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25/01/2016 11:01 CET | Aktualisiert 25/01/2017 06:12 CET

Nicht einmal € 0.01 pro Tasse, um den Zustand der Welt zu verbessern

AFP

Der Schweizer Skiort Davos ist diese Woche zum 46. Mal Gastgeber für mehr als 1500 der weltweit einflussreichsten Vordenker und Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft. Dieses Stelldichein der Machtelite wird von Hunderten von Top-Journalisten fast aller großen Medien verfolgt.

Eines der vom Weltwirtschaftsforum erklärten Ziele ist es, extreme Armut auf diesem Planeten zu beenden. Da kann man sich ja grad mal fragen, wie viele Cents pro Tasse Kaffee, Tee und heisser Schokolade, die in diesen Tagen von der globalen Elite konsumiert werden, helfen, den Zustand der Welt zu verändern.

Die Antwort schockiert: Nicht mal $ 0.01 pro Tasse des sogenannten fair trade, nachhaltigen oder ethischen Kaffees, Tees und Schokolade, die von den WEF Teilnehmern konsumiert werden, helfen mit, die Armut zu beseitigen. Überrascht Sie das?

Der klitzekleine Gewinn-Anteil, der den Kaffeebauern schlussendlich zukommt, ist nichts anderes als ein Abbild des Leitgedankens des WEF, den "Zustand der Welt zu verbessern": Gleichgültigkeit und/oder eine bloße Abhängigkeit dieser Führungspersonen aus Politik und Wirtschaft von Wirtschaftsmodellen, die einerseits Hunger und Armut verursachen und andererseits Dollar-Milliardenprofite für Großunternehmen in den entwickelten Nationen abwerfen.

Alle Davos-TeilnehmerInnen wissen um den Hunger und die Armut in den Ländern, in denen Kaffee, Tee und Kakao angebaut werden, dort, wo viele Menschen die Produkte anbauen, die wir konsumieren. Nichtsdestotrotz zucken sie die Schultern über der Tatsache, dass auch Firmen, die am WEF mitmachen, mit diesen Produkten horrende Gewinne einfahren und die Kinder der Bauern, die eben diese Produkte anbauen, an Hunger sterben. Einfach, weil diese Menschen für ihre harte Arbeitso ungerecht wenig Geld erhalten.

Kaffee, Tee und Kakao sind keine Ausnahme, sondern sie sind ein klares Beispiel dafür, wie die "entwickelte" Welt die Armen dafür „honoriert", dass sie unsere so geliebten Getränke für unseren Start in den Tag herstellen.

Die Davos-Teilnehmer hätten es in der Hand, die Welt zu verändern und viele haben die rechtliche Verpflichtung dies zu tun, einfach, weil sie von den Bürgern in ihren Ländern in diese Positionen gewählt wurden. Die Wähler wollen Taten und Resultate sehen und nicht weiter leere Versprechen hören. Bis jetzt ist der Leitgedanke des WEFs, nämlich den Zustand der Welt zu verbessern, alles andere als beeindruckend.

Vor 2 Jahren sandte Papst Franziskus der Davos Elite diese Nachricht: Ich bitte Sie, sicher zu stellen, dass Reichtum der Menschheit dient und nicht, dass Reichtum die Menschheit beherrscht.

Die WEF Teilnehmer könnten mit Sicherheit die Maßgabe für eine zügige Änderung der globalen wirtschaftliche Entwicklung hin zu einem transparenten Shared-Value-Modell setzen, scheinen dies aber bisher nur widerwillig tun zu wollen.

Ein neues Shared-Value-Modell im Welthandel würde nicht nur zur Verbesserung der Situation der Ärmsten der Welt führen. Es birgt Billionen Dollar an Geschäftsmöglichkeiten für Unternehmen aller Größenordnungen und würde Hunderte von Millionen von neuen Arbeitsplätzen generieren. In der Beseitigung der Armut und dem Schaffen einer globalen Mittelklasse, liegen, da wo heute Armut herrscht, die größten unerschlossenen Geschäftsmöglichkeiten.

Wir bei CAFÉ FOR CHANGE arbeiten daran, ein neues Shared-Value-Modell bei Kaffee, Tee und Kakao zu etablieren und dem Verbraucher und jedem Unternehmen, dass Kaffee Tee und Kakao verkauft, zu ermöglichen, 10, 20, 30, 40, 50 usw. Cents pro Tasse mehr zu zahlen, um die Armut in den Gemeinden, die sie produzieren, auszurotten. Unser Ziel ist es, die Armut zu beseitigen und eine ländliche Mittelschicht innerhalb einer Generation zu schaffen.

Es ist nicht hinnehmbar, dass jemand wagt, ein Zertifizierungssystem, dass eine 'Prämie' von weniger als einem Drittel eines Cent pro Tasse für die Kaffeeproduzenten, die in Armut leben, "fair gehandelt", "nachhaltig" oder sogar "ethisch" zu nennen. In den meisten sogenannten "fairer Handels" Gemeinschaften für Kaffee, Tee und Kakao, schließt nur eines von zwanzig Mädchen in Gymnasium ab. Das ist nicht nur unfair, es ist unethisch und tatsächlich verletzt es das Recht auf Erziehung der Kinder von Millionen von Menschen, die für uns arbeiten.

Ein Fortsetzen der gewohnten medialen Darstellung in Davos ist gefährlich für uns alle. Die Welt, in der wir leben, ist eine Zeitbombe. Ungleichheit und soziale Segregation haben eine ernste politische Risiko geworden auch in den Industrienationen.

Ich bitte alle Teilnehmer WEF in Erwägung zu ziehen, zügig ein ernsthaftes und transparentes Shared-Value-Modell zur Beendigung der Armut zu unterstützen. Ich rufe alle Journalisten auf, die über das WEF zu berichten, die richtigen Fragen stellen.

Das WEF kann nicht weiterhin leere Behauptungen darüber aufstellen, wie "engagiert" sie zur "die Verbesserung des Zustands der Welt" beitragen, wenn sie in der Tat mit jeder Tasse Kaffee, Tee und Kakao, die sie trinken, Armut mit weniger als € 0.01 für die Kaffeeproduzenten zementieren.

Wie ist Meinung? Ich freue mich auf Ihre 10 Cent ... pro Tasse und Ihre Kommentare oder Fragen: Fernando@cafeforchange.org

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