sei, merkte AfD-Chef Bernd Lucke an, es gehöre kein Mut mehr dazu, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen. Später stellte er klar, dass er damit ja eigentlich nur Medienkritik üben wollte. Dafür, dass Hitzlsperger tagelang für sein Interview „gefeiert“ worden sei.

In der Erklärung heißt es weiter, dass Lucke dann von Mut sprechen würde, wenn Hitzlsperger sich auch zu Ehe und Familie bekennen würde. Warum der Ex-Nationalspieler das als schwuler Mann tun sollte – dazu schweigt der AfD-Chef. Lucke braucht gar nicht offen gegen Homosexuelle zu hetzen. Er wird auch so von seinen Leuten verstanden.

Auch auf HuffingtonPost.de: Angriff auf AfD-Chef Bernd Lucke