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Sechs Gründe, warum du jetzt damit anfangen solltest, dein Leben zu entrümpeln

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FLEA MARKET GARAGE
Kimberly White / Reuters
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In den letzten Monaten/Jahren habe ich mich definitiv verändert. Veränderung ist immer gut, denn es gibt nichts Schlimmeres als Stillstand in der persönlichen Entwicklung. Ich finde es schön, wenn man flexibel ist, offen für neues ist, sich entwickelt und verändern kann, sein oft eingefahrenes Verhalten überdenkt.

Meine Ansichten haben sich besonders geändert, wenn es um materiellen Besitz geht. Früher habe ich alles aufgehoben, weil ich es schön fand, es mich an etwas erinnerte oder ich es von einer wichtigen Person geschenkt bekommen habe. Lebensmittel sind vergammelt, weil ich es zu schade fand, sie aufzubrauchen - ziemlich verschwenderisch, denke ich jetzt.

Bücher und Unterlagen aus der Schule oder dem Studium blieben im Regal, denn man könnte sie ja vielleicht noch einmal irgendwann gebrauchen. Sticker, Gesammeltes, kleine Schätze: alles schöne Kindheitserinnerungen - die kann ich doch nicht einfach so aus meinem Leben verbannen!? Spielzeug, Kinderbücher: vielleicht kann ich das mal für meine Kinder verwenden? Und bei den restlichen Sachen war ich einfach zu faul, sie wegzuwerfen.

Oder, ja im Ernst, ich wusste als Kind nicht, in welchen Müll ich die Sachen werfen kann und aufgrund des schlechten Gewissens, die Umwelt möglicherweise durch falsche Mülltrennung zu belasten, sind sie dann wieder in den Schrank zurückgewandert! Aufräumen war nicht so mein Ding, aber das kennst du vielleicht.

Heute entrümpele ich sehr gerne. Ich finde es extrem befreiend, mich von Altlasten und unnötigem Kram zu befreien. Ja, es macht mich definitiv glücklich! Deshalb finde ich, du solltest es auch einmal probieren, denn es gibt ein paar gute Gründe, nicht länger damit zu warten, sich von unnötigen Dingen zu lösen!

Bitte verstehe mich nicht falsch, ich möchte auf keinen Fall, dass du ein Teil unserer Wegwerfgesellschaft wirst. Es geht nicht darum, Dinge wegzuwerfen und sich diese neu zu beschaffen, weil sie vielleicht Macken oder optische Mängel haben, aber eigentlich noch in einem guten Zustand sind, reparabel, verwendbar sind.

Mir geht es nicht um Wiederbeschaffung und Konsum - sondern vielmehr darum, zu entscheiden, was brauche ich wirklich in meinem Leben? Was brauche ich gar nicht mehr?

1. Durch Entrümpeln sehe ich, was ich überhaupt habe

Immer wenn ich ausgemistet habe, war ich erstaunt, was ich eigentlich besitze und wie viel davon in Vergessenheit geraten ist. Manches hat man sich vielleicht sogar mehrmals angeschafft, weil man vergessen hat, dass man es noch hat. Unnötiger Konsum und Geldverschwendung.

Verschaffe dir einen Überblick über das, was du hast und schaue, ob du es eventuell irgendwie irgendwo einsetzen kannst, damit es einen Sinn bekommt. Werfe so viel wie möglich weg oder suche Abnehmer, denn ich finde, wir benötigen keinen materiellen Überfluss, er macht uns nicht glücklich!

Hast du erst einmal ausgemistet, lebst du mit Dingen, von denen du weißt, dass du sie hast. Für mich bedeutet das ein Stück weit "bewusstes Leben".

2. Entrümpeln ist befreiend

Es tut wahnsinnig gut, wenn man sich unwichtiger Sachen entledigt hat. Es gibt mir das Gefühl von Freiheit. Es ist ein Gefühl von "jederzeit losziehen können". Ich kann mit wenig Besitz jederzeit flexibel und offen für Neues sein.

Ich muss mir weniger Sorgen machen um das alles, was ich mit mir an Ballast rumschleppe, denn Besitz vermittelt einem das Gefühl von "Verantwortung haben". Man hat es ständig irgendwo im Hinterkopf. Entrümpele ich, wird auch mein Kopf leerer. Es gibt einem das Gefühl, Übersicht über alles zu haben, zu wissen was man besitzt, Kontrolle zu haben und den Bereich, den ich kontrollieren muss, somit zu verkleinern. Ich muss an weniger denken, habe weniger Verantwortung. Ballast fällt von mir, ich fühle mich leichter.

