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06/11/2013 14:04 CET

Dürfen Frauen nach dem Krebs noch schwanger werden?

dpa
Dürfen Frauen nach dem Brustkrebs noch schwanger werden?

Sylvie van der Vaart hat in einem Interview mit der „Bild-Zeitung“ über die wahren Gründe für die Trennung von Fußball-Star Rafael van der Vaart gesprochen (wir berichteten). Rafael habe sich noch ein weiteres Kind gewünscht, so die 35-Jährige. Nach ihrer Brustkrebserkrankung 2009 bekam Rafael „eine andere Frau zurück, als die Chemo vorbei war.“ Sie wisse, wie groß der Babywunsch ihres Mannes seit Jahren sei, sagte die Moderatorin zur "Bild-Zeitung" und: "Schön, dass Rafael nun das Kind bekommt, das ich ihm nach meiner Krebserkrankung nicht mehr schenken konnte."

Können oder sollten Frauen nach einer Krebserkrankung Kinder gebären? Über diese Frage sprach Prof. Dr. med. Sven Becker, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, mit der Huffington Post Deutschland.

Huffington Post: Wie schwierig ist es für Frauen, nach einer Brustkrebserkrankung wie bei Sylvie van der Vaart, schwanger zu werden?

Prof. Becker: Das ist abhängig von der Art der Chemo-Therapie, die gegeben wird und auch ein bisschen von der persönlichen Konstitution und dem Alter der Patientin. Die meisten Patientinnen im Alter von Frau van der Vaart würden nach der Chemotherapie wieder eine normale Eierstockfunktion haben und könnten rein theoretisch danach auch Kinder bekommen.

HuffPost: Aber ist es möglich, dass eine Chemotherapie Unfruchtbarkeit hervorrufen kann?

Becker: Es ist möglich. Die Chemo-Therapie ist Zellgift und sie schädigt den Körper überall dort, wo Zellen aktiv sind, also auch in den Eierstöcken. Viele Frauen haben während dieser Behandlung keine Monatsblutung. Aber je jünger die Frauen sind, desto eher stellt sich der Zyklus wieder ein.

Huffpost: Woran kann es noch liegen, dass Frauen trotz einer Heilung nicht schwanger werden?

Becker: Viele Frauen erhalten im Anschluss an die Chemotherapie eine Antihormontherapie, sofern der Tumor für diese Behandlung geeignet ist. Diese Therapie hat im Normalfall eine Dauer von fünf bis zehn Jahren. In dieser Zeit können Frauen nur schwer schwanger werden.

HuffPost: Die betroffene Frau müsste sich also gegen eine solche hormonelle Behandlung entscheiden, um ein Kind bekommen zu können?

Becker: Wenn ein Kinderwunsch besteht, kann die Therapie bereits nach zwei Jahren abgebrochen werden. Das heißt, die Frau muss eine dezidierte Entscheidung treffen. Wenn sie sich dazu entscheidet, die Therapie vorzeitig abzubrechen und damit auf eine optimale Behandlung verzichtet, sollte der Wunsch nach einem Kind so groß sein, dass sie bereit ist, ein kleines Risiko einzugehen. Das ist eine sehr individuelle Entscheidung.

HuffPost: Bedeutet eine Schwangerschaft denn ein Risiko für Frauen, die schon einmal an Krebs erkrankt waren?

Becker: Die Schwangerschaft an sich hat keinen schlechten Effekt auf den Brustkrebs und auch umgekehrt hat die Brustkrebsvorgeschichte keinen negativen Einfluss auf die Schwangerschaft. Untersuchungen haben ergeben, dass Frauen, die nach Brustkrebs schwanger werden, sogar eine bessere Prognose haben, als Frauen, die nicht mehr schwanger werden.