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Ich bin das junge, braune Mädchen mit dem Kopftuch

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COLIN HAWKINS
Colin Hawkins via Getty Images
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Ich bin das junge, braune Mädchen, das sich in der Bahn neben euch verzweifelt an eine Tasse Kaffee klammert, während sie Zeitung liest.

Nein, ich bin nicht leise, nicht unterwürfig, nicht unterdrückt.

Und nein, mein Eyeliner soll auch nicht irgendeinen Jungen beeindrucken.

Soll ich euch sagen, was ich noch nicht bin? Eines eurer Stereotypen.

Tatsächlich bin ich für die meisten Menschen viel zu offenherzig. Für ein muslimisches Mädchen bin ich zu laut - und zu jedem, der mich nervt, viel zu unverschämt.

Ich bin weder die typische braune, muslimische Frau, noch bin ich die ideale braune, muslimische Frau (was immer das auch sein mag).

Ich bin ich.

Ich würde so gerne mal verstanden werden

Ich bin kein Label, das ihr mir aufdruckt und keine Schublade, in die ihr mich steckt. Die Vorurteile, die ihr über mich habt, wenn ihr mich seht - bewusst oder unterbewusst - sind falsch. Die Person, die ihr glaubt, dass ich bin, kann euch genauer einschätzen als sich selbst.

Ich bin das junge, braune Mädchen mit dem Kopftuch und ich habe die Nase voll davon, dass meine Meinung immer untergraben wird.

Mehr zum Thema: Seit meiner Kindheit werde ich wegen meines Aussehens gehänselt - jetzt bin ich weltberühmt

Mein Alter, mein Geschlecht und meine Religion arbeiten immer gegen mich. Diese Eigenschaften verpassen allem, was ich zu sagen habe, einen gewissen Beigeschmack.

Wenn ich einem Erwachsenen außerhalb des Bildungssystems meine politische Meinung preisgebe, bekomme ich nur zu hören: "Oh du bist doch viel zu jung, du kennst die Geschichte nicht, du verstehst das nicht."

Mein Alter.

Wenn ich in eine hitzige Diskussion gerate, dann heißt es: "Du musst nicht gleich so emotional und aggressiv werden, warum musst du denn so laut sein?"

Mein Geschlecht.

Wenn ich gegen die Unterdrückung von Frauen einstehe, sagt man mir: "Du weißt aber, dass im Islam Frauen und Männer nicht gleich behandelt werden?"

Meine Religion.

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Manchmal fühlt es sich so an, als würde immerzu eine Gewitterwolke der Gesellschaft über mir schweben, die alles was ich sage, unglaubwürdig und wertlos macht.

Die Menschen hören mich nicht. Sie warten nur darauf, dass ich aufhöre, Lärm zu machen.

Sie erliegen so ihren Vorurteilen, dass sie die Wichtigkeit meiner Aussage gar nicht erkennen, weil sie so überrascht davon sind, dass jemand wie ich überhaupt eine Meinung hat. Meine Worte passen nicht zu ihren Stereotypen und die Menschen fühlen sich unwohl deswegen.

Sie respektieren deine Argument nur dann, wenn sie auch ihre eigene Meinung reflektieren oder wenn sie wissen, dass es politisch korrekt ist, sie zu respektieren.

Ich bin das junge, braune Mädchen mit dem Kopftuch und ich wünschte, wir könnten einfach all die Labels abstreifen, die uns auferlegt werden oder die wir uns selber auflegen.

So gerne würde ich von jemandem verstanden werden, der einen komplett anderen Hintergrund hat als ich. Eine andere Religion, Nationalität, Alter, Geschlecht.

So gerne würde ich einmal verstanden werden - frei von Stereotypen, Schubladendenken und gesellschaftlichen Standards, die diktieren, wie ich mich zu verhalten habe oder wie meine Meinung aussehen soll.

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Ich bin das junge, braune Mädchen mit dem Kopftuch und ich lasse mich in keine Schublade stecken oder mir Labels aufdrucken. Ihr könnt mich nicht definieren oder kontrollieren. Ihr könnt nicht die Strukturen, die die Gesellschaft mir auferlegt gegen mich oder meine Worte verwenden.

Ich bin genauso ein Mensch, wie ihr es seid. Versteht das endlich.

Respektiert es.

Der Beitrag erschien zuerst in der Huffington Post UK und wurde von Franziska Kiefl übersetzt.

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