Vor einiger Zeit habe ich einen Beitrag einer Psychologin gelesen, die berichtet hat, dass sie einigen Patienten empfohlen hat, Haushalt, Keller, Garage, etc. auszumisten. Sie stellte fest, dass es den Personen danach psychisch viel besser ging...

3. Entrümpeln macht deutlich, wie wenig wir zum Leben brauchen

Was ist dir wirklich wichtig im Leben? Sind es materielle Dinge, Erinnerungen, Beziehungen, Lebensmittel? Oder ist es Geld, Konsum, Sport? Ich bin inzwischen der Meinung, dass nur die Dinge, die unmittelbar mit uns als Menschen zu tun haben, wirklich wichtig sind. Damit meine ich: Liebe, Freunde, gutes Essen, Bewegung und schöne Erlebnisse, das was du in deinem Herzen und in deinem Gedächtnis hast.

Materielle Dinge oder zumindest 95% davon, sind im Leben einfach unwichtig. Sicher hat hier jeder seine eigenen Ansichten. Aber überlege dir einmal, was dir wichtig wird, wenn es dir mal schlecht geht. Dein Auto, Fernseher, Geld, deine Bücher, deine Souvenirs im Schrank, dein Job und vieles mehr wird plötzlich dermaßen unwichtig. Hier zählen alleine deine Familie, deine Erinnerungen, deine Ernährung, deine Freunde. Materielle Dinge sind meist nur Mittel zum Zweck.

4. Entrümpeln schafft Ordnung und Platz

Klar, wenn du ausmistest, schafft das Ordnung in deiner Umgebung und Ordnung in dir. Du könntest den Platz anderweitig nutzen. Oder du genießt einfach den vielen freien Raum, der dir Luft zum atmen gibt. Möglicherweise kannst du sogar in eine kleinere Wohnung ziehen, denn was bringt dir der viele Platz, wenn du ihn gar nicht benötigst?

Gerümpel ist ein Staubfänger. Ich bin überzeugt, dass dieser deinem Leben - im wahrsten Sinne des Wortes - die Luft zum Atmen nimmt. Entrümpeln gibt Grund, mal wieder so richtig durchzuwischen, sauber zu machen und die dicke Staubschicht zu entfernen, neue Luft rein zu lassen, Raum zu schaffen. Ausmisten hat also durchaus auch hygienische Gründe. ;-)

5. Gutes tun mit Entrümpeln

Mit Ausmisten kannst du auch sehr viel Gutes tun, ich dem du die Sachen verschenkst. Bevor du etwas wegschmeißt, solltest du aufjedenfall darüber nachdenken, die Sachen zu verschenken. Auch wenn es etwas mehr Aufwand ist - ressourcenschonender ist es allemal und du machst anderen, die es besser gebrauchen können, eine Freude. Schenken macht so viel Spaß!

Momentan lässt sich ein starker Trend zum "Teilen" erkennen, der maßgeblich durch die Möglichkeiten des Internets beeinflusst wird. Ich bin der Überzeugung, dass sich hier in den nächsten Jahren noch viel tun wird. Die gerade ausgebrochene "Share-Mentalität" steht noch am Anfang. Die Generation unserer Großeltern, die im Krieg und oft in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und typisch dafür ist, sehr viel zu hamstern und zu horten und sich schwer von alten Dingen lösen zu können, wird irgendwann wegbrechen.

Zugleich wird unserer Generation immer bewusster, dass wir nicht endlos konsumieren können und dass es wichtigeres im Leben gibt, als Konsum. Immer mehr Menschen wollen Teilen statt Besitzen, entziehen sich dem Konsum, denken an ihre Mitmenschen, an die Umwelt und nächsten Generationen. Ich finde das eine tolle Bewegung.

Vor kurzem habe ich meine Speisekammer aufgeräumt. Ich tue mich sehr schwer damit, Lebensmittel wegzuwerfen. Dank "Foodsharing" habe ich für alle Lebensmittel ganz schnell Abnehmer gefunden - und das sogar in meinem kleinen Wohnort. Viel davon war abgelaufen. Jemandem einen Gefallen zu tun und dabei noch "Lebensmittel-Retter" zu sein, macht mich glücklich, auch wenn es sicher erstmal mit etwas Aufwand verbunden ist. Kleider kannst du z.B. an Packmee.org geben, ein Art Altkleidersammlung. Das Konzept finde ich auch sehr gut.

