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16/01/2014 10:50 CET | Aktualisiert 16/01/2014 14:39 CET

Institut für Digitale Ethik: Moral im Internet

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Wo geht's lang? Das Institut für Digitale Ethik untersucht richtiges Verhalten im Netz

Im Internet ist alles erlaubt. Zwar gibt es immer strengere Gesetze, damit Straftaten im Netz verfolgt werden können, illegale Downloads zum Beispiel, Betrug, das Verbreiten von Kinderpornografie. Doch was die Moral angeht, scheint das Netz ein Ort ohne Regeln zu sein. Es wird gepöbelt, gelästert, gemobbt. Unternehmen machen Geld mit den privaten Daten ihrer Nutzer.

Das neue Institut für Digitale Ethik will sich für faires Verhalten im Internet einsetzen. Gegründet hat es die Hochschule der Medien in Stuttgart. Ist das Netz noch zu retten? Ein Gespräch mit Institutsleiterin Petra Grimm, Professorin für Medienforschung und Kommunikationswissenschaft.

Huffington Post: Moral im Internet – gibt es so etwas überhaupt?

Petra Grimm: Wir vom Institut gebrauchen das Wort „Moral“ sehr vorsichtig. Ethik ist eine wissenschaftliche Disziplin, die über Moral nachdenkt. Moral bewertet ein Verhalten als schlecht oder gut, fragt aber nicht nach dem Grund. Die Ethik schon.

HuffPost: Na gut. Versuchen wir es so: Gibt es im Internet gut und böse?

Grimm: Im Bezug auf Shitstorms und Cybermobbing fragen wir uns: Inwieweit kann man im Internet ein gutes Verhalten zeigen? Das heißt, den anderen wertzuschätzen und seine Position zu verstehen.

HuffPost: Warum fällt das im Netz so schwer?

Grimm: Viele Nutzer tun ihren Unmut sehr unreflektiert kund, gerade in Kommentaren. Das scheint an der Anonymität zu liegen. Die Menschen glauben, dass sie sicher sind und ihnen nichts passieren kann. Natürlich stimmt das nicht, sehr oft kann man die Identität der Nutzer zurückverfolgen. Klar, im Internet sollte man das Recht auf Anonymität behalten. Wenn ein Nutzer aber in die Freiheit des anderen eingreift, wird es ethisch problematisch.

HuffPost: Und das wollen Sie in Zukunft verhindern?

Grimm: Das Institut für Digitale Ethik versteht sich als eine Art Kompass: Wir wollen für ethische Fragen im Netz sensibilisieren. Wir wollen informieren und aufklären. Zum Beispiel entwickeln wir in Zusammenarbeit mit der EU-Initiative Klicksafe ein Handbuch für Schüler. Darin soll es unter anderem um Privatssphäre gehen: Was gebe ich von mir preis und was für Folgen hat das?

HuffPost: Droht durch das Internet der Sittenverfall?

Grimm: Das würde ich so nicht sagen. Wir haben einen Wertewandel, ja. Es findet gerade eine Ökonomisierung unserer sozialen Systeme statt. Facebook zum Beispiel macht mit unseren Freundschaften ein Geschäft. Außerdem zählen wir plötzlich unsere Freunde und wollen in den Netzwerken immer mehr davon haben.

HuffPost: Sind Google und Facebook böse, weil sie unsere Daten sammeln?

Grimm: Es geht nicht darum, Google oder Facebook als „böse“ zu bezeichnen. Das Problem ist, dass wir nicht wissen, welche Daten erhoben werden und was mit ihnen passiert. Ich als Nutzer bin gläsern, das Unternehmen verrät aber nicht, was es vorhat. Das ist eine Informationsungerechtigkeit. Hier muss ein Gleichgewicht hergestellt werden. Wenn ich genau weiß, was diese Anbieter von mir wollen, kann ich immer noch entscheiden: Sind mir die Vorteile den Preis wert, den ich dafür zahlen muss?

HuffPost: Google hat Nest gekauft, eine Firma, die Thermostate und Rauchmelder baut. Dadurch könnte das Unternehmen Millionen von Haushalten ausforschen. Finden Sie das bedenklich?

Grimm: Das sogenannte „Internet der Dinge“ ist ein neuer Quantensprung. Produzierende Unternehmen und IT-Konzerne wachsen zusammen. Dieser Schritt bedroht die Privatssphäre im lokalen Raum, statt nur im virtuellen Netz. Google wird in den eigenen vier Wänden gegenwärtig sein. Bald vielleicht sogar in der Kleidung. Wir könnten uns zu einer Kontrollgesellschaft entwickeln.