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Sommerzeit ist Shoppingzeit - 5 rechtliche Tipps für den Online-Kauf

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SOMMER
Colin Anderson via Getty Images
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Urlaub kann auch stressig sein: Die Reise ist gebucht, die langersehnte Sommerpause steht kurz bevor doch es sind noch tausend Dinge zu besorgen, bevor die Koffer gepackt werden können und es endlich losgeht.

Wer das kennt, wird die Vorzüge des Online-Shoppings lieben. Über Shopping-Apps, Online-Marktplätze oder Shops lässt sich von der Luftmatratze über die Badehose bis hin zum Swimming Pool nahezu die gesamte Urlaubsausrüstung online bestellen. Dabei ist der Versand meist kostenfrei und die Rücksendung problemlos möglich.

Das Beste: Man kann die Produkte ausgiebig zu Hause testen. Doch sowohl Händler als auch Käufer haben Rechte und Pflichten, die gesetzlich oder in den AGB des Online-Shops geregelt sind. Worauf müssen Shopping-Fans achten und welche rechtlichen Pflichten bestehen auf Händler- und Käuferseite? Darf ich Badebekleidung einem Praxistest unterziehen oder die Rücksendung kommentarlos abschicken?

Rechtsanwältin Yvonne Bachmann kennt sich mit den Möglichkeiten und Problemen beim Online-Shopping aus und beantwortet die fünf wichtigsten Fragen zum Shopping in der Urlaubssaison.

Bestellen, testen, zurücksenden - was ist erlaubt?

Grundsätzlich besteht bei allen Online-Bestellungen ein Rückgaberecht für den Käufer, das sogenannte gesetzliche Widerrufsrecht. Eine Frist von mindestens 14 Tagen ist gesetzlich vorgeschrieben.

Der Verkäufer hat sogar die Pflicht den Käufer über seine Widerrufsbedingungen zu informieren. Der Kunde soll, genau wie im Einzelhandel, die Möglichkeit haben, das erworbene Produkt zu prüfen und bei Nichtgefallen zurückzusenden. Viele Online-Shopper sind damit zufrieden, die bestellte Bademode oder die neue Schnorchelausrüstung kurz anzuprobieren und deren Optik und Material zu prüfen, um sich von dem Produkt zu überzeugen.

Zum Leidwesen der Online-Händler übertreiben es jedoch einige Kunden mit dem Produkttest. Jährlich entsteht im Online-Handel ein großer wirtschaftlicher Schaden durch benutzte und verunreinigte Retourenwaren oder entfernte Originalverpackungen, die zu einem Wertverlust der Ware führen. Prinzipiell dient die Widerrufsfrist dazu, die bestellten Waren im ähnlichen Umfang zu prüfen, wie dies in einem Ladengeschäft möglich wäre.

Der neue Bikini darf also anprobiert werden, damit schwimmen zu gehen, ist allerdings nicht vorgesehen. Auch bei B-Ware und Second-Hand-Artikeln ändert sich nichts am Widerrufsrecht. Es endet allerdings bei individuell hergestellten Produkten oder verderblichen Waren, wie Schnittblumen. Auch bei Privatkäufen, beispielsweise über eBay, greift das gesetzliche Widerrufsrecht nicht.

Schöner Schein - Produktfotos im Online-Shop

Schöne Fotos sollen die angebotenen Produkte online besonders ansprechend und hochwertig aussehen lassen. Die Enttäuschung ist jedoch groß, wenn die Fotos mit dem tatsächlichen Artikel nicht übereinstimmen. Ist im Online-Shop beispielsweise eine Sonnenbrille mit Putztuch und Etui abgebildet, kann der Kunde erwarten, dieses Zubehör beim Kauf auch zu bekommen.

Rechtlich gesehen, sind alle abgebildeten Produkte auch Gegenstand der Kaufvertrags. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs sind Produktfotos im Internet, die einen bestimmten Lieferumfang erkennen lassen genauso bindend wie die Artikelbeschreibung in Textform.

