POLITIK
16/01/2014 13:11 CET | Aktualisiert 01/02/2014 10:52 CET

Bildungspolitiker von CDU, SPD und Grünen halten mehr Dialekt an Schulen und Kindergärten für sinnvoll

Bayrisch ist ein schöner Dialekt, sagen Bildungspolitiker. Er sollte gefördert werden
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Bayrisch ist ein schöner Dialekt, sagen Bildungspolitiker. Er sollte gefördert werden

Hochdeutsch ist die Sprache, die wir als vorbildlich ansehen. Im Fernsehen und im Radio werden wir auf Hochdeutsch unterhalten. Wir ziehen von Stadt zu Stadt und nehmen das Hochdeutsche mit, prägen uns aber nicht mehr unsere eine regionale Mundart ein.

Hochdeutsch ist Konsens. Dialekte allerdings kämpfen deshalb in vielen deutschen Regionen ums Überleben. Sie werden einfach nicht mehr gebraucht. Um das zu ändern, werden an Schulen und Kindergärten in Deutschland vermehrt Mundart-Kurse angeboten. In Bayern, in Mecklenburg-Vorpommern, in Hamburg. Kinder lernen dort ganz gezielt, wie in ihrer Heimat typischerweise gesprochen wird.

Bildungspolitiker finden das gut – und wünschen sich mehr davon. „Die Pflege von traditionellen Regionalsprachen, von Minderheitensprachen oder anderen Muttersprachen macht sprachpsychologisch genauso wie kulturell Sinn", sagt Ernst Dieter Rossmann, der bildungspolitische Sprecher der SPD, der Huffington Post. „Vielsprachigkeit ist immer gut, gerade in einer bunten mobilen Welt der vielen Sprachen und Kulturen."

„Wer Bayrisch spricht, hat einen Sympathiebonus"

Wenn Kinder neben Hochdeutsch auch Dialekt sprechen, ist es wie bei Fremdsprachen: Das Sprachzentrum im Gehirn wird stärker ausgebildet. „Die Erfahrung mit verschiedenen Sprachformen, wie sie im Dialekt zum Ausdruck kommen, ist für das Sprachbewusstsein förderlich", sagt der bildungspolitische Sprecher der CDU, Albert Rupprecht. „Sprachforscher sagen, dass Kinder, die etwa Bayrisch und Hochdeutsch sprechen, leichter Fremdsprachen lernen als Kinder, die nur Hochdeutsch sprechen. Deshalb ist es zu begrüßen, dass der heimatliche Dialekt auch in Schule und Kindergarten einen Platz erhält."

Neben den Vorteilen bei der Sprachentwicklung höre er es aber auch einfach gern, wenn jemand mit regionaler Färbung spreche. „Und wenn jemand Bayrisch spricht, hat er bei mir gleich einen Sympathiebonus", sagt der Oberpfälzer Rupprecht.

Eine Einschränkung hat der Bildungspolitiker bei aller Befürwortung der Dialekt-Förderung aber: Am wichtigsten sei nämlich dennoch, dass Kinder das Hochdeutsche richtig beherrschten. "Das Erlernen der hochdeutschen Sprache ist Voraussetzung für den Bildungserfolg", sagt Rupprecht.

Radikaler Ansatz in der Schweiz

Mundart scheint also im Prinzip ein Thema zu sein, bei dem über Parteigrenzen hinweg Einigkeit herrscht. Auch Rossmanns und Rupprechts Kollege Özcan Mutlu von den Grünen hält es für sinnvoll, dass Kindern Dialekte beigebracht werden. „Es ist die prioritäre Aufgabe von Schulen, Kinder an die Bildungssprache heran zu führen", sagt er der HuffPost.

„Wenn sie zusätzliche freiwillige Angebote zur Erlernung eines Dialekts bereitstellen können, ist dies begrüßenswert." Dialekte seien auch ein Ausdruck von Heimatgefühl. „Die zahlreichen deutschen Dialekte spiegeln die Vielfalt unseres Landes wider", sagt Mutlu, und untermauert das mit einem Beispiel: „Dit find ick jut, Babo!"

In der Schweiz gab es im vergangenen Jahr eine ähnliche, aber radikalere Initiative für Mundart, angetrieben von der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Die Bürger sollten abstimmen, ob Lehrer in den Luzerner Kindergärten nur noch Mundart im Unterricht sprechen sollten.

Die Mehrheit der Wahlberechtigten allerdings sprach sich dafür aus, dass – wie zuvor – weiterhin in Mundart und auf Hochdeutsch unterrichtet wird.