POLITIK
10/11/2013 04:59 CET | Aktualisiert 28/08/2014 03:53 CEST

Wird Christian Wulff freigesprochen? - Ermittlungsakten entlasten den Ex-Präsident kurz vor Prozessbeginn

Christian Wulff muss sich wegen Vorteilsnahme vor Gericht verantworten
dpa
Christian Wulff muss sich wegen Vorteilsnahme vor Gericht verantworten

Wenige Tage vor Prozessbeginn entlasten interne Ermittlungsunterlagen Ex-Bundespräsident Christian Wulff vom Vorwurf der Vorteilsnahme. Nach Recherchen der "Bild am Sonntag" finden sich in der Akte Geschenke und Einladungen Wulffs an den ebenfalls angeklagten Berliner Filmproduzenten David Groenewold.

Demnach bezahlte Wulff ein teures Abendessen im Sterne-Restaurant "Es Fum" auf Mallorca. An dem Dinner am 24. Juli 2006 nahmen neben Christian und Bettina Wulff auch David Groenewold und seine Lebensgefährtin sowie Groenewolds beide Brüder und dessen Freundinnen teil. Laut Kreditkartenabrechnung beglich Wulff dafür 1613,45 Euro.

Wullf chartert Luxusboot für Groenewold

Noch mindestens zwei ähnliche Fälle sind aktenkundig. So schenkte Wulff dem Medienmanager am 4. September 2005 einen Füllfederhalter der Marke „Pelikan" im Wert von rund 250 Euro. Bei einem gemeinsamen Italien-Urlaub im Jahr 2008 charterte er für seinen Freund und dessen Begleitung ein Luxusboot für die Überfahrt von Neapel zur Insel Capri und bezahlte dafür 780 Euro.

Ab Donnerstag steht mit Wulff zum ersten Mal ein früherer Bundespräsident vor Gericht. Groenewold hatte den CDU-Politiker in dessen Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident mehrfach eingeladen, unter anderem zur einem Oktoberfest-Besuch im Gegenwert von knapp 760 Euro. Im Gegenzug soll sich Wulff für dessen Filmprojekte eingesetzt haben.

Geben und Nehmen zwischen zwei Freunden?

Nach Darstellung von seinen Anwälte gab es zwischen Wulff und Groenewold ein Geben und Nehmen. Laut "Bild am Sonntag" werden als Belege für die enge Freundschaft zum Beispiel angeführt, dass Groenewold als einer der Ersten von der Schwangerschaft Bettina Wulffs erfuhr. Zudem feierte Christian Wulff feierte die Geburt seines Sohnes Linus am selben Tag mit Groenewold und kümmerte sich um Groenewold, als dieser nach der Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährtin in eine tiefe Krise stürzte.

Die Verteidiger wollen mit den Details aus Wulffs Privatleben beweisen, dass er nicht käuflich war. Die Staatsanwälte sind hingegen überzeugt, dass sich hinter dem Beziehungsgeflecht ein Korruptionsfall verbirgt.

Knappe Mehrheit wünscht sich Wulff-Comeback

Der Prozess ist der Abschluss einer Affäre, die vor knapp zwei Jahren mit einem umstrittenen Hauskredit begann. Im Februar 2012 trat Wulff als Bundespräsident zurück, als die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn einleitete.

Die Deutschen scheinen Wulff verziehen zu haben: Eine knappe Mehrheit von 49 zu 47 Prozent spricht sich in einer Exklusiv-Umfrage für die "Bild am Sonntag" sogar dafür aus, dass er wieder öffentliche Ämter bekleiden kann. Die größte Zustimmung erhält Wulff von den 30- bis 39-Jährigen: 72 Prozent befürworten ein Comeback des Ex-Staatsoberhauptes.