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11/11/2013 13:06 CET | Aktualisiert 11/11/2013 13:22 CET

Kirchensteuer-Rekord – Evangelische Kirche freut sich über 4,77 Milliarden Euro

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, kann sich über Rekordeinnahmen bei der Kirchensteuer freuen
dpa
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, kann sich über Rekordeinnahmen bei der Kirchensteuer freuen

DÜSSELDORF - Dank der guten Konjunktur kann sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) über Rekordeinnahmen bei der Kirchensteuer freuen. Obwohl die Zahl der Kirchenmitglieder weiter rückläufig ist, nahmen die 20 Landeskirchen 2012 aus den Steuern sowie freiwillig gezahlten Gemeindebeiträgen 4,77 Milliarden Euro ein.

"Nominal ist das das bisher höchste Kirchensteueraufkommen", sagte EKD-Ratsmitglied Klaus Winterhoff am Montag bei der Synodentagung in Düsseldorf. Im laufenden Jahr sei mit einem weiteren Zuwachs zu rechnen. 2011 hatte die EKD nach eigenen Angaben 4,38 Milliarden aus Kirchensteuern verbucht.

"Das Gebot der Stunde lautet: vorsorgen"

Nicht zuletzt dank der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung könne die Kirchensteuer die Finanzverluste aus dem Mitgliederrückgang überkompensieren, erläuterte der Finanzexperte. "Das wird aber nicht so bleiben. Das Gebot der Stunde lautet daher: vorsorgen", mahnte er. Aus der Kirchensteuer bestreiten die EKD und ihre Gliedkirchen etwa die Hälfte ihrer Einnahmen.

Die überraschend gewählte neue Vorsitzende des evangelischen Kirchenparlaments, Irmgard Schwaetzer, erklärte derweil, dass sie mehr Einfluss und Wertschätzung für Laien in der Kirche wolle. Als weitere Schwerpunkte für ihre Arbeit nannte die frühere FDP-Politikerin das Eintreten für eine andere Flüchtlingspolitik und gegen religiöse Intoleranz sowie die Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum 2017.

Schwaetzer hatte sich in Wahlkrimi durchgesetzt

Schwaetzer war auf der Jahrestagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nach einem langwierigen Wahlkrimi zur Nachfolgerin von Katrin Göring-Eckardt bestimmt worden. Diese hatte das Amt im September vorzeitig niedergelegt, um sich auf ihre Arbeit als Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag zu konzentrieren.

Vor Schwaetzers Wahl waren Bayerns Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), der als Favorit galt, und die Bremer Juristin Brigitte Boehme in zwei Wahlgängen gegeneinander angetreten. Beide erreichten jedoch nicht die erforderliche Mehrheit und zogen zurück. Dann kam Schwaetzer - einst FDP-Generalsekretärin und Bauministerin - als Kompromisskandidatin ins Spiel. Sie bekam 91 von 115 Stimmen.

Beckstein bleibt Vize-Präses

"Auf einen Hauptamtlichen kommen in der evangelischen Kirche fünf Ehrenamtliche. Das macht die Bedeutung dieser Laienbewegung sehr deutlich", sagte die 71-Jährige am Rande der Tagung. "Dies ist ein wirklicher Schatz. Wir möchten auf allen Ebenen der Kirche diesen Schatz würdigen und wertschätzen." Schwaetzer schlug vor, die Kirchenparlamente stärker in die inhaltliche Arbeit und Entscheidungsprozesse der EKD einzubinden.

Beckstein bleibt trotz seiner herben Niederlage Vize-Präses. "Für die Spitze der EKD wäre es sehr ungewöhnlich gewesen, einen religiös Konservativen und politisch Konservativen an der Spitze zu haben", sagte er dem Bayerischen Rundfunk (BR). "Die Farbenlehre der evangelischen Kirche ist an der Spitze, dass rosarot bis feuerrot vertreten ist und pastellgrün bis tiefgrün."

Mit Schwaetzer kommt nun gelb dazu. Sie hofft auf "sehr gute Zusammenarbeit" mit Beckstein, beide kennen sich seit Jahrzehnten auch aus ihrer Zeit in der Politik. "Ich habe mit Göring-Eckardt gut zusammengearbeitet, und ich denke auch, dass ich mit Frau Schwaetzer gut zusammenarbeiten werde, so dass ich da keine Probleme sehe", sagte Beckstein dem BR.

Der CSU-Politiker ist in der evangelischen Kirche nicht unumstritten, weil er während seiner Zeit als bayerischer Innenminister als Hardliner in der Flüchtlingspolitik galt. Am Freitag hatte er den gegenwärtigen Kurs der EKD kritisiert und gefordert, sie müsse "frommer" werden.

"Näher an die Lebenswirklichkeit"

Die Initiative "Kirche von unten" kritisierte, von Schwaetzer seien kaum kirchen- und gesellschaftspolitische Positionen bekannt. "EKD-interne Harmonie war der Mehrheit der Synodalen offenbar wichtiger als eine starke Positionierung nach außen", hieß es in einer Mitteilung. Nach Einschätzung des scheidenden FDP-Chefs Philipp Rösler stellt sich Schwaetzer als Präses der Herausforderung, "auf dem eingeschlagenen Weg voranzugehen, die evangelische Kirche näher an die Lebenswirklichkeit der Menschen heranzuführen."

Schwerpunkt der Synode am Montag waren Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft. Unter dem Motto "Es ist genug für alle da" hörten sich die Synodalen Vorträge an und diskutierten darüber. Ein Referent erläuterte, weltweit hungerten 850 Millionen Menschen, vor allem in den Entwicklungsländern. Jeden Tag sterben demnach 4000 Kinder an Hunger, obwohl eigentlich genug Nahrungsmittel da sind. Der Berliner Landesbischof Markus Dröge prangerte eine ungerechte Verteilung der Ressourcen und eine Abschottung Europas gegen Flüchtlingsströme an. "Wir spüren, da stimmt etwas nicht."