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01/10/2013 10:47 CEST | Aktualisiert 12/11/2014 08:10 CET

Emotionale Intelligenz erhöht Karrierechancen

Mitgefühl und Freundlichkeit machen erfolgreich
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Mitgefühl und Freundlichkeit machen erfolgreich

Bei Google kümmert sich Chade-Meng Tan um die Motivation der Mitarbeiter. Wenn er einen Vortrag vor Entwicklern und Managern hält, fängt er mit einer einfachen Aufgabe an.

„Stellen Sie sich zwei Menschen vor. Sagen Sie nichts. Tun Sie nichts. Wünschen Sie nur, dass diese beiden Menschen glücklich sind.“ Dann gibt er seinen Zuhörern eine Hausaufgabe mit. Sie sollen dieses Experiment am nächsten Tag bei der Arbeit ausprobieren. Jede Stunde wählen Sie dort zufällig zwei Kollegen aus und wünschen sich im Stillen, dass diese Menschen glücklich sind.

Vor kurzem bekam Tan eine E-Mail von einem Teilnehmer des Workshops. Darin stand: „Ich hasse meinen Job. Ich hasse es, jeden Tag zur Arbeit zu kommen. Gestern habe ich Ihren Vorschlag ausprobiert und es war der glücklichste Tag in den ganzen sieben Jahren.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Tan – den das Internetmagazin „Wired“ als „Ingenieur der Aufklärung“ bezeichnete – beobachet, wie emotionale Intelligenz die Arbeit und das Leben eines Menschen verändern. Tan hat bei Google das „Search Inside Yourself“-Programm entwickelt, ein Training, das die emotionale Intelligenz stärken soll.

Tan vertritt die Philosophie, dass ein Mensch zu innerer Ruhe kommen kann, wenn er seine emotionale Intelligenz durch Aufmerksamkeitstraining und Meditation stärkt. In dieser Ruhe wiederrum sieht er die Grundlage für Glück, Erfolg und Mitgefühl.

Mehr als 1000 Mitarbeiter haben das „Search Inside Yourself“-Programm bereits absolviert, wie „Wired“ berichtet. Die Leitlinien des Trainings erklärt Tan in seinem Beststeller „Search Inside Yourself – das etwas andere Glückscoaching“. Das Programm schult die fünf Bereiche emotionaler Intelligenz: Selbsterkenntnis, Selbstkontrolle, Motivation, Empathie und soziale Fähigkeiten. Es soll das bewusste Erleben und die Konzentration verbessern.

Die positiven Auswirkungen emotionaler Intelligenz auf die Arbeit sind vielfach nachgewiesen worden: Karrierechancen steigen, das Verhältnis zu Kollegen verbessert sich, Vorgesetzte lernen, erfolgreicher zu führen. Es sei gar nicht schwer gewesen, Unternehmen im Silicon Valley davon zu überzeugen, Meditation in die Ausbildung der Mitarbeiter einfließen zu lassen, sagt Tan.

„Jeder wusste schon, dass emotionale Intelligenz gut ist für die Karriere, für das Team und für den Gewinn“, sagt er. „Ich musste nur noch einen Stundenplan entwickeln, der den Menschen hilft, erfolgreich zu sein.“

Mit diesen vier Strategien können auch Sie ihre emotionale Intelligenz stärken – und Ihren Arbeitsalltag, ihr soziales Umfeld und ihr Glück revolutionieren.

Meditieren

Tan nennt wichtige Schritte, die zum Erfolg führen: Selbsterkenntnis. soziale Intelligenz und innere Aufmerksamkeit. „Sie ist die Fähigkeit, das Bewusstsein in einen ruhigen und klaren Zustand zu versetzen. Auf Kommando“, erklärt er.

Im ersten Schritt trainiert man die eigene Aufmerksamkeit durch Meditation.

Tan glaubt, dass es genauso wichtig sei, die geistige Fitness zu trainieren wie die körperliche. Sie habe Einfluss auf fast alle Lebensbereiche: Arbeit, Familienleben, Gesundheit. „Meditation ist geistige und emotionale Fitness“, sagt Tan.

