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15. Juli 2016 - Der Sieg des Guten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ERDOGAN
ASSOCIATED PRESS
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Der 15. Juli ist als eine dunkle Nacht in die türkische Geschichte eingegangen. Das türkische Staatsvolk hatte in der Vergangenheit bereits mehrere militärische Putsche erlebt, doch bei keinem anderen Putsch wurde bisher so viel Blut vergossen und bei keinem anderen Putsch wagten es Putschisten, das türkische Parlament, also den Ort in dem 97,5% der Gesamtbevölkerung vertreten wird, zu bombardieren.

Mit schier unglaublichem Mut und Glauben folgte das Volk dem Aufruf des türkischen Präsidenten Erdogan und strömte auf die Straßen, um sich den Putschisten entgegenzustellen.

Dieser, auf das türkische Staatsvolk und ihre Demokratie abzielende, verächtliche Angriff wurde seitens einer Gruppe von Anhängern der Gülen-Terrororganisation (FETÖ) ausgeübt, die sich innerhalb der türkischen Streitkräfte seit Jahrzehnten formierte.

Dass sich FETÖ nicht in allen Bereichen des türkischen Militärs einschleusen konnte, hat die Abwehr dieses brutalen Putschversuches begünstigt. 237 mutige Zivilisten ließen ihr Leben für die Aufrechterhaltung der türkischen Demokratie.

Loyalität zu der Terrororganisation FETÖ

Viele Soldaten, die inmitten des Putschversuches realisierten, dass sie von ihren befehlshabenden Offizieren betrogen worden waren, stellten sich an die Seite der Polizeikräfte und weigerten sich, auf ihr eigenes Volk zu schießen.

Interessant ist hierbei, dass während zahlreiche inhaftierte Soldaten und Generäle ihre Schuld eingestanden haben, sie auch zugleich ihre Loyalität zu der Terrororganisation FETÖ ohne Umwege zugaben. Es gibt nur wenige Putschisten, die ihre Schuld leugnen oder die Vorwürfe ablehnen.

Die Türkei ist ein Rechtsstaat und auch hier gilt die Unschuldsvermutung. Jeder ist unschuldig, solange eine begangene Straftat bewiesen ist. Entgegen vielen Medienberichten wurden viele Personen, aufgrund mangelnder Beweise, bereits aus der Untersuchungshaft entlassen.

Die von Fethullah Gülen angeführte Terrororganisation FETÖ hat nicht nur dem türkischen Staatsvolk, sondern der ganzen Welt ein nicht zu vergessendes und schreckliches Beispiel des Verrates gezeigt.

Fehlende Unterstützung aus der Bevölkerung

Zwischen der Terrororganisation FETÖ und den vom türkischen Staat seit Jahren bekämpften Terrorgruppen IS und PKK gibt es vom Gefahrenpotential her keinerlei Unterschied mehr.

Nach dem Putsch im Jahr 1980 schrieb Fethullah Gülen, Kopf der Terrorbande FETÖ, in der eigenen Zeitschrift Sızıntı, "gegrüßt seien die Soldaten, die wie rettende Engel gekommen sind". Nach dem Militärputsch 1997 stand er wieder an der Seite der Putschisten und forderte die demokratisch gewählte Regierung des Landes auf: "Ihr könnt es nicht, überlasst es anderen".

Fehlende Unterstützung aus der Bevölkerung zwang Gülen immer wieder zu antidemokratischen Mitteln, um die Macht an sich zu reißen. Der Putschversuch vom 15. Juli 2016 gilt als ein weiterer Beleg dafür.

Im Jahr 1999 musste Gülen die Türkei verlassen, weil Aufnahmen auftauchten, in denen er seinem Gefolge predigte: "Geht in die Wurzeln der Regierung, bis wir die komplette Macht haben. Aber seid dabei geduldig und wartet auf die richtige Zeit." Seine Geduld war wohl am 15. Juli erschöpft.

Putsch gegen die Demokratie

Nach den Umfragen von ORC haben 96 Prozent der türkischen Bevölkerung keinen Zweifel darüber, dass dieser Putschversuch von der Terrororganisation FETÖ geplant und durchgeführt worden ist.

Die Kundgebungen in der gesamten Türkei und die Erklärungen von Politikern zeigen zudem, dass AK- Partei, CHP, MHP, HDP, Jüdische Gemeinde, Alevitische Gemeinde und alle anderen Parteien, Organisationen und Gesellschaftsschichten sich in einem Punkt einig sind: "Dieser Putschversuch ist ein Putsch gegen die Demokratie, ein Zusammenhalten gegen den Putschversuch wird die Demokratie in der Türkei nur stärken."

Deshalb haben nach dem Start des Putschversuches nicht nur der Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der Premierminister Binali Yildirim, sondern aller Oppositionsparteien eine klare Haltung zugunsten der Demokratie gezeigt.

Es sind auch Bürger aus anderen pro-demokratischen Lagern auf die Straßen gegangen und haben den Putschversuch verhindert. Abgesehen von FETÖ-Medien haben sich alle türkischen Journalisten deutlich gegen die Putschisten positioniert.

Keine Stellungnahme zum Putschversuch durch Amnesty International

Nicht so klar und ziemlich irritierend haben jedoch einige internationale Organisationen wie "Amnesty International" reagiert. Statt den Putschversuch zu kritisieren oder die Putschisten zu verurteilen, die gnadenlos Feuer auf unschuldige Kinder, Erwachsene, Frauen und Männer eröffneten, haben sie die Opfer, das Volk und die wehrhafte türkische Demokratie kritisiert!

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Das türkische Justizministerium nahm Stellung zum schandhaften Verhalten von Amnesty International und kommentierte dies mit folgenden Worten.

"Amnesty International beschreibt sich zwar selbst als Hüter der Menschenrechte, der Rechtsstaatsprinzipien und der Demokratie, doch paradoxerweise kommt in der veröffentlichten Mitteilung keine einzige Stellungnahme zum gewaltsamen Versuch der Auflösung des türkischen Parlaments, zum Vorhaben der Ermordung des demokratisch gewählten Staatsoberhauptes oder zur Bemühung der Aufhebung der rechtsstaatlichen Verfassung.

Weder die Bombardierung des Parlamentsgebäudes noch die Ermordung und Verletzung der zivilen Bevölkerung wurde kommentiert.

Die Foltervorwürfe entsprechen auf keinen Fall der Wahrheit. Die Türkische Republik ist zweifellos ein Rechtsstaat und achtet, auch im Falle von Festnahmen in Ausnahmezuständen, vorrangig auf die Aufrechterhaltung der nationalen und internationalen Menschenrechte.

Inhaftierte Personen stehen entsprechend der gesetzlichen Regelung, sowohl im Moment der Verhaftung, als auch während der Haft, unter ärztlicher Kontrolle."

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