BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Wolfram Weimer Headshot

Der schneidige "Schnorrer" soll Trump retten

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Jonathan Ernst / Reuters
Drucken

Anthony Scaramucci ist telegen, redegewandt und schlau. Gute Voraussetzungen eigentlich f├╝r seinen neuen Job als Kommunikationschef im Wei├čen Haