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08/11/2013 12:12 CET | Aktualisiert 08/11/2013 12:18 CET

Forscher belegen: Videospiele sind gut für uns

Unsere Eltern hatten Unrecht. Videospiele schaden uns nicht. Im Gegenteil, sie verbessern unser Leben.

Lange Zeit hielt sich das Gerücht, dass es eine Verbindung zwischen Videospielen und Gewalt gibt. Viele Studien legen aber nahe, dass diese Spiele sich in psychologischer und sogar physiologischer Hinsicht positiv auf uns auswirken können. Man könnte sogar sagen, sie machen uns zu besseren Menschen.

1. Mario wirkt wie Steroide auf Ihr Gehirn.

Deutsche Wissenschaftler haben in einer diese Woche veröffentlichten Studie den Einfluss von Videospielen auf den Menschen erforscht. Untersucht wurden 23 Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren. Sie spielten über einen Zeitraum von zwei Monaten hinweg 30 Minuten am Tag „Super Mario 64“. Eine separate Kontrollgruppe spielte in demselben Zeitraum keine Videospiele.

Bei der Untersuchung der Gehirne aller Testpersonen mit einem Magnetresonanztomographen (MRT) stellten die Wissenschaftler fest, dass die Spieler-Gruppe eine Vergrößerung der grauen Substanz in den Regionen des rechten Hippokampus, des präfrontalen Cortex und Teilen des Kleinhirns aufwies. Diese Gehirnregionen sind für die räumliche Orientierung, die Gedächtnisbildung, strategisches Denken und die Feinmotorik der Hände verantwortlich.

„Während vorhergehende Studien veränderte Hirnstrukturen bei Videospielern lediglich vermuten konnten, können wir mit dieser Studie einen direkten Zusammenhang zwischen dem Spielen und einem Volumenzuwachs nachweisen. Das belegt, dass sich bestimmte Hirnregionen durch Videospielen gezielt trainieren lassen“, sagte Studienleiterin Simone Kühn.

Kühn und ihre Kollegen schlossen daraus, dass Erkrankungen, bei denen bestimmte Hirnregionen verändert sind, mit Videospielen therapiert werden könnten. Das trifft beispielsweise auf Schizophrenie, posttraumatische Belastungsstörungen und die Alzheimer-Demenz zu.

2. „Starcraft“ könnte Sie intelligenter machen.

starcraft

Im August haben britische Forscher festgestellt, dass bestimme Videospiele, speziell strategische Spiele wie „Starcraft“, die Gehirnflexibilität der Spieler steigern können.

Für die Studie an der Queen Mary University of London und dem University College London wurden 72 Testpersonen untersucht und zwar bevor und nachdem sie 40 Stunden lang „Starcraft“ oder das Simulationsspiel „Sims“ in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen gespielt hatten.

Die anschließenden psychologischen Tests ergaben, dass die Teilnehmer bessere kognitive Leistungen erbrachten und Aufgaben schneller und akkurater erledigten.

„Wir müssen verstehen, was genau an diesen Spielen die Veränderung hervorruft und ob dieser kognitive Aufschwung dauerhaft bestehen bleibt oder nach einer Weile wieder verschwindet“, sagte der Forscher Brian Glass im August. „Sobald wir dieses Verständnis haben, könnte es möglich sein, klinische Interventionen zu entwickeln, mit denen beispielsweise die Symptome von Aufmerksamkeitsdefiziten, Hyperaktivität oder traumatischen Hirnverletzungen behandelt werden könnten.“

3. Videospiele könnten den Alterungsprozess verlangsamen.

wii old

Spiele, die das Gehirn anreizen, können laut einer Studie der University of Iowa schon innerhalb von einer Woche dazu führen, dass der natürliche Alterungsprozess unseres Gehirns verlangsamt wird.

Bei einer Studie wurden 681 gesunde Einzelpersonen im Alter von mindestens 50 Jahren untersucht. Nachdem die Teilnehmer 10 Stunden lang ein speziell entwickeltes Spiel gespielt hatten, zeigte sich, dass der natürliche Verfall bestimmter kognitiver Fähigkeiten gedrosselt werden konnte. In manchen Fällen sogar um bis zu sieben Jahre.

4. Sie könnten Kindern mit Legasthenie helfen, besser zu lesen.

child reading

Im Februar haben italienische Wissenschaftler an der Universität Padua festgestellt, dass Kinder mit Legasthenie ihre Lesefähigkeit durch schnelle, hektische Videospiele verbessern konnten.

Die Forscher teilten die sieben bis 13-jährigen Kinder in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe spielte das Action-Spiel „Rayman Raving Rabids“, die andere Gruppe spielte ein Spiel mit geringerem Tempo. Als anschließend die Lesefähigkeit der Kinder untersucht wurde, konnten die Wissenschaftler feststellen, dass die Kinder, die das Action-Spiel gespielt hatten, schneller und genauer lesen konnten. Die Autoren der Studie haben daraufhin die Hypothese aufgestellt, dass Action-Spiele helfen können, die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern zu verbessern – eine Fähigkeit, die beim Lesen besonders wichtig ist.

