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In vielen muslimischen Familien sind die Mütter die größten Unterdrücker der Töchter

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MUSLIM WOMAN GERMANY
Heinz-Peter Bader / Reuters
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Feministinnen kann all das nicht gefallen. Wegen der Gewalt, der Frauen in muslimischen Gesellschaften ausgesetzt sind, und wegen der vorgestrigen, überkommenen Rollenzuweisung sehen sie muslimische Frauen ausschließlich als Opfer. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum.

Muslimische Frauen sind, ich habe es bereits erwähnt, auch Täterinnen. Denn sie erziehen die Kinder. Das Erziehungsziel unterscheidet sich bei Söhnen und Töchtern klar. Mütter erziehen die Jungs zu Prinzen und Machos, die Mädchen zu ergebenen Dienerinnen der Männer.

Es ist zum Verzweifeln: Die Mütter als die Erzieherinnen der Kinder hätten es in der Hand, das Leben von Mädchen und schließlich Frauen zu ändern. Stattdessen vererben sie teils handgreiflich, worunter sie als Mädchen selbst litten.

Wenn das Opfer zur Täterin wird

Sie ziehen es vor, Bewahrerinnen einer Tradition zu sein, die ihnen selbst schadete und sie selbst als Erwachsene massiv beschränkt. Sie, einst selbst Opfer, wird zur Täterin. Die Frauen sind die größten Unterdrücker der Töchter.

Es sind die Mütter, die ihren Kindern die frauenfeindlichen Werte einer archaischen Gesellschaft anerziehen.

Sie vermitteln den Jungs von klein auf, dass sie mehr wert sind als ihre Schwestern. Sie trichtern ihren Töchtern ein, dass Frauen Bedienstete seien, die zu helfen und den Vater und die Brüder zu bedienen haben.

Die Mutter, selbst Sklavin, erzieht ihre Tochter zur nächsten Sklavin der Familie. Sie bringt ihr bei, dass Frauen sich unterordnen und züchtig kleiden müssen und dass ihr zentraler Lebensraum das Haus ist.

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Das vermittelte auch meine Mutter, obwohl sie in der Familie meines Vaters und bei ihm selbst keinem "Hauszwang" unterlag. Sie konnte arbeiten, wo und wann sie wollte. Und sie arbeitete viel. Sie konnte ihre Familie und Freunde besuchen, wann und wo sie wollte.

Er schlug sie nie und stellte sich niemals über sie. Und doch war sie es, die die Lektionen aus ihrem religiösen Elternhaus beherzigte und ihre geballte Muttermacht einsetzte, um mich zu einer guten und demütigen muslimischen Frau zu erziehen. Dazu setzte sie wie viele Musliminnen alle Mittel ein, auch Gewalt.

Der Mann schlägt seine Frau aus Liebe. Und die Mutter schlägt die Kinder aus Fürsorglichkeit und Zuneigung. Die Hand einer muslimischen Mutter fliegt schnell. Dabei steht das nicht ausdrücklich im Koran.

Aber es gibt zahlreiche Hadithe, die Züchtigungen andeuten. So sollen Kinder vom siebten Lebensjahr zum Gebet angehalten und "mit einem leichten Schlag" ermahnt werden, wenn sie vergessen haben zu beten.

Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung

In der Bibel heißt es: "Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten." Oder: "Rute und Tadel gibt Weisheit, aber ein Knabe, sich selbst überlassen, macht seiner Mutter Schande."

Aber das ist in der westlichen, christlichen Welt nicht mehr Gesetz; hier haben anders als im Islam unter anderem Aufklärung und neue pädagogische Ansätze Überkommenes überwunden.

"Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig", verlangt das Bürgerliche Gesetzbuch, § 1631 BGB, seit dem Jahr 2000.

Nur eine kleine radikale Minderheit, Evangelikale oder die Glaubensgemeinschaft der "Zwölf Stämme" etwa, achten die alte Bibel mehr als das moderne Gesetz.

Deren Erziehungsstil nennen Kinderschützer "Kindesmisshandlung und Entwürdigung" und Neurobiologen wie Gerald Hüther "Dressur über Schmerz und Angst". Der Willen der Kinder werde gebrochen, man erzeuge "willige Werkzeuge", auf die sich autoritäre Systeme stützten, wie es auch die Nationalsozialisten taten.

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Unter Muslimen ist die Erziehung über Schmerz und Angst verbreitet. Sie trifft vor allem die Töchter. Der Tyrann ist meistens die Frau. Mich hat bis auf die geschilderte eine Ausnah me meine Mutter verprügelt. So ist es fast immer. Die Mutter schlägt zu.

Die Mutter demütigt und misshandelt die ungehorsame Tochter. Nach einer Weile hatte ich gelernt: Ich halte besser den Mund, aus Angst vor Schlägen und Schmerzen.

Unter Muslimen sind derartige erzieherische Maßnahmen nichts Verwerfliches, auch nicht in Deutschland: "Im Islam darf man seine Kinder nur leicht schlagen", schrieb mir eine kopf tuchtragende Muslimin über meine Facebook-Seite, "z.B. Klaps auf den Po, und nicht so, dass sie einen Schaden davontragen, oder gar ins Gesicht".

Dass die Frauen so handeln, ist erstaunlich: Sie selbst haben unter der mütterlichen Gewalt gelitten; aber offenbar haben sie die Werte, die dahinterstehen, so verinnerlicht, dass sie sie an die nächste Generation weitergeben.

Auf diese Weise schreiben sie Geschlechterrollen fort, die sie selbst als Kind als ungerecht empfunden haben. Sie blenden die eigene Kindheit aus, getragen von der Überzeugung, dass man das so machen muss für das Jenseits. Daran denken alle Muslime: dass sie alles für das Leben nach dem Leben tun müssen.

Ich war kein Junge, nur ein Mädchen

Eine Mutter steigt aus dem Bus und strebt auf den alten Basar in Skopje zu. Sie hat es eilig, und ihre dreijährige Tochter hat Mühe, ihr zu folgen, als sie über die mit grob behauenen Steinen gepflasterte Gasse hetzt; aber die Frau läuft und läuft und läuft, und als sie vorbeieilt an den kleinen Buden, die Früchte, Fleisch und Frischkäse, Stoffe und Bettwäsche feilbieten, fällt das Mädchen immer weiter zurück, ohne dass sie es bemerkt.

Ein Ladenbesitzer, Cousin des Vaters, nimmt das Mädchen auf den Arm und wartet. Eine Minute, zwei Minuten, drei, dann endlich kommt sie zurück, mit panisch suchendem Blick, und als sie die beiden sieht, ergießt sich eine Schimpftirade über den Onkel.

Der kennt das offenbar schon und sagt trocken: "Musst du eben mal nach dem Kind gucken. Du kannst doch nicht das kleine Mädchen so unbeschützt hinter dir herlaufen lassen."

Das kleine Mädchen war ich, es war Ende der Achtzigerjahre in der Altstadt von Skopje. Meine Mutter nahm mich nie an der Hand, sie lief immer irgendwohin, und ich musste sehen, dass ich hinterherkam. Ich war in ihren Augen nicht viel wert. Ich war kein Junge, der ihr Ansehen gesteigert hätte, sondern nur ein Mädchen.

Mein Bruder sollte knapp zehn Jahre nach mir zur Welt kommen, als wir schon in Deutschland lebten. Ich glaube, für sie war es tatsächlich das Schlimmste, ein Mädchen geboren zu haben. Und dass sie so dachte, hatte wenig mit meiner Mutter als Person zu tun, aber viel mit der muslimischen Gemeinschaft, mit dem Islam, der seine Anhänger glauben lässt, eine Frau sei nur halb so viel wert wie ein Mann.

So gering die Wertschätzung einer Mutter für ihre Tochter auch sein mag, so groß ist die Aufmerksamkeit, die sie ihr gegenüber an den Tag legen muss. Jeder falsche Schritt des Kindes, jedes vermeintlich unzüchtige Verhalten fällt auch auf sie zu rück.

Beim ersten Mal will ein muslimischer Mann Blut sehen

Diese Aufmerksamkeit steigert sich fast schon zu einer Manie, wenn es um den "kleinen Unterschied" geht, das Jungfernhäutchen. Und wieder richtet sich der Blick der Mutter dabei auf den Mann.

Denn wenn ein muslimischer Mann mit seiner Frau die Ehe vollzieht, dann will er Blut sehen. Das hat er so gelernt. Eine Jungfrau und nur eine solche würde er heiraten blutet nach dem ersten Verkehr. Wenn sie nicht blutet, sind Zweifel angebracht.

Die Kontrolle über das Jungfernhäutchen der Tochter übt die Mutter mit großem Eifer aus. Unterstützt von allen anderen Frauen der Gemeinschaft und verbunden mit allen Folgen für die Freiheit, nein: die Unfreiheit der Mädchen.

In Deutschland ist diese Überwachung häufig schärfer als im islamischen Herkunftsland; wegen des insgesamt freizügigeren Lebensstils hier besteht nicht nur die Gefahr, dass sich ein Mädchen vorzeitig mit einem Mann einlässt, sondern auch noch die, dass es sich dabei um einen Ungläubigen handelt, einen "Götzenanbeter", der laut Koran allenfalls "Brennstoff" oder "Bewohner" jenes Feuers ist, das für die Ungläubigen bereitet ist.

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Deshalb lehren muslimische Mütter ihre Töchter: Wenn eine Frau einen kurzen Rock trägt und einem Mann zu lange in die Augen schaut, dann ist es ihre Absicht, ihn zu reizen und zu erregen. Alles, was Frauen tun, und alles, was sie sind, ist reine Provokation.

Die Waffe der Frau ist ihre Weiblichkeit, eine Waffe, gegen die ein Mann anscheinend wehrlos ist. Deshalb müssen muslimische Mädchen sich verhüllen. Je älter sie werden, desto strikter achten die Mütter auf die Trennung der Geschlechter. Denn die Gefahr wächst, dass es seine Unschuld verliert.

Das wäre eine Katastrophe, weil kaum ein Mann ein beschmutztes Mädchen heiraten wird und ein Mädchen allein und ohne Mann, der für sie die Verantwortung übernimmt, als nicht überlebensfähig gilt.

Auch um dieser Gefahr vorzubeugen, sind frühe Ehen erwünscht. Schon der bloße Kontakt zwischen einer jungen Frau und einem Mann ist bis dahin tabu.

Eine "normale" Freundschaft zwischen Mann und Frau ist in einer hochsexualisierten Gesellschaft wie der muslimischen ohnehin unvorstellbar.

Es gilt: Eine unverheiratete junge Frau trifft sich nicht mit Männern. Darauf achtet jede Mutter, dafür setzt sie alle Mittel ein.

(jz)

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus Die verschleierte Gefahr - Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen

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