POLITIK
05/12/2013 17:53 CET | Aktualisiert 05/12/2013 20:03 CET

Nelson Mandela ist tot

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Der südafrikanische Nationalheld Nelson Mandela ist tot. Der 95-Jährige sei am Donnerstag gestorben, sagte Südafrikas Präsident Jacob Zuma am Donnerstagabend in Johannesburg in einer landesweit übertragenen Fernsehsendung. "Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren", betonte Zuma. Er sei friedlich dahingeschieden. "Nelson Mandela brachte uns zusammen und zusammen nehmen wir Abschied von ihm", sagte Zuma.

Mandela war im Sommer wegen einer schweren Lungenentzündung im Medi-Clinic-Heart-Krankenhaus in der südafrikanischen Hauptstadt behandelt worden. Seine letzten Wochen hatte der Friedensnobelpreisträger im Kreis seiner Familie verbracht.

Frieden war sein Lebenswerk

Nelson Mandela war bis zu seinem Tod in der ganzen Welt das Symbol für Humanität und Versöhnung, ein Idol der Freiheit. Der erste schwarze Präsident Südafrikas (1994-1999) wird in seiner Heimat als Vater der Nation und Ikone der Demokratie verehrt. Sein Lebenswerk inspirierte aber auch weltweit die Streiter für Menschenrechte und Frieden.

Als Nelson Mandela am 11. Februar 1990 nach 27 Jahren Gefangenschaft das Victor-Verster-Gefängnis nahe Kapstadt verließ, war das Ende der südafrikanischen Apartheid besiegelt. Es war ein Triumph der Willensstärke, des Idealismus und der Vision eines der ungewöhnlichsten Männer des 20. Jahrhunderts.

Versöhnung nach Hass und Blutvergießen

Der Führer der damaligen Freiheitsbewegung und heutigen Regierungspartei ANC erwies sich als Bollwerk gegen Chaos, Blutbäder und Racheakte. Mandelas Landsleute wissen, welche Katastrophe er in den 90er Jahren in Südafrika, ja vielleicht ganz Afrika verhindert hat. Eine historische Leistung, die ihn in die Reihe der Giganten der modernen Geschichte wie Mahatma Gandhi, Winston Churchill oder John F. Kennedy stellt.

Dem Mann vom Stamme der Xhosa war es gelungen, eine zutiefst zerrissene Gesellschaft nach Jahren des Hasses und Blutvergießens auf einen Weg der Versöhnung und zum Miteinander in einer demokratischen Gesellschaft zu bringen. Dafür wurde er 1993 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Der vielleicht letzte Held der Welt

Mandela wurde mit seinem Bemühen, Täter und Opfer, Unterdrücker und Ausgebeutete zu Verständigung, Vergebung und Wiedergutmachung zu drängen, weltweit zum Symbol für Menschlichkeit. "Das Leben von Nelson Mandela lehrt uns, dass das Unmögliche möglich ist, aber nur, wenn Menschen den Mut haben, sich für Veränderung einzusetzen", schrieb US-Präsident Barack Obama.

"Madiba", wie Mandelas Clan-Name ist, war kein Mann der Rache, auch wenn er kein Pazifist war. Mandela war ein zutiefst von Prinzipien durchdrungener Mann, der durchaus als "Held", aber nicht als "Heiliger" gesehen werden wollte - weil er auch keiner war. Der Jurist, der als junger Mann ein guter Boxer war, widerlegte aber vor allem die "Afro-Pessimisten", die glauben, dass aus jedem afrikanischen Befreier, einmal an die Macht gekommen, ein ziemlich lausiger Herrscher, oft aber ein gieriger und brutaler Diktator wird.

In einer 2010 erschienen Biografie schreibt sein Vertrauter Richard Stengel, Mandela sei "vielleicht der letzte echte Held" in der Welt - vor allem aber beschreibt er ihn als großen Kommunikator und besonnenen Politiker, der stets an das Gute im Menschen geglaubt habe. Diese zutiefst menschenfreundliche Haltung und sein Lebenswerk hatten die Vereinten Nationen veranlasst, den 18. Juli, Mandelas Geburtstag, zum internationalen "Mandela Day" auszurufen.

