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31/12/2013 05:32 CET | Aktualisiert 09/02/2015 11:31 CET

Silvester ist Sektzeit: Was Sie über Schaumwein wissen müssen

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„Fünf, vier, drei, zwei, eins – Prost Neujahr.“ Das ist jedes Jahr wieder schön. Und geht nicht ohne Sekt. Astrid Zieglmeier, die an der Industrie- und Handelskammer München den Bereich Gastronomie und Genuss leitet und Sommerliers ausbildet, gibt Tipps, wie Sie das Prickeln am schönsten genießen können.

Huffington Post: Mal ganz von vorne: Was ist der Unterschied zwischen Sekt, Schaum- und Perlwein?

Astrid Zieglmeier: Alles ist Wein mit Kohlensäure. Wenn eine Flasche 1 bis 2,5 Bar Überdruck hat, handelt es sich laut EU-Verordnung um Perlwein (Secco), italienisch Frizzante. Ab 3 Bar heißt es Schaumwein, ab 3,5 Bar reden wir von Qualitätssekt – das ist das Gleiche wie Cava, Champagne*, Crémant oder Spumante - nur aus bestimmten Regionen oder Ländern. Für Perlwein reicht ein normaler Flaschenverschluss, für Sekt braucht es den speziellen Korken und das Drahtkörbchen, das den Korken hält.

HuffPost: Was macht einen guten Sekt aus?

Zieglmeier: Erstens muss der Grundwein gut sein – egal, ob er nun aus einer Sorte besteht oder eine Cuvée ist. Beim Sekt ist der Grundwein auch deswegen so wichtig, weil die Kohlensäure ein zusätzlicher Faktor ist, der die Weinqualität beeinflusst. Super geeignet sind Rebsorten mit hohem Säureanteil wie Riesling oder die Burgundersorten Chardonnay, Pinot Noir (Spätburgunder) und Pinot Meunier (Schwarzriesling) die in Champagne verwendet werden.

Zweitens sollten die Kohlensäure-Bläschen ganz fein gebunden sein. Dann fühlt sich der Sekt cremig an im Mund, perlt länger und ist magenverträglicher. So etwas bekommt man allerdings nicht, wenn man wie für Massensekt den Wein in riesigen Tanks gären lässt oder die Kohlensäure wie bei Limonade zusetzt, also den Wein „imprägniert“. Besser ist die Gärung in der Flasche – da gibt es dann Varianten, in denen viel Handarbeit steckt.

HuffPost: Woran erkennt man einen guten Sekt beim Einkaufen?

Zieglmeier: Im Prinzip kann man sich darauf verlassen, dass bei einem Winzersekt etwas Ordentliches drin ist: Anders als auf dem Etikett der Massensektflaschen müssen da der Winzer, das Anbaugebiet, die Rebsorte und der Jahrgang draufstehen. Was in solchen Flaschen drin ist, sprudelt nicht nur, sondern schmeckt auch noch nach Wein. So ein Sekt kann auch ein guter Essenbegleiter sein.

Ein weiterer Anhaltspunkt ist der Korken: Anders als beim Wein sind die Sektkorken aus Plastik noch nicht gut. Also auf Naturkork achten.

Und letztlich hilft auch der Preis: Um die zehn Euro kostet ein guter Sekt nun mal. Man muss nur daran denken, dass in Deutschland auf einen dreiviertel Liter Sekt eine Sektsteuer von 1,02 Euro plus Mehrwertsteuer fällig wird .

HuffPost: Wie lagert man Sekt?

Zieglmeier: Wie Wein auch. Also zum Beispiel liegend im Regal.

HuffPost: Wie kalt soll Sekt beim Servieren sein?

Zieglmeier: Guten Sekt bei drei oder vier Grad zu servieren, womöglich noch im Glas aus dem Tiefkühler, ist eine Katastrophe: Da friert die Aromatik ein und er perlt völlig aus. Ich würde ihn bei sieben bis neun Grad servieren, bis man ihn trinkt, ist er dann ohnehin zwei Grad wärmer.

HuffPost: In welches Glas gehört Sekt?

Zieglmeier: Sektschalen wie zu Omas Zeiten würde ich nicht empfehlen – sie sind zwar besser als ihr Ruf, aber der Sekt damals war viel süßer, der vertrug eine große Oberfläche besser als moderne Sekte. Ebenso wenig brauchbar ist das andere Extrem: Moderne Sektgläser die so schmal sind wie Reagenzgläser – da entfaltet sich kein Aroma. Ich würde ein tulpenförmiges Glas nehmen, also ein hohes, bauchiges. Wenn ich einen ganz opulenten Sekt habe, trinke ich ihn sogar aus einem Burgunderglas.

HuffPost: Was ist ein echter Fauxpas bei gutem Sekt?

Zieglmeier: Man lässt den Korken nicht knallen, da geht die Kohlensäure verloren. Und Sirup hineinkippen ist auch gemein – die Winzer geben sich so viel Mühe mit dem Grundprodukt. Etwas anderes ist das bei klassischen Champagnecocktails, da rundet der Champagne den Cocktail ab. Und bei Kir Royal – das ist der große Klassiker.

HuffPost: Haben Sie Tipps für guten Sekt?

Zieglmeier: Die Perlweine und Sekte von diesen Erzeugern sind wirklich außerordentlich gut:

Photo gallerySektempfehlungen von Astrid Zieglmeier See Gallery

Noch kein Weinliebhaber? Die Huffington Post empfiehlt das Wein-Special der Kollegen von FOCUS Online: www.focus.de/kultur/wein

* Während im Alltag und im Duden die Rede von "Champagner" als Getränk ist, verwendet das Comité Interprofessionnel du vin de Champagne (CIVC) den Namen "Champagne" nicht nur für die Region, sondern auch für das Produkt. Zieglmeier folgt dieser Empfehlung.