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Diese Methode könnte der Schlüssel dafür sein, Alzheimer zu heilen

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ALZHEIMER
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Manchmal gerät das Leben aus den Fugen. Und manchmal bestimmen Schicksalsschläge über deinen weiteren Lebensweg. Entscheidend ist am Ende nur, wie man danach weitermacht.

Ich erlitt Ende 1996, als ich noch praktizierender Tierarzt war, einen schweren Autounfall.  Danach stand fest: Meine Arbeit mit den Tieren musste ich aufgeben.

Ich suchte nach einem neuen Sinn im Leben - ich wollte noch etwas erreichen.  Und so entschied ich mich, die Tiere hinter mir zu lassen und den Menschen zu helfen.

Ich begann auf einem Bereich zu forschen, der mir sehr am Herzen liegt: Die Heilung von Alzheimer. Und meinem Ziel rücke ich jeden Tag etwas näher.

Krankheiten heilen mit Musikvibrationen

Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an der Krankheit. Die Patienten befinden sich dauerhaft in einem sehr schlechten kognitiven Zustand - sind dement.

Menschen, die mitten im Leben stehen, kann es ganz plötzlich treffen. Für sie und ihre Angehörigen eine Katastrophe.

Mediziner auf der ganzen Welt suchen nach einer Lösung - einem Medikament oder irgendeine Art der Prävention.  Ich bin in meiner Forschung auf eine ganz andere Therapiemethode gestoßen.

Ich interessierte mich schon immer für den Einfluss der Musik auf das Gehirn und so kam ich auf eine Therapiemethode mit Musikvibrationen.

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Dieser Aspekt hat einen direkten Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als Katzendoktor. Ich stellte fest, dass Katzen nicht nur wenn sie sich wohl fühlen schnurren, sondern auch, um sich wohl zu fühlen.

Sie benutzen die Vibrationen, die durch das Schnurren entstehen, um sich von Stress, Schmerzen, Verspannungen und Verletzungen schneller zu heilen. Das Schnurren ist für sie also eine Vibrationstherapie.

Ich dachte mir: Wieso also nicht von der Natur lernen? Wenn Vibrationen gut für Katzen sind, sollte es doch auch Menschen helfen. Somit bekam ich die ersten Impulse, um die Wirkung von Musik und Musikvibrationen bei uns Menschen zu testen.

Ich fand heraus: Unser Gehirn ist veränderbar

Es verschlug mich an die  Akademie für Sonderpädagogik in Warschau. Dort bekam ich als Professor die Möglichkeit, diese Wirkung über 10 Jahre an 90 wissenschaftlichen Arbeiten mit meinen Studenten aus verschieden Studienrichtungen zu überprüfen.

Wir untersuchten die Wirkung der Musikvibrationen im Zusammenhang mit Behinderungen, Stress, Schmerz, Gedächtnis und kognitiven Fähigkeiten.

Herausgefunden haben wir: Unser Gehirn ist veränderbar. Die Musik - verstärkt durch die Vibrationen - sorgt dabei nicht nur für ein kurzfristiges Wohlbefinden.  Nein, sie lässt auch neue Netzwerke und Verbindungen in unserem Gehirn entstehen, die dauerhaft bleiben.

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Es ist sogar bewiesen, dass Musiker empathischer sind, ein besseres Gedächtnis haben und über eine koordinierte Motorik verfügen. Ich fragte mich, ob eine Methode mit Musikvibrationen auch eine prophylaktische Wirkung gegen Alzheimer haben könnte und stellte sich heraus: Meine Überlegungen waren gar nicht so falsch.

Ich stellte fest, dass unabhängig vom kognitiven Zustand der dementen Menschen, positive Veränderungen im Bereich des Wohlbefindens, der Zufriedenheit, der Reduktion von Aggressionen und eine verbesserte Gedächtnisleistung entstehen.

Die Chancen liegen in der Prävention

Meine Erfahrungen decken sich mit den neuesten Grundlagenforschungen, die belegen, dass Schallwellen das Immunsystem des Gehirns anregen und dadurch aktivieren.

Dies bewirkt, dass spezielle Fresszellen, die Mikroglia, die Ansammlung von Amyloid Betaproteinen eliminieren, dadurch erlangt der Alzheimerbetroffene ein besseres Gedächtnis. Und nicht nur das:  Die Symptome werden auch noch rückgängig gemacht.

Die Schwingungen regen das Gehirn an und stärkt die Netzwerke, sodass die Entstehung von Alzheimer verhindert oder verzögert werden kann. Dafür habe ich eine spezielle Methode mit einem Gerät namens fitterbrain entwickelt.

Es überträgt das speziell entwickelte Musikprogramm auf ausgesuchte Körperpartien und ist auch akustisch hörbar. Man kann die Musikvibrationen auch direkt an den Kopf anbringen und das Gehirn somit durch die Schallwellen anregen.

Es ist damit vergleichbar, wie wenn man den Kopf während des Spiels auf ein Piano legt.

Das bahnbrechende an der fitterbrain-Methode ist, dass sie nicht invasiv ist. Sie ist angenehm, emotional unterstützend und Stress reduzierend.

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Die Chancen der Methode liegen in der Prävention und sind am höchsten im Frühstadium der Alzheimererkrankung. Aber eine Verbesserung des Wohlbefindens, der motorischen Fähigkeiten und des Gedächtnisses tritt auch in einem späteren Entwicklungsstadium auf.

Mein Ziel ist es präventiv für noch nicht Erkrankte, ebenso wie den vielen Betroffenen Alzheimer und Demenz Patienten damit zu helfen.

Denn für jeden Menschen gilt: Manchmal gerät das Leben aus den Fugen - entscheidend ist, dass man nie aufgibt.

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