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Über 17-jährige Krieger

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17-JÄHRIGE KRIEGER - OBJEKTE DER BEGIERDE

FRAGE: Woher kommen Waffen und Waffenverliebtheit aktueller Terroristen und Amokläufer? Eigenartige Frage - die wir gegenwärtig von Politikern und medialen Sprechern hören - angesichts der zunehmenden Radikalisierung auch im Abendland. Wen wundert es noch, mit was sie da rumballern oder warum sie so geworden sind - doch nur die Hinterbliebenen der Opfer?

WAFFEN GIBT ES an allen Ecken und Enden - in der Bundeswehr sowieso, in Kriegsgebieten zum Überfluss, auf osteuropäischen Jahrmärkten zu Dumpingpreisen, in manchem Land im Geschäft nebenan sowie im Darknet ohne Risiko. Es bedarf nicht immer einer Waffennummer, kontrollierter Schützenvereine, geschlossener Grenzen oder eines strengeren Waffengesetzes. Irgendwo bekommt man das Teufelszeug einer "Bleispritze" schon her.

Das Geschäft besorgen die Fabrikanten - die Profiteure des Todes!

Analysisten aber überschütten uns mit Ratlosigkeit in verschleiernder, "de-maizièreischer" Manier nach den letzten grauenhaften Vorfällen in Bayern, Frankreich oder anderen Orten des Schreckens. Bei der Ursachensuche brauchen wir in diesem Zuge nicht mit dem Finger auf Kriegsspiele zeigen. Die Ursachen liegen auch nicht ausschließlich - wie es brandstiftende Demagogen mit "Rechtsdrall" predigen - beim IS. Die Ursachen liegen schon gar nicht bei Religionen.

Terror sieht keine Religion - so wie der Amok-Läufer keine vertraute soziale Umgebung wahrnimmt.

TERRORISTEN UND AMOKLÄUFER - JA, sie waren TÄTER. JA - sie waren auch desorientierte und radikalisierte 17-Jährige, die ohne persönliche Perspektive ihrer Außenseiterrolle unterlagen. Sie waren AUSSENSEITER - Menschen, die die Gesellschaft irgendwann und irgendwo in eine Außenseiterrolle an den Rand drängte - wie unterschiedlich auch die einzelnen Schicksale oder Ursachen waren. Sie waren die Verdammten ihrer Opfer und gleichzeitig Missbrauchte der eigentlichen Terror- und Amok-Verantwortlichen.

Krieger braucht das Land!

WAHREND DESSEN - das Abendland braucht Kämpfer. Es produziert sie auch weiter - an allen Ecken und Enden - so auch für die Bundeswehr. Und - egal, wo sich diese Kämpfer dann befinden, egal mit welche "Kampfeigenschaften" sie dann ausgestattet sind - sie sind in jedem Fall radikalisiert, um nicht zu sagen in irgend einer Form traumatisiert.

WENN DIE BUNDESWEHR 17-jährige Menschen zu den Waffen ruft, wenn die Bundeswehr an Tagen der offenen Tür mitten in unseren Städten den Kindern Panzer und mörderische Waffen reißerisch präsentiert, sehen wir dann nicht auch Akte der Radikalisierung von jungen Menschen?

Sie züchten erst Kindersoldaten und wenn diese danach noch leben, die Kampfmaschinen.

WÄRE DAS NICHT eine unzulässige - gesellschaftlich legitimierte - Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen, die die Folgen ihrer neuen Träume (Traumata?) noch gar nicht erfassen können?

TROTZDEM, deswegen und nicht vergessen - während die Waffenfabrikanten weiter ungezügelt an Werkzeugen des Todes profitieren - geht das Werben von radikalisierten Kämpfern weiter. Es passiert auf allen Seiten - bei der IS, bei Armeen, bei neu-rechten Nationalisten, bei verantwortungslosen, macht-geleiteten Menschen ohne Moral.

AUCH IN DEUTSCHLAND - so bei der Verteidigungsministerin in dieser Woche. Bundeswehrsoldaten lassen sich nach Worten von Ursula von der Leyen (CDU) nur noch über Motivation führen (Quelle: Die Welt - Artikel: → "Patriarchen kommen in Bundeswehr nicht weit" - 30.06.2016). Das war ihre Aussage vor der "Inneren Führung" der Bundeswehr - ihrer Spezialabteilung für "Politische Verwaltung, geistige Verwirrung, Instruktion, Stimmungsmache und ideologische Kriegsführung" - zu deren 60. Jahrestag.

DIE OBERSTE "MUTTI" des Militärs hat es erfasst. So gewinnt man Soldaten. Denn - wer hat schon gern einen Job mit Tötungspotential. Zum Töten aber muss man radikalisiert sein. Und - alle benötigen gewaltbereite Soldaten - sonst wären es keine tauglichen Soldaten.

Es bleibt nur die Frage nach der Art von Motivation, die gemeint ist.

ÜBER TAUSENDFÜNFHUNDERT 17-Jährige wurden im Jahr 2015 von der Bundeswehr an der Waffe ausgebildet (Quelle: Quelle: Netzfrauen.org - Artikel: → "Kinder im Visier der Bundeswehr" - 06.06.2016). Interessant würde es, wenn man von genau diesen Minderjährigen die MOTIVE untersucht. Ich meine: "Euer Ehren, eine Vermutung resultierend aus Erfahrung als ehemaliger Berufsoffizier sei mir gestattet."