Forscher haben bestätigt, dass innere Aufmerksamkeit das Gedächtnis und die Konzentration verbessert. Sie steigert auch das Wohlbefinden. Laut einer neuen Studie der Universität von Utah ist die Gefühlswelt von Menschen mit einer starken inneren Aufmerksamkeit besonders stabil. Sie haben ihre Launen und ihre Handlungen unter Kontrolle. Die Brown Universität hat außerdem herausgefunden, dass Meditation Einfluss darauf hat, wie Schmerz und Gefühle im Gehirn verarbeitet werden.

mitgefühl

Mitgefühl kultivieren

Das gelingt ebenfalls durch Meditation. Eine Studie der Harvard Universität zeigte kürzlich, dass Menschen, die ein achtwöchiges Meditationstraining absolviert haben, anderen Menschen in Not eher helfen als solche, die nicht an dem Programm teilgenommen haben.

Neurologen entdeckten sogar, dass Meditieren unser Gehirn in einen emphatischen Zustand versetzt. Für eine Studie konzentrierten sich tibetische Mönche bei ihrer Meditation auf Zuneigung und Mitgefühl. Daraufhin maßen die Forscher die Aktivität im linken vorderen Hirnlappen, der für positive Gefühle zuständig ist. Sie war 30 Mal stärker als bei einer Kontrollgruppe von Studenten, die nicht meditierten. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass man Empathie stärken kann, in dem man das Gehirn durch Meditation trainiert.

Tan erklärt, dass man durch diese innere Aufmerksamkeit zunächst lernt, sich selbst zu lieben. Daraus wächst Mitgefühl für andere. „Nach dem Programm haben mir Teilnehmer oft gesagt, dass sie sich selbst jetzt mit mehr Freundlichkeit begegnen “, sagt Tan.

Mitgefühl macht nicht nur glücklich, es steigert auch die kreative Leistungsfähigkeit und den Endgewinn eines Unternehmens. Eine Erkenntnis, die auch Linked-In-Vorstand Jeff Weiner teilt. Er ist einer der führenden Vertreters des neuen „Mitgefühl-Managements“.

Geist und Körper beobachten

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu innerer Freude ist es, sich Vorgänge in Geist und Körper bewusst zu machen: Gedanken, Gefühle, Sinneswahrnehmungen und Krankheiten. „Wenn Sie damit beginnen, finden Sie als erstes zu innerer Ruhe“, verspricht Tan. Wenn man dann auch das körperliche Wohlbefinden beobachte, folge irgendwann ein Zustand innerer Freude. „Diese Freude führt Sie mithilfe von ein paar anderen Übungen zu Freundlichkeit und Mitgefühl.“

Aufmerksamkeit zur Gewohnheit machen

Sie mögen innere Ruhe vielleicht nicht als etwas sehen, dass man sich angewöhnen kann. Tan erklärt, dass Glück sehr wohl eine Gewohnheit ist, die man sich durch tägliches Bewusstseinstraining anerzieht: „Um nachhaltig Mitgefühl aufzubauen, muss man ein hohes Maß an innerer Freude haben.“ Innere Freude komme von innerer Ruhe – und die sei etwas, das man sich sehr gut antrainieren könne.

Das tut man am besten durch regelmäßiges Meditieren – was nicht unbedingt bedeuten muss, stundenlang im Lotussitz zu verweilen. Auch ein Spaziergang kann eine Form von Meditation sein. Ebenso eine Yoga-Übung oder alle anderen Meditations-Arten, die ganz ohne „om“ auskommen. Wichtig ist, sie zur Gewohnheit zu machen und regelmäßig zu wiederholen. Aufmerksamkeit entwickelt sich so zu einem Teil des Alltags. „Gewohnheiten kann man sich antrainieren“, sagt Tan. „Und Gewohnheiten werden zu Charakterzügen.“

Übersetzt aus der Huffington Post USA. Hier geht's zum Original.

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