Die Töchter stritten ums Erbe

Obwohl Mandela seine letzten Jahre völlig zurückgezogen in seinen Domizilen in Qunu und Johannesburg verlebte und kaum noch Besuch empfing, versuchten viele, von seinem Ruhm zu profitieren. Im April sendete das Staatsfernsehen Bilder des greisen Mandela, auf denen er hilflos und abwesend wirkte. Um ihn herum lachten und lächelten Südafrikas Präsident Jacob Zuma und andere ANC-Größen.

Die Versuche von Mandelas Töchtern Makaziwe und Zenani, noch vor dem Tod ihres Vaters Zugriff auf das Erbe zu ergattern, wird er vermutlich gar nicht mitbekommen haben. Schließlich plagten ihn immer mehr Krankheiten und Beschwerden, insbesondere im Zusammenhang mit einem Lungenleiden, das er sich in der langen Gefangenschaft zugezogen hatte. Allein zwischen Dezember 2012 und Juni 2013 musste Mandela viermal in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

27 Jahre lang in Haft

Aber selbst als gebrechlicher Greis hatte er bis zu seinem Lebensende eine überragende politische Bedeutung. Mit Bangen dachten viele Südafrikaner an den möglichen Tod des Nationalhelden. Denn auch ohne öffentliche Auftritte war der Ex-Freiheitskämpfer ein wichtiger Stabilitätsfaktor in dem noch immer rassisch und sozial gespaltenen Land. Mandela war stets das Gewissen der Nation - die lebendige Mahnung, auch die erbittertsten Konflikte friedlich im Rahmen einer rechtsstaatlichen Ordnung zu lösen.

Wegen seines Kampfes gegen das rassistische Apartheidsystem hatte Mandela 27 Jahre lang in Haft gesessen. 1994 wurde er erster Präsident des demokratischen Südafrikas. Zuma hatte seinen Vorgänger als "Vater der Demokratie" bezeichnet. Mandela ebnete den Weg zur Aussöhnung von Schwarzen und Weißen in seinem Heimatland.

Zum Tee bei der Apartheid-Witwe

Kaum ein Politiker hat in so kurzer Zeit so radikale Änderungen erfolgreich durchgesetzt wie Südafrikas erster schwarzer Präsident Nelson Mandela. Aus dem international geächteten Apartheid-Staat schuf er innerhalb weniger Jahre die in aller Welt bewunderte "Regenbogen-Nation". Mit seiner Aussöhnungspolitik leitete er das Wunder vom Kap ein - das von Pessimisten beharrlich vorhergesagte Blutbad nach dem Fall der institutionalisierten Rassentrennung blieb durch sein geschicktes Taktieren aus.

Immer wieder setzte Mandela mit seiner hohen moralischen Integrität auf Symbole - etwa, als er bei der Witwe eines der Apartheid-Architekten zum Tee erschien. Oder der siegreichen Rugby-Mannschaft des Landes - einem ausgesprochen "weißen" Sport - im Nationaltrikot den Pokal überreichte.

Mit einer der modernsten Verfassungen der Welt ebnete Mandela seiner Heimat den Weg in eine demokratische Zukunft. Seine Charakterstärke und seine Klugheit machten ihn zu einer Art moralischem Kompass des Landes wie des Kontinents. Bei Alt und Jung, Schwarz wie Weiß genoss er als Autorität hohes Ansehen.

So trauern Twitter-Nutzer auf der ganzen Welt:

"Das Glorreiche am Leben ist nicht, dass wir hinfallen, sondern, dass wir jedes Mal wieder aufstehen"

"Ich gehe jetzt schlafen. Ich bin sicher, dass die Welt anders aussehen wird, wenn ich morgen aufwache."

"Sein letzter großer Sieg wird sein, dass schwarze und weiße Südafrikaner seinen Tod gleichermaßen betrauern werden"

"Ich fühle nichts als Traurigkeit. Gute Nacht, Twitter"

"Erinnert euch an diesen Tag. Erinnert euch an diesen Mann. Erinnert euch an 27 Jahre währende Einsamkeit. Erinnert euch an Mandela"

"Warum gibt es den Tod? Warum?"

"Wenn einem Mann das Recht verweigert wird, das Leben zu führen, an das er glaubt, hat er keine andere Wahl, als ein Außenseiter zu werden"

"Du warst Meister über dein eigenes Schicksal, ganz sicher, und vielleicht Kapitän für tausende Seelen"

"Dieser kleine Mann war ein großer Kämpfer für den Frieden. Er hat eine wichtige Schlacht gewonnen, leider aber nicht den Krieg"