DAS, was wir an Motiven analysieren würden - sollten es nicht zuerst ehrenhafte Motive im Sinne der Friedenserhaltung sein? Wurde doch auch durch Politiker so treffend seit dem Jugoslawien-Krieg der Begriff "Kriegseinsatz" regelmäßig in "Friedensmission" vortäuschend umgekehrt.

DAS BILD DER BUNDESWEHR nimmt man wie folgt wahr. Auf ihrer Website wird der JOB eines Angehörigen der Bundeswehr zuallererst verkauft bzw. vermarktet. Das Sammeln von Kanonenfutter nennt man "Rekruting". Mission, Ehre, Frieden - Begriffe zur Stiftung eines humanistischen Auftrages in der Bundeswehr stehen erstmal nicht im Vordergrund. Man findet auch keine primäre Rolle dieser Begriffe im Diensteid.

GENAUSO würde es sich auch bei Analysen der Motive dieser über tausendfünfhundert Minderjährigen aus dem Jahr 2015 widerspiegeln. Sie sind die Essenz der waffenliebenden jungen Garde. Ehrenhafte Motive werden bei Ihnen Seltenheitswert haben.

FÜR SIE GEHT ES vorwiegend um Abenteuer - vielleicht um Kameradschaft, die sie im bisherigen Umfeld nicht vorfanden. Oft geht es nur um einen Job und vielleicht auch ganz einfach nur darum, mal mit einer "Knarre" umzugehen. Man muss ja nicht unbedingt und auf Dauer zur Armee. Wer weiß, wofür das später Alles gut ist.

DAS ABENTEUER wird sich diesen Minderjährigen in einer grausamen Welt des Krieges aber NIE bieten. Höchstens Tod und psychische Trauma würden sie ernten. Noch nicht einmal ihr Selbstwertgefühl würde sich verstärken. Denn - was für eine Art "Vaterland" wäre das schon, für das sie ihren Arsch hinhielten, das aber nicht in der Lage ist, Kriegsursachen zu erfassen und Kriege in ihrer Entstehung zu verhindern.

DIESE EINSCHÄTZUNG treffe ich nicht nur aus Erfahrung. Ich sage das vor allem aus heutiger Sicht zur absolut untauglichen Rolle von Kriegen, aber auch aufgrund des Fakts der großen Personalnot und neuen, extrem gefährlichen "Vorne-Strategie" der "Flinten-Uschi".

Vision einer Armee?

DIE UNTERNEHMENSPHILOSOPHIE der Bundeswehr wird garantiert durch die "Innere Führung". Kern ihrer propagierten Kampfphilosophie ist gelebte Kameradschaft - ihr demagogischer Schlüssel zum Gehirn eines jeden Soldaten. Diese Philosophie garantiert auch neues Personal mit zumindest im Geist radikalisiertem Potential.

OHNE RADIKALISIERUNG des Gehirns - einer absolutistischen Fähigkeit zum Handeln ohne Nachdenken - gewinnt man kein Gefecht - schon gar nicht gegen Russland. Es geht nur um Sein oder Nichtsein. Dinge wie Basisdemokratie haben da keinen Platz. Befehle sind nur umsetzbar bei blindem Gehorsam. Für ein Nachdenken über Sinn, Unsinn, Gerechtigkeit und Moral eines Befehles bleibt kein Raum für den Soldaten. Das ist der ewige Fluch, der über ihm lastet.

UND - sie, die 17-Jährigen denken, mit der "Knarre" in der Hand könnten sie im Leben bestehen - ihr Gehirn würde für immer geeicht sein zum Sieg mittels Gewalt - egal, wer der Feind auch ist - egal ob in Uniform oder in Zivil. Radikalisierung nimmt ihnen die Angst und gibt ihnen vermeintlich die Macht über Alles.

SEHEN WIR DIE REALITÄT. Fehlgeleitete Kindersoldaten, Krieger Ihres Glaubens, Amokläufer und Soldaten - Objekte der Begierde egal welcher Fraktion - werden immer an den Rand der gesellschaftlichen Teilhabe gedrängt, in dem sie radikalisiert werden. Es geschieht so oder so - um in einem Akt von Selbstverteidigung, Selbstverzweiflung oder im Gefecht bei Angriff und Verteidigung töten zu können.

NATÜRLICH - Soldaten stehen auf einer anderen Stufe, einer gesellschaftlich überwiegend tolerierten Stufe - aber, sie unterliegen dem gleichen Dilemma, wie alle zuvor Erwähnte. Wenn der Befehl oder die Eingebung kommt, unterliegen sie in ihrer Psyche der zwanghaften Pflicht zum Handeln.

SUCHT NICHT nach den Waffenlagern - sondern sucht nach den Fabrikanten des Todes, sucht nach ihren Lobbyisten, sucht nach den Profiteuren, die Afrika und Asien eine Ewigkeit lang unendlich ausbeuteten, sucht nach den Korrupten und Finanzhaien und sucht nach den Wurzeln sozialer Ausgrenzung von Flüchtenden, Leidtragenden, Armen, Obdachlosen, Gestrandeten, welch Andersgearteten oder Andersdenkenden auch immer.

ES BETRIFFT UNS ALLE - unsere heutigen Probleme mit Gewaltbereiten welcher Form auch immer - es sind unsere Probleme einer zunehmend verkommenen Moral des Abendlandes. Die Frage, → wem Terror nützt und wem Gewalt nützt, ist eng verbunden mit der Frage, wem Kriege nützen. Ihr Politiker - wie lange kann eure Ratlosigkeit und Lähmung noch Bestand haben? Arbeitet am sozialen Frieden in einer Welt ohne kriegerische Waffen!