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Am eigenen Ast gesägt? Wieso die Diffamierung deutsch-türkischer Verbände Radikale stärkt

28/02/2017 16:03 CET | Aktualisiert 28/02/2017 16:03 CET
dpa

Seit Wochen wird eine Hetzkampagne gegen deutsch-türkische Verbände, Elternvereine und diplomatische Einrichtungen betrieben. Imame, Lehrer und sogar türkischstämmige Schüler werden als sogenannte „Spitzel" diffamiert.

Allen, die sich dieser haltlosen Verleumdungsaktion anschließen sei gesagt, dass sie damit „am Ast sägen, auf dem sie sitzen".

Der DITIB ist es zu verdanken, dass wir keine französischen Verhältnisse haben

So leistet die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) seit Jahrzehnten wertvolle Arbeit in Deutschland und ist seit Generationen ein verlässlicher Garant und Bollwerk gegen jede Art der Radikalisierung.

Dass es in Deutschland keine französischen Verhältnisse gibt, verdanken wir nicht zuletzt der theologischen Anbindung, religiösen Erziehung, spirituellen Betreuung und der Expertise durch das türkische Religionspräsidium Diyanet. Die vorbildlichen Tätigkeiten der DITIB im Bereich der Integration, des interkulturellen- und interreligiösen Dialogs sowie ihr unermüdlicher Einsatz für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland verdienen Achtung und Anerkennung.

Eine Hetzkampagne, wie sie derzeit stattfindet ist genauso inakzeptabel wie politisch motivierte Sanktionsmaßnahmen gegen den größten islamischen Dachverband in Deutschland. Die Diffamierung der DITIB ist kontraproduktiv. Kontraproduktiv für die transnationale deutsch-türkische Partnerschaft. Aber auch innenpolitisch kontraproduktiv.

Vor dem Hintergrund, dass in den letzten zwei Jahren mehr als eine Million Schutzsuchende mit islamischem Hintergrund nach Deutschland eingewandert sind, wird es in Zukunft noch wichtiger, dass der moderat und liberal geprägte Islam des türkisch-islamischen Dachverbandes DITIB neben zahllosen anderen Angeboten religiöser Dienstleistungen eine wichtige Stellung beibehält.

DITIB ist ein Bollwerk gegen radikale Ideologien

Die hektischen Anerkennungs- und Koordinierungsmaßnahmen zur Institutionalisierung des Islams in Deutschland nach dem 11. September scheinen sich aufgrund tief verwachsenen Misstrauens gegenüber den staatlichen Behörden oder der Politik der Herkunftsländer zu verkehren.

Die Unterstützung von destruktiven Reformtheologien und sektiererischen Gemeinschaften könnte sich am Ende als ein Fallstrick erweisen. In vielen anderen Staaten innerhalb Europas, in der die finanziellen, personellen und strukturellen Verbindungen zur Diyanet, der Religionsbehörde der Türkei begrenzt oder abgebrochen wurden, nahmen wahhabitische und salafistische Ideologien verstärkt zu.

Es ist nicht vorstellbar, dass dies im gemeinschaftlichen Interesse wäre. Die Diskreditierung der DITIB beeinträchtigt das partnerschaftliche Verhältnis und könnte langfristig eher schaden als nützen. Die Jahrhundertealte Partnerschaft, ja sogar Freundschaft zwischen Türken und Deutschen ist zu essenziell, um für Wahlkämpfe und Rufmordkampagnen missbraucht zu werden.

In diesem Zusammenhang wäre es für die politischen Parteien nicht unklug, sich ihren Beraterstab und vor allem die neuen Partner, Kontaktleute und Informationsgeber nochmal genauer anzusehen. Die Losung „Konfrontation statt Kooperation" würde bedeuten, dass am Ende alle Seiten das Nachsehen hätten. Damit würden wir uns „ins eigene Fleisch schneiden".

Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland - Deutscher Islam?" sowie „nach-richten: Muslime in den Medien".

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