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Anschläge auf UETD-Gebäude in Grevenbroich und Gelsenkirchen

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  • Zafer Sırakaya: „Wir fühlen uns von den Behörden und der Politik allein gelassen."
  • Asiye Bilgin: "Wie lange will man noch zusehen?"
  • Mustafa Yeneroğlu: "Medien ignorieren, Öffentlichkeit schweigt."

Am Freitagabend haben mutmaßliche Anhänger der Terrororganisation PKK einen Anschlag auf ein Büro der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) in Grevenbroich verübt. Ende März war das Vereinsgebäude schon einmal überfallen worden. Unbekannte hatten einen Brandsatz auf das Objekt geworfen.

Mustafa Yeneroğlu, Abgeordneter der türkischen Regierungspartei AKP äußerte sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu dem Vorfall: „PKK-Anhänger haben die UETD in Grevenbroich angegriffen. Medien ignorieren, Öffentlichkeit schweigt. Es kommt also auf die Opfer an."

Augenzeugen berichteten von etwa 20 vermummten Personen, darunter auch Frauen und Kinder, die mit Baseballschlägern und Steinen bewaffnet, die Fenster und Eingangstür des Vereins zerstörten. Verletzt wurde niemand.

Es entstand jedoch erheblicher Sachschaden. Der Anschlag ist schon der Zweite innerhalb einer Woche auf eine UETD-Filiale.

Anschlag auf die UETD in Gelsenkirchen

Bereits in der Nacht auf Dienstag verübten mutmaßliche Linksextremisten einen Anschlag auf die Räumlichkeiten des Ortsverbandes UETD in Gelsenkirchen. Die Täter hinterließen ein Schreiben, das sie mit „DEV GENÇ" („Föderation der Revolutionären Jugend"), einer linksradikalen Organisation, unterzeichneten.

Die Scheiben de Ortsvereins wurden mit mehreren Farbbeuteln beworfen. Die Täter beschmierten die Außenwände mit Hassparolen und Drohbotschaften, die sich gegen die AKP sowie Mitglieder der UETD richteten. In beiden Fällen haben die Polizei und der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen.

Neun Anschläge in nur einem Jahr

Zafer Sırakaya, Vorsitzender der UETD, sagte zu den terroristischen Angriffen: „Dieser Anschlag reiht sich ein in eine lange Liste von politisch motivierten, extremistischen Übergriffen, die in den letzten Jahren und Monaten erschreckend zugenommen haben. Es handelt sich schon um den neunten Anschlag auf eine Einrichtung der UETD innerhalb eines Jahres. Außerdem ist es der zweite Angriff innerhalb kürzester Zeit auf unser Vereinsgebäude in Gelsenkirchen und Grevenbroich. Es ist besorgniserregend, dass die Täter/innen Mut schöpfen und keine Angst vor den Sicherheitsbehörden verspüren, die wiederum, allem Anschein nach, wenig unternimmt, die mutmaßlichen Täter zu fangen."

Sırakaya, der den Angriff scharf verurteilte, wies darauf hin, dass die UETD in 15 Staaten Europas nach demokratischen Grundsätzen tätig sei. „Es ist bedauerlich und beunruhigend, dass wir vor dem Hintergrund zahlreicher Anschläge auf UETD-Einrichtungen von Seiten der deutschen Politik und den Behörden allein gelassen werden."

Sırakaya forderte mehr präventive Maßnahmen gegen politisch motivierte Hassverbrechen sowie die baldige Ergreifung und Verurteilung der Verantwortlichen.

Asiye Bilgin, Vize-Vorsitzende des Verbands, stellte die Frage: „Wie lange will man noch zusehen?" Viele türkischstämmige Menschen fragten in den sozialen Medien, wieso nicht konsequent gegen die PKK und andere linksextremistische Terrororganisationen vorgegangen werde und wieso kaum jemand über einen „Import von Konflikten" spreche, wenn es Anschläge auf Einrichtungen der UETD, DITIB (Türkisch-Islamische Union), ATIB (Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa) oder IGMG (Islamische Gemeinschaft Milli Görüş) gebe.

Es sei auffällig, dass Anschläge gegen Einrichtungen dieser Organisationen wenig Öffentlichkeit erlangten und selten verurteilt würden.

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