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Ich dachte, ich möchte noch ein Kind

16/08/2016 17:49 CEST | Aktualisiert 17/08/2017 11:12 CEST
Choreograph via Getty Images

Ich habe mein jüngstes Kind mit 26 Jahren bekommen. Jetzt, wo wir Eltern von einem Jungen und einem Mädchen sind, haben wir beschlossen, dass es mit dem Kinder-Kriegen reicht. Wenn ich schreibe "wir", dann meine ich, dass mein Ehemann beschlossen hat, dass es reicht.

Er ist als eines von zwei Geschwistern aufgewachsen und wollte immer nur zwei Kinder. Ich bin ein Sandwich-Kind und habe mich immer als Mutter von dreien gesehen. Aber wir waren Mitte Zwanzig und wollten reisen und Abenteuer erleben, Sachen tun, die man mit einer Horde Kleinkinder im Schlepptau eben nicht macht.

Aktuell wären wir 42 Jahre alt, wenn unsere Tochter ihren Schulabschluss machen würde. Also stimmte ich widerwillig zu. Ich würde bald 30 werden und wer will in dem Alter überhaupt noch ein Baby?

Dann wurde ich 30. Und ganz plötzlich tickte meine biologische Uhr so laut, dass sie kaum zu überhören war. Mein jüngstes Kind war schon in der Vorschule und mir fehlte es, ein Baby um mich zu haben. Egal wo ich hinsah, eine Freundin in den 30ern war schwanger. Und keine machte sich Gedanken darüber, was es hieß in fortgeschrittenerem Alter Mutter zu werden oder was es bedeutete, 50 Jahre alt zu sein, wenn ihre Kinder den Abschluss machten.

Mein Mann willigte ein - unter einer Bedingung

Ich fing an, meinem Mann die Idee in den Kopf zu setzen. "Noch ein Baby?" "Wir sind immer noch jung!" "Schau, wie süß sie sind!". Als ihn das nicht überzeugte, fing ich an zu betteln. "Ich brauche das!" "Mein Herz ist unvollständig" und am liebsten sagte ich: "Ich habe noch nie Schwangerschafts-Fotos von mir machen lassen!"

Schließlich willigte er ein (oder hatte ich ihn mürbe gemacht?): Wir würden noch einmal versuchen ein Kind zu bekommen. Aber er stellte eine Bedingung: Ich müsste innerhalb des nächsten Jahres schwanger werden. Wenn es nicht klappen sollte, dann war es nicht so gewollt und wir würden aufhören, es zu versuchen. Es war abgemacht.

Nachdem es die ersten beiden Male einige Monate gedauert hatte, bis ich schwanger war, wusste ich, dass ich dem Glück nachhelfen musste. Ich kaufte Ovulations- und Schwangerschaftstests.

Ich meldete mich bei einer Fruchtbarkeits-App an, wo ich meine Basaltemperatur, meine Periode und andere eklige Fruchtbarkeitsanzeichen wie den "eiweißartigen Zervixschleim" eintragen konnte. Ich habe sogar ein magisches, spermafreundliches Gleitgel gekauft, das den kleinen Schwimmern die richtige Richtung weisen sollte. Verrückt? Das war mir egal. Es war endlich so weit.

Und dann passierte nichts.

1. Monat: In der Woche, die am besten war, um es zu versuchen, bekam ich Angst. Was wenn es gleich klappen würde? War ich bereit für 16 Wochen Morgenübelkeit? Wir hatten in ein paar Monaten einen Ausflug nach Vegas geplant. Ok, versuchen wir es nächsten Monat.

2. Monat: Das Baby würde zu Weihnachten auf die Welt kommen. Das wäre echt scheiße, wir versuchen es lieber nächsten Monat.

3. Monat: Mein zweites Kind kam einen Monat zu früh. Wir sollten kein Weihnachts-Baby riskieren. Der nächste Monat klingt doch gut.

4. Monat: Vegas! Alkohol! Spielen! Alkohol! Lieber zu vorsichtig sein, als es bereuen. Nächsten Monat dann...

5., 6., 7. Monat: Es ist Sommer. Auf nach Cancún in Mexiko! Ich liebe Margaritas und Krustentiere! Wir sollten warten, bis die Kinder wieder in der Schule sind.

8. Monat: Unser Baby ist im Kindergarten. Will ich das wirklich alles noch einmal? Will mein Mann wirklich noch ein Kind oder hat er nur zugestimmt, um mich glücklich zu machen? Was, wenn ich wieder eine Fehlgeburt habe, wie beim ersten Mal, als wir schwanger wurden? Schaffe ich das noch einmal? Ich habe schon zwei wunderbare Kinder. Warum will ich mehr? Wird noch ein Kind dieses Verlangen stillen oder werde ich immer noch eines wollen? Ich bin so zwiegespalten. Vielleicht ist das einfach nicht der richtige Zeitpunkt.

9. Monat: Lass uns einfach einen Hund kaufen.

Ich konnte es einfach nicht durchziehen. Während mein Herz immer noch nach einem Baby ächzte, zeigte meine Widerwilligkeit es anzugehen doch, dass es einfach nicht sein sollte. Ich begann endlich zu akzeptieren, dass ich mich vermutlich immer irgendwie unvollständig fühlen würde.

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Vielleicht können Mütter, die einen Verlust erlitten haben, dieses Gefühl einfach nicht mehr loswerden. In jedem Fall war ein weiteres Baby nicht für uns vorgesehen.

Ich bin jetzt 39 Jahre alt und vor Kurzem ist etwas Außergewöhnliches passiert. Das erste Mal, seitdem ich verheiratet bin, habe ich aufgehört mich nach einem weiteren Kind zu sehnen. Es könnte die grenzenlose Kraft all meiner Nichten und Neffen sein oder vielleicht bereitet mich mein Körper auch einfach auf die Zeit vor, wenn ich keine Kinder mehr bekommen kann. Egal was davon zutrifft, ich schaue jetzt meine Familie an und zum allerersten Mal denke ich: Wir sind komplett.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.scarymommy.com und wurde von Jutta Kranz aus dem Englischen übersetzt.

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(cho)

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