5. Videospiele können Schmerzen mindern.

xbox 360 kinect

Wissenschaftler haben Beweise dafür gefunden, dass Videospiele, insbesondere Spiele, bei denen virtuelle Realitäten eine Rolle spielen, Ängstlichkeit und Schmerzen, die durch medizinische Eingriffe hervorgerufen wurden, effektiv senken können. Die Studie hat ergeben, dass Patienten, die sich einer Chemotherapie oder anderen schwerwiegenden Behandlungen unterziehen, weniger Stress und Angst empfinden, wenn sie in eine virtuelle Spiele-Welt versunken sind. Patienten mit Brandwunden bewerteten ihre Schmerzen 30 bis 50 Prozent geringer, nachdem sie diese virtuellen Spiele gespielt hatten.

Videospiele führen dazu, dass Patienten sich auf andere Dinge als ihre Schmerzen konzentrieren. Außerdem werden durch das Spielen Endorphine freigesetzt, die sich positiv auf die Stimmung der Patienten auswirkten.

6. „Call Of Duty“ kann Ihre Sehkraft verbessern.

call of duty

Wer böse Jungs in Videospielen abknallt, kann damit seine Sehkraft verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der University of Rochester.

Im Jahr 2009 wurden erfahrende Action-Game-Spieler untersucht, die Ego-Shooter-Spiele wie „Unreal Turnament 2004“ und „Call of Duty“ spielten, während eine Kontrollgruppe aus unerfahrenen Spielern „Die Sims 2“ gespielt hat. „Diejenigen, die Ego-Shooter-Games spielten, konnten eine „Verbesserung ihrer Kontrastempfindlichkeit“ feststellen und nahmen feine Veränderungen der Helligkeit von Objekten besser wahr. Die Fähigkeit, helle Flecken von dunkleren Flächen zu unterscheiden, ist zum Beispiel wichtig, um bei Nacht Auto fahren zu können.

Die Autoren der Studie sind der Meinung, dass die Aufgabe, Feinde in einem Videospiel zu lokalisieren und auf sie zu zielen, die Augen der Spieler trainiert. Dadurch, dass die Gegner hin und wieder unerwartet im Spiel auftauchen und ein plötzliches Handeln gefragt ist, lernen die Spieler, optische Daten schnell zu verarbeiten. Die Forscher sind der Ansicht, dass ihre Ergebnisse das Potential von Videospielen offenbaren. Insbesondere Action-Spiele könnten zur Methode werden, um schlechte Sehkraft bei Patienten zu korrigieren.

7. Videospiele können hilfreicher sein als Gesprächstherapie.

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Videospiele wurden häufig mit Geisteskrankheiten in Verbindung gebracht. Studien haben aber gezeigt, dass sie eine Heilung für diese Krankheiten sein könnten.

Forscher aus Neuseeland haben im vergangene Jahr eine ungewöhnliche Methode entwickelt, um Teenager mit Depressionen zu behandeln. Die Jugendlichen spielten „SPARX“, ein Spiel, das entwickelt wurde, um den jungen Patienten eine Behandlung zu bieten, die lustiger und aktiver ist als die traditionellen Methoden.

An der Studie nahmen 168 Teenager mit einem Durchschnittsalter von 15 Jahren teil, die kürzlich Hilfe gesucht oder mit Depressionen zu kämpfen hatten. Die Hälfte der Gruppe wurde nach dem Zufallsprinzip dazu auserwählt, mit der „normalen“ Methode (Einzelsitzungen mit Psychologen) behandelt zu werden. Die zweite Gruppe spielte „SPARX“. Bei diesem Fantasiespiel kreieren die Spieler Avatare, die finstere, negative Gedanken zerstören sollen um die Ordnung in der virtuellen Welt wieder herzustellen. Jedes Level bringt dem Spieler Fakten über Depressionen, Strategien im Umgang mit negativen Emotionen und Entspannungstechniken bei.

Die Ergebnisse der „SPARX“-Gruppe waren sehr ermutigend. Etwa 44 Prozent der Patienten wurden vollständig von ihren Depressionen geheilt. In der Kontrollgruppe waren es nur 26 Prozent.

8. Sie können Schlaganfall-Patienten helfen, gesund zu werden.

rehabilitation

Für Schlaganfall-Patienten ist der Heilungsprozess häufig lang, manchmal sogar unmöglich. Debbie Rand von der Tel Aviv University hat eine Methode entdeckt, diese Patienten effektiver und kostengünstiger zu behandeln: mit Videospielen.

Untersucht wurden Patienten, bei denen der Schlaganfall ein bis sieben Jahre zurück lag. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine wurde auf traditionellem Wege behandelt, die andere spielte Videospiele auf Xbox 360, Playstation 3 und Nintendo Wii Konsolen.

Für eine Berufstherapeutin wie Rand waren die Vorteile einer Behandlung mit Videospielen in vielerlei Hinsicht klar. Beide Patientengruppen zeigten beispielsweise Fortschritte im Greifen. Aber nur die Videospieler konnten eine Verbesserung der Handstärke vorweisen. Sie bewegten ihre Arme nicht nur doppelt so viel wie die Kontrollgruppe, ihre Bewegungen waren außerdem zielgerichtet und keine einfache Nachahmung der Übung, wie es bei der zweiten Gruppe der Fall war.

Übersetzt aus der Huffington Post USA von Gina Louisa Metzler. Hier geht's zum Original.