POLITIK
18/11/2013 12:50 CET

Die Frauenquote kommt! Das sagen Unternehmerinnen zur Debatte

30 Prozent ab 2016 - auf diese Frauenquote für Aufsichtsräte haben sich die Unterhändler von Union und SPD nach jahrelangem Gezerre geeinigt. Wie reagieren Unternehmerinnen? Die Huffington Post hat nachgefragt.

Stephanie Bschorr, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU):

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„Für uns als Verband deutscher Unternehmerinnen ist das Engagement für mehr Frauen in Aufsichtsräten ein Herzstück unserer Arbeit. Wir begrüßen daher die zeitnahe Einführung einer festen Quote für die Aufsichtsgremien börsennotierter und mitbestimmungspflichtiger Unternehmen, wie sie in den Koalitionsverhandlungen vereinbart wurde.

Als Wirtschaftsverband unterstützen wir die Maßgabe der unternehmerischen Selbstverpflichtung für die operativen Unternehmensbereiche.

Eine gesetzliche Quotenvorgabe für die Vorstände und Leitungsebenen lehnen wir als Eingriff in die unternehmerische Freiheit ab. Wir sind überzeugt, dass die feste Quote in den Aufsichtsgremien eine große Strahlkraft für mehr Frauen im gesamten Unternehmen mit sich bringen wird.“

Katharina Herrmann, Vorstandsmitglied bei der Bank ING-DiBa AG:

katharina herrmann

„Es wäre schön, wenn wir ohne Frauenquote im Top-Management auskommen würden. Allerdings sind die freiwilligen Fortschritte der vergangenen Jahre hierzu eher ernüchternd. Daher glaube ich, dass wir eine verbindliche Quote als Anschub brauchen.“

Marie-Christine Ostermann, Geschäftsleitung Rullko Großeinkauf aus Hamm in Westfalen:

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"Die wichtigste Spielregel der sozialen Marktwirtschaft, die Einheit von Risiko und Haftung, wird durch eine Frauenquote außer Kraft gesetzt. Der Staat entscheidet über das Personal in den Unternehmen, haftet aber nicht für die Folgen dieser Entscheidung. Das Aussetzen von Haftung führt erfahrungsgemäß nicht zu den besten und wohl überlegten Entscheidungen. Die Wirtschaft kann nachhaltig nur dann gut funktionieren, wenn Entscheidung und Haftung eine Einheit bilden.

Wenn Politiker meinen, sie könnten frei von Kenntnissen der Branchen und der Unternehmen und frei von Haftung bessere unternehmerische Entscheidungen treffen als Unternehmer und Manager aus der Praxis, ist das ein fataler Trugschluss. Der Eingriff in die unternehmerische Freiheit durch eine Frauenquote ist somit nicht verhältnismäßig und nicht zielführend."

Lencke Wischhusen, Bundesvorsitzende des Verbands "Die jungen Unternehmer":

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„Die Politik macht es sich zu einfach. Eine Quote zu setzen, ist immer der leichteste Weg. An die eigentliche Ursache, warum Frauen nicht in Führungspositionen streben – die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf –, gehen Union und SPD nicht ran. Die Verantwortung wird an die Unternehmer weitergegeben. (...) Gerade die SPD predigt Wasser und trinkt Wein. Weder der Kanzlerkandidat, noch der Fraktions- oder Parteivorsitzende sind weiblich.“