Die Fotos der Verkaufsgegenstände müssen daher den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Ist dies nicht der Fall, ist ein Artikel, der in seiner Ausstattung vom Foto abweicht, in der Regel mangelhaft.

Kommentarlose Rücksendung - Geld zurück?

Einer der größten Vorteile des Online-Handels sind die bequemen Lieferbedingungen. Das Recht zum Widerruf des Kaufs ist sogar vom Gesetzgeber vorgeschrieben - eine Angabe von Gründen muss allerdings nicht gemacht werden. Häufig nutzen Online-Shopper die Möglichkeit, die bestellte Ware kommentarlos zurückzusenden.

Da in diesem Fall nicht ersichtlich ist, ob der Kunde die Ware zurückgeben oder wegen eines Defekts reklamieren möchte, hat der europäische Gesetzgeber eine Regelung geschaffen. Der Widerruf muss zwar keine Begründung enthalten, er muss jedoch doch nach geltendem Recht durch eine Erklärung gegenüber dem Online-Händler erfolgen, aus welcher der Widerruf des Vertrags eindeutig hervorgeht.

Eine kommentarlose Rücksendung der Ware ist für die Ausübung des Widerrufsrechts nicht mehr ausreichend, da sie nicht eindeutig ist. Eine Widerrufserklärung, per Muster-Widerrufsformular oder E-Mail ist demnach notwendig, damit die Botschaft über den Widerruf des Vertrags eindeutig hervorgeht.

Adresse unbekannt - was tun?

Rücksendungen von Waren sollen vor allem schnell und unkompliziert passieren. Was ist zu tun, wenn dem bestellten Päckchen weder ein Rücksendeschein noch eine Rücksendemarke beiliegt? Wie lässt sich die richtige Rücksendeadresse ermitteln, so dass eine Retourensendung sicher zum Händler zurück kommt und der Kunde sein Geld zurück erhält? Seit dem Jahr 2014 sieht das Widerrufsrecht vor, dass Kunden die bestellte Ware grundsätzlich an die im Impressum angegebene Adresse, also den Firmenhauptsitz zurücksenden können.

Zwar können Online-Händler eine zusätzliche Adresse nennen, diese Rücksendemöglichkeit ist jedoch unverbindlich und muss vom Kunden nicht genutzt werden. Das Telemediengesetz schreibt eine Impressumspflicht für alle gewerblichen Online-Händler vor. Demnach muss das Impressum leicht zu erkennen, unmittelbar zu erreichen und ständig verfügbar sein.

Schnäppchen durch Preisfehler - darf ich zuschlagen?

Schnäppchenjäger im Internet sind natürlich stets auf der Suche nach einem Knallerangebot. Einige suchen gezielt nach fehlerhaften Preisauszeichnungen im Online-Handel, um Preisfehler auszunutzen.

Rutscht das Komma aus Versehen an die falsche Stelle, kann die neue Urlaubskamera unbemerkt für 29,99 Euro oder für 2,99 Euro statt 299 Euro ergattert werden. Grundsätzlich gilt, dass ein geschlossener Kaufvertrag zur Lieferung verpflichtet.

Allerdings sollten sich Schnäppchenjäger nicht zu früh freuen: Wenn der Käufer eine offensichtlich irrtümliche Preisangabe bewusst ausnutzt, steht Online-Händlern, die versehentlich einen falschen Preis angegeben haben, grundsätzlich ein Anfechtungsrecht zu.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Preis falsch eingegeben wurde oder ob der falsche Preis durch einen Softwarefehler entstanden ist. Der Online-Händler müsste die Anfechtung des Vertrages dafür unverzüglich und ohne Bedingung erklären. Die enttäuschten Käufer haben jedoch unter bestimmten Voraussetzungen einen Schadensersatzanspruch.

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