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24/03/2014 12:29 CET | Aktualisiert 25/03/2014 14:22 CET

4 Gründe, warum die AfD nun noch unwählbarer ist

dpa
AfD-Chef Bernd Lucke

Die "Alternative für Deutschland" (AfD) wollte auf ihrem Parteitag in Erfurt zeigen, wie erwachsen sie schon ist. Das hat nicht geklappt. Stattdessen hat die junge Protestpartei wieder ein paar Argumente geliefert, warum es ein Fehler ist, auf sie zu setzen.

1. Die AfD ist zerstritten und hat akuten (Führungs-)Personalmangel.

Parteichef Bernd Lucke hatte den Mitgliedern ein Papier zur Abstimmung vorgelegt, das ihm die alleinige Macht in der Partei sichern und das restliche Personal kalt stellen sollte. Es folgte eine hitzige Debatte, an deren Ende die Mitglieder - völlig zu Recht - Luckes Vorschlag abschmetterten.

Ein positives Signal. Aber anstatt Lucke nun richtig den Kampf anzusagen, passierte nach der negativen Abstimmung: nichts. Niemand forderte so etwas wie Konsequenzen. Die Partei hat neben Lucke keinen weiteren Frontmann, der in der Lage oder Willens ist, sie zu führen.

Und: Verlöre Lucke an Einfluss in seiner Partei, könne die AfD zu einer unberechenbaren Kraft von Rechtsaußen werden, schreibt die "taz". Bisher halte der Chef die AfD vor allzu extremen Ausreißern ab. Die Spannungen innerhalb der Partei seien aber enorm.

2. Weniger Demokratie wagen ist das Motto der AfD.

Nach der krachenden Niederlage für Lucke und seinen Vorschlag, etwas weniger Demokratie zu wagen, sollten nicht auch noch die Leitlinien scheitern, das zukünftige programmatische Herzstück der AfD.

Deshalb beantragte der Parteichef, das Parteiprogramm im Rahmen einer Mitgliederbefragung zu formulieren und nicht auf dem Parteitag. Hört sich noch ganz in Ordnung an, funktioniert laut "Welt" aber so, dass die Mitglieder nun bis zum 31. März Zeit haben, Änderungsvorschläge per E-Mail einzureichen. "Die Redaktion formuliert aus den Vorschlägen dann Alternativen zu einzelnen Punkten. Dann geht der neue Text wieder an die Mitglieder", sagte Lucke laut "Welt".

Ein Mitglied, das einwendete, dieses Vorgehen sei "keine demokratische Diskussionskultur", brachte den AfD-Chef dann in Rage. Lucke forderte demnach entnervt eine Rüge des Präsidiums für Parteitagsteilnehmer, die sich "nicht demokratisch verhalten". Ein merkwürdiges Verhalten für einen, der gleichzeitig den Medien vorwirft, dass sie den AfD-Mitgliedern "den Mut nehmen, ihre Meinung zu sagen".

Aber statt dem Parteichef die Stirn zu bieten, stimmten die Mitglieder für Luckes Antrag. Der kann jetzt mehr oder weniger mit sich selbst ausmachen, wie er die Leitlinien-Angelegenheit löst.

3. Die AfD hat wieder mal mehr als fragwürdige Positionen rausgehauen.

Der stellvertretende Bundessprecher Alexander Gauland sorgte mit seiner Äußerung für Aufsehen, die Annexion der Krim durch Russland sei zwar "völkerrechtswidrig", jedoch habe "jeder Rechtsbruch eine Vorgeschichte". Russland habe bei der Wiedervereinigung schließlich das Versprechen der westlichen Mächte erhalten, dass die Nato sich nicht östlich der neuen Bundesländer erstrecken werde. Und das sei gebrochen worden.

Auch die Kritik, wonach Russland im Moment in Verhaltensmuster des 19. Jahrhunderts falle, überzeuge ihn nicht. „So schlimm war es gar nicht im 19. Jahrhundert.“ Für seine Rede erhielt Gauland sogar noch stehende Ovationen.

Zu dieser bemerkenswerten Sicht der Dinge in der Krim-Krise kamen auch auf dem Partei wieder Argumentationen einiger AfD-Politiker, die im Kern rechtspopulistisch seien, sagte der Politikwissenschaftler Hajo Funke "tagesschau.de".

"Wenn man vom drohenden Völkerbrei spricht, ausgelöst durch grenzenlose Einwanderung, ist der Abstand zu rechtsextremen Parteien nicht mehr groß“, sagte Funke. Wenn sich die AfD nicht grundlegend ändere, sei sie „auf dem besten Weg zu einer klassischen rechtspopulistischen Partei, die viel verspricht und wenig hält.“

4. Ohne Worte.

"Wenn wir mutig, ehrlich und beherzt kämpfen, dann kann auch der kleine AfD-David dem großen, starken Altparteien-Goliath zumindest den ein oder anderen schmerzlichen Denkzettel verpassen."

AfD-Chef Bernd Lucke

"Wir sind das einzige Land weltweit, bei dem man sich fragen muss, wann man die Landesflagge zeigen darf und wann nicht. Da sollten wir uns einfach mal besinnen."

Bernd Kölmel, AfD-Chef in Baden-Württemberg

"Andere Parteien wollen Zuwanderung nur, damit die Deutschen in einem großen europäischen Brei aufgehen."

Armin Paul Hampel, AfD-Chef in Niedersachsen

"In einer Reihe von Ermächtigungsgesetzen ist in Deutschland und Europa putschartig das Volksvermögen enteignet worden."

Marc Jongen, AfD-Europakandidat aus Baden-Württemberg

"Die Menschenrechte werden in der Türkei und in allen islamischen Ländern mit Füßen getreten."

Hans-Olaf Henkel, früherer Industriepräsident, jetzt auf Platz zwei der AfD-Europawahlliste

"Die AfD ist eine Partei des gesunden Menschenverstandes."

AfD-Chef Bernd Lucke

Auch auf HuffingtonPost.de: Angriff auf AfD-Chef Bernd Lucke