6. Geld verdienen mit Entrümpeln

Ja, mit Ausmisten kann man heute Geld verdienen! Was denkst du, wie viele Menschen es gibt, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind und gerne günstig gebrauchte Artikel kaufen? Heute hat man, insbesondere dank dem Internet, wahnsinnig viele und tolle Möglichkeiten, (Gebrauchs)Artikel an den Mann zu bringen.

Ich finde Bücher im Regal inzwischen ziemlich überflüssig (es sei denn, es handelt sich um gute Sachbücher als Nachschlagewerk). Bücher, CD's, DVD's, alte Handys kann man wunderbar über www.rebuy.de oder www.momox.de weiter verkaufen. Melde dich einfach dort an und prüfe, wie viel der Anbieter dir für deine Artikel geben würde.

Da bekommt man schnell etwas zusammen und: man ist das Zeug los und es fährt nicht mehr unnötig im Regal rum! Das System ist super, du gibst deine Sachen ein und ab einem Mindestverkaufswert bekommst du einen Retourenschein zum Ausdrucken. So kannst du dein Päckchen, mit den Sachen, die du verkaufen willst, kostenlos an den Anbieter schicken, der die Sachen dann weiter verkauft. Das Geld wird dir dann überwiesen. Klasse, oder?

Ebay Kleinanzeigen eignen sich gut für größere Dinge, die du verkaufen oder verschenken möchtest. Kleiderkreisel z.B. ist total gut, um Klamotten, die du nicht mehr benötigst, zu verkaufen. Wie du siehst, gibt es viele tolle Möglichkeiten mit denen du sogar noch etwas Geld bekommen kannst.

Apropos Bücher: kaufe dir doch einen E-Book-Reader, dann hast du im Bücherregal Platz für Anderes! (Oder du brauchst vielleicht bald gar kein Regal mehr. :-)) Zeitungen, Zeitschriften, Fernseher, Stereo-Anlage, DVD's und CD's macht das Internet ja schon lange überflüssig.

Ein sauberes Fazit

Entrümpeln macht Spaß, entlastet dich, macht dich flexibel. Wann immer du also ein bisschen Zeit hast, befreie einen kleinen Bereich von Unrat und du wirst sehen, dass du dich jedes Mal ein Stückchen mehr befreist und dich besser fühlst. Lasse los. Fühl' dich aufgeräumt. Und bitte bleibe es auch.

Überlege dir genau, was du anschaffst und beachte auch, was dein Konsum für die Umwelt bedeutet. Ein guter Tipp hierfür: kaufe dir wenigstens nichts Materielles, für das in irgendeiner Weise Werbung gemacht wird (am besten auch bei Lebensmitteln).

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Ich finde es schade, dass der Großteil der Menschheit im Überfluss lebt und es gar nicht zu schätzen weiß. Das ist doch traurig, oder? Dabei finde ich den Gedanken daran, wie Menschen darüber denken würden, die NICHTS in ihrem Leben haben, weniger tragisch, denn diese Menschen müssen nicht zwangsweise weniger glücklich sein. Schlimm finde ich, dass die heutige Gesellschaft immer mehr besitzen und konsumieren will, weil es als Statussymbol gilt oder Wohlstand suggeriert.

Jeder denkt an sich oder daran, was andere über ihn denken. Niemand denkt über die Folgen für die Umwelt nach und darüber, dass irgendwann einmal die Grenze erreicht ist, und wir den Raubbau an der Erde nicht fortsetzen können. Die wenigsten begreifen, dass materieller Besitz nicht dauerhaft glücklich macht und konsumieren weiter, immer auf der Jagd nach einem neuen kurzen Endorphin-Schub.

Hier muss ich zwangsläufig immer an Tschibo denken: zu viele überflüssige Artikel, die jeder meint haben zu müssen und im Nachhinein keiner wirklich braucht. Was brauchen wir WIRKLICH zum Leben?

Also: Halte dein Bündel auf dem Rücken klein, damit es dich nicht belastet, dir nicht zu schwer auf den Schultern liegt! Hast du schon ausgemistet? Hast du schon geteilt?

Der Beitrag erschien ursprünglich auf http://www.greenaliving.de.

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