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Der Söhnchenkult: Wie muslimische Mütter ihre Söhne zu gewalttätigen Machos erziehen

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ISLAM DEUTSCHLAND
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Die Mehrheit der muslimischen Männer hat ein Gewaltproblem. Woher kommt das? Jeder Junge lernt bald, dass es eine Art Prügelhierarchie gibt: Die Mutter züchtigt die Tochter, der Vater züchtigt die Mutter.

Das Lernergebnis lautet: Ein lautes Wort, ein Schlag reicht, um die Hierarchie zu erhalten und eine Diskussion, die seine Stellung gefährden könnte, gar nicht erst entstehen zu lassen. Bald wird er als Familienältester diese Methode einsetzen. Er wird tun, was seine Vorbilder getan haben.

Im privaten Bereich wird unter Muslimen nicht viel diskutiert. Dass die Deutschen alles ausdiskutieren, ist für sie allenfalls ein Zeichen der Schwäche. Deutsche Kinder lernen früh, andere mit Worten zu entwaffnen.

Wie die Tochter eines Freundes, deren Mutter sie beim Belauschen eines vertraulichen Gesprächs erwischt hatte. Bei nächster Gelegenheit stellte die Mutter die Tochter zur Rede. »Lauschen geht gar nicht! Das war vertraulich zwischen deiner Schwester und mir.« Und dann sagt diese zehnjährige Klugscheißerin: »Aber wenn Kolumbus nicht so neugierig gewesen wäre, hätte er auch nicht Amerika entdeckt.«

Ich war sprachlos. Hinterher sagte ich dem Vater des schlagfertigen Mädchens: »Wäre ich beim Lauschen erwischt worden, hätte meine Mutter gesagt: ›Lauschst du noch einmal, mach ich dich tot!‹«

Während hierzulande vielleicht wirklich manches ausdiskutiert wird, über das es nichts zu diskutieren gibt, besteht die muslimische Welt eher aus Kommunikationskrüppeln. Da geht es nicht darum, wer die besseren Argumente hat, Argumente werden erst gar nicht bemüht. Schon gar nicht, wenn es um Erziehungsmaßnahmen geht.

Oh ja, muslimische Frauen können durchaus aggressiv erziehen, und das beschränkt sich nicht aufs Verbale. Und doch ist in einer muslimischen Familie eigentlich der Mann der Boss. Jeder kleine Kerl erkennt das sehr schnell. Er lernt: Frauen sind Bedienstete. Frauen sind Sklavinnen.

Mein letzter Besuch in Skopje endete deshalb schon nach drei Stunden. Auf den Straßen liefen so viele vollverschleierte Frauen herum, dass ich glaubte, ich sei in Saudi-Arabien. Und am Tisch meiner Tante saß ein 18-jähriger Pascha.

Breitbeinig äzte er auf dem Sofa und scheuchte seine viel ältere Schwester und seine Mutter herum: »Bring mir was zu essen«, verlangte er, »bring mir was zu trinken.«

Ich konnte nicht lange schweigen. »Du hast doch zwei gesunde Füße und zwei gesunde Hände. Ich rede gerade mit deiner Mutter und deiner Schwester. Geh und hol dir selbst etwas zu trinken.«

»Wieso? Ich bin doch ein Mann.« Meine Antwort darauf ist in Deutschland weder zitier- noch gesellschaftsfähig.

Ein muslimischer Junge merkt schnell, dass er als etwas Besonderes gilt. Und ein Mädchen erkennt spätestens am Tag der Beschneidung ihres Bruders, dass sein Wert den ihren außerordentlich übersteigt.

Tausende von Euro gibt eine Familie aus für eine aufwendige Feier an dem Tag, an dem der Stammhalter in den Kreis der Männer aufgenommen wird. Meine Mutter gerät heute noch ganz aus dem Häuschen, wenn sie von einer Beschneidung in ihrer Familie hört. Eine Mutter widmet ihrem Sohn vom ersten Tag an ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

Denn sie ist ihrem Sohn von Geburt an dankbar, weil er ihren Stellenwert im sozialen Gefüge erhöht hat. Der Sohn, ein Stammhalter, bringt ihr Ansehen in der Familie und außerhalb. Und der Sohn, davon gehen die Mütter aus, wird sich um die Eltern kümmern, wenn sie alt sind. Deshalb verhätscheln muslimische Mütter ihre geliebten Söhne.

Sie verwöhnen sie, umschwärmen sie, heben sie in den Himmel; die Soziologin und Autorin Necla Kelek wie auch ich und andere nennen das den »muslimischen Söhnchenkult«.

Ein Sohn wiederum liebt seine Mutter für ihre überbordende Zuneigung. Und wenn er heiratet, dann heiratet seine Frau nicht nur ihn, sondern seine ganze Familie. Sie zieht vom Haus der Eltern ins Haus der Schwiegereltern, weg vom Vater, hin zum Schwiegervater, aber vor allem hin zur Schwiegermutter.

Denn sie hat das Sagen über die Schwiegertochter, die zur Sklavin der Familie ihres Mannes wird. Um ihren Status zu erhöhen, braucht sie dringend ein Kind, und zwar möglichst einen Sohn. Und dann beginnt der Kreislauf von Neuem.

SCHLAMPEN ANMACHEN - Von der sexuellen Not junger Muslime

Im Netz gibt es viele Angebote für Muslime zur Lebenshilfe. Auf der Webseite fatwazentrum.de beantwortet Nureddin Yildiz auch intime Fragen, allerdings nicht so aufgeklärt wie Dr. Sommer in der Bravo: »Wie Sie bereits wissen, haben junge Menschen mit den eigenen Trieben (Nafs) zu kämpfen. Ich als junger Mann habe ständig das Verlangen nach Intimität. Was kann ich machen, um meine Begierden unter Kontrolle zu halten?«

Antwort: »Dieses Thema betrifft nicht nur Sie. Es ist eine Prüfung, der so gut wie alle Jugendlichen ausgesetzt sind. Sie können es nicht einfach aufheben. Sie können die Ursachen vermindern oder Vorkehrungen treffen.

Bleiben Sie von allen Ereignissen fern, die Ihre Triebe noch mehr anstiften. Vermeiden Sie Lebensmittel, die Ihre Begierde vermehren. Achten Sie darauf, wie Sie mit den Medien (Fernsehen und Internet) umgehen. Fasten Sie häu g, lesen Sie den Qur'ân und beschäftigen Sie sich mit dem Gedenken an Allah (Dhikr).

Schaffen Sie einen vertraulichen und gläubigen Freundeskreis. Schlafen Sie nicht zu lange. Meiden Sie es, alleine zu sein und alleine zu schlafen. Dies alles kann Ihnen keine hundertprozentige Garantie bieten, denn dies ist es, auf die Probe gestellt zu werden.

Entweder gewinnt man oder verliert man. Seien Sie standhaft. Vertrauen Sie auf Allahs Hilfe und versuchen Sie diese Hilfe zu verdienen. Möge Allah Sie und uns vor dem Übel unserer Seelen bewahren.«

Ist das Satire? Wir lernen: Muslime haben auch Probleme mit ihrer Sexualität. Aber mit Aufklärung hat das, was Yildiz da zum Besten gibt, natürlich nichts zu tun. Anstatt diesem Beladenen zu sagen, dass es bei jungen Männern ein normales, natürliches Bedürfnis ist, mit einer Frau zu schlafen, erklärt er die Not des jungen Mannes zu einer Prüfung und »ein Übel unserer Seele«.

Nächste Frage: »Ich kann meine Gottesdienste ('Ibâdât) nicht mit Aufrichtigkeit (Ikhlâs) verrichten. Wenn ich mich zum Gebet (Salâh) hinstelle, bekomme ich Gedanken, welche geschlechtliche Intimitäten beinhalten.

Ich kann diese Gedanken nicht abschalten. Beim Fasten kann ich mich auch nicht davon abhalten, derartige unmoralische Videos und Bilder zu betrachten. Was muss ich tun? Können Sie mir bitte helfen?«

Antwort: »Dies ist ein Kampf. Der Satan (Schaytân) kämpft mit dir. Entweder du akzeptierst die Niederlage und gibst dich geschlagen oder du leistest bis zum letzten Moment Widerstand,komme, was wolle. Du entscheidest.

Wenn du das Paradies willst, gewinnst du. Auch wenn der Satan dich tausend Mal zu Fall bringt, so stehe zum eintausendundeinten Mal auf, stelle dich hin und kehre zurück zu deinem Herren!«

Ein muslimischer junger Mann lernt also, sein sexuelles Begehren zu unterdrücken. Es wäre zu erwarten, dass da eine Menge neurotischer Männer heranwächst. Zumal Sex unter Männern keine Alternative ist. Einem 37-Jährigen, der um seine Homosexualität weiß, sich deshalb in einer »düsteren Lage« fühlt, aber zu einer »normalen Lebensweise« zurück nden will, »meine einzige Lebensmotivation«, rät Yildiz: »Sie haben keine andere Wahl als Entschlossenheit. Lassen Sie die Vergangenheit hinter sich. Je stärker Ihr Wille ist, desto mehr wird Ihre Vergangenheit in Vergessenheit geraten. Vertrauen Sie auf die Vergebung Allahs, aber halten Sie Ihre Willenskraft aufrecht.«

Jenseits solcher »Lebenshilfe« gibt es für die Triebe muslimischer Männer allerdings ein Ventil; sie dürfen, anders als junge Frauen, ihre Lust ausleben: mit einer Ungläubigen!

Wenn ich in den Berliner Stadtteilen Wedding oder Gesundbrunnen durch die Straßen gehe, verfolgt mich ein Spalier von Augen. Sie gehören jungen Männern, die in Grüppchen zusammenstehen. Ihre Blicke sind unangenehm, ich weiß genau, was die denken.

Sie halten mich für eine Deutsche, also eine Christin, und wenn sich die Gelegenheit ergäbe, wenn wir an einem günstigeren Ort wären und sie mit ein wenig Alkohol ihre Hemmungen vertrieben hätten, dann würden sie tun, was ich in ihren Blicken erkenne. Ich spüre es und ich sehe es in ihren Augen: Für diese Männer bin ich ein Stück Dreck, eine unehrenhafte Frau.

Deutsche Frauen sind Freiwild. Nichtmuslimische Frauen sind Freiwild. Und ich bin eine deutsche, nichtmuslimische Frau. Deshalb werde ich angeglotzt und angemacht von den Eckenstehern, die sie in Wien spöttisch »Kulturbereicherung« nennen.

Es passiert ständig. Ich verlasse mit einer Freundin einen Club, wir wollen zur Bahn. Ich schaue nicht auf, wenn wir eine Gruppe türkisch oder arabisch aussehender Jungen passieren. Trotzdem ruft einer: »Ey, ihr Schlampen!«

»Ich könnte deine Mutter sein, was soll das?«, pariere ich. »Ich könnte deine Schwester sein!«

»Meine Schwester würde so hier nie rumlaufen um diese Zeit.«

Wäre ich als Türkin oder muslimische Migrantin zu erkennen gewesen, hätte dieser 16- bis 20-Jährige mich anders angesprochen. Er hätte gesagt: »Ey, was machst du hier um diese Zeit auf der Straße? Geh nach Hause!« Wäre ich der Aufforderung dieses Dreikäsehochs nicht nachgekommen, hätten er und seine Kumpels mich beschimpft.

Jedem Nichtmuslim und jedem deutschen Hipster muss ich nur einmal sagen: »Verpiss dich!« Die meisten drehen sich dann beschämt weg und wagen es kein zweites Mal, mich verbal oder körperlich anzugreifen.

Bei Muslimen ist das anders, da wird nicht lockergelassen. Warum auch? Schließlich predigen die frommen Vorbeter in den Moscheen: Eine Frau soll sich, wenn sie das Haus überhaupt verlässt, »in abgetragene Kleider hüllen und wenig begangene Wege wählen, die Hauptstraßen dagegen vermeiden«.

Frauen, die sich nicht nach muslimischen Maßstäben kleiden und benehmen, sind Freiwild, Schlampen und Huren. Entsprechend werden sie behandelt. Frauen, die sich freizügig kleiden oder in Clubs gehen, sind »verfügbar«. Sie sind selbst schuld, wenn sie sexuell belästigt werden.

Auch diese jungen Kerle begründen ihr Verhalten, ihre Art zu leben, die Bevormundung von Frauen und ihren Hass mit ihrer Religion. Diese selbst ernannten religiösen Sittenwächter sind mitverantwortlich dafür, dass Frauen bestimmte Stadtgebiete meiden, weil sie sich dort nicht mehr sicher fühlen.

Sie verzichten auf ihre persönliche Freiheit, nehmen Einschränkungen in Kauf. Ich ertappe mich selbst dabei, wenn ich mir in Berlin Einkäufe in Neukölln oder im Wedding verkneife, wo Geschäfte Waren anbieten, die ich in Mitte nicht bekomme.

Ich kaufe anders und teurer, als ich will. Und ich wohne in einem teuren Kiez, weil ich in den günstigeren nicht leben kann, weil ich mich dem Gaffen und Geifern nicht aussetzen will.

Der Druck zur Einschränkung und Anpassung wächst, nicht nur für muslimische Frauen. Das ist auch eine Folge der politischen Auseinandersetzung seit dem Attentat auf das World Trade Center 2001 und die militärischen Antworten des damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Eine Solidarisierung mit den angegriffenen Brüdern und der gefühlte Generalverdacht gegen alle Muslime führten dazu, dass sie zusammenrückten.

Und diese Solidarisierung fand nicht selten unter dem Dach der Moscheen statt. Wo aber Religion und Glaube wieder wichtiger werden, gelten auch deren Regeln. Wer zur Gemeinschaft dazugehören will, muss sich fügen und diese Regeln einhalten. Je mehr Menschen einer Gruppe dem nachgeben, desto stärker wird die soziale Kontrolle.

Die Anpassung beginnt bei Kleidungvorschriften und der Frage: »Wie läuft denn deine Tochter herum?« Wo Gruppenzwang besteht, löst diese Frage eine Erziehungsmaßnahme aus. Es ist nicht zu übersehen, dass der sich in Deutschland ausbreitende politische, fundamentalistische, rückwärtsgewandte Islam die Regeln für Musliminnen verändert hat.

Sichtbarstes Beispiel sind die Symbole des politischen Islam, die in unseren Straßen zunehmend zu sehen sind: Kopftuch und Ganzkörperbedeckung.

Die Forderung nach angemessener Kleidung ist das erste Mittel der Disziplinierung von Frauen in einer religiösen Community. Die Zahl der Frauen, die sich dem beugen, wächst. Je mehr Frauen diesen Vorschriften nachkommen, desto »natürlicher« wird dieses religiöse Gebot. Weitere werden etabliert. Es tritt Gewöhnung ein.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, da erachten Frauen ihre Unterdrückung als frei gewählte Entscheidung. Diesem Teufelskreis kann in einer Gesellschaft, die sich radikalisiert und einen bestimmten Punkt überschreitet, niemand mehr entgehen, weder Frau noch Mann. Und irgendwann halten alle den veränderten, den gegebenen Zustand für normal.

Um mit dem Dichter Gotthold Ephraim Lessing zu sprechen, der dem Tempelherrn in Nathan der Weise den Satz in den Mund legte: »Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten.«

Im Oktober 2016 legte ich mir für eine Zeitschriftenreportage einen Hidschab an, also ein Kopftuch, das Haare, Schultern und Brustkorb bedeckt.52 Mein Spaziergang durch Berlin war eine interessante Erfahrung.

Ich habe am eigenen Leib gespürt, was Kopftuch-Lobbyistinnen behaupten: Diese Verkleidung schützt Frauen. Ich fühlte mich erstmals in Neukölln sicher. Ich fühlte mich unscheinbar, wo ich sonst lüsterne Blicke auf Brust und Hintern spürte.

Mit Kopftuch würdigten die Männer mich nicht eines Blickes. Nicht eine Sekunde lang, sie schauten sofort weg. Denn ich war eine von ihnen, ich war für einen Moment eine ehrbare Frau.

Aber ich hatte auch ein beklemmendes Gefühl. Dieses dünne Tuch war das Einzige, was mich vor diesen Typen schützte, die sich offenbar sonst nicht im Zaum halten können. Es zu tragen war wie ein Kotau vor ihrer aggressiven Sexualität.

Wenn ich es dauerhaft trüge, würde ich mich einreihen unter die Frauen, die das Verhalten dieser Männer indirekt als richtig unterstützen. Mit ihnen teilen sie die Ansicht, Frauen hätten die Wahl, sie könnten sich den Männern und deren Blicken entziehen, sie seien selbst dafür verantwortlich, ob sie gut oder schlecht behandelt werden.

Frauen, die das als Freiheit betrachten, rechtfertigen in letzter Konsequenz auch Vergewaltigungen, mit denen Unverschleierte für ihr Fehlverhalten bestraft werden.

Dieser Beitrag ist ein Buchauszug aus Die verschleierte Gefahr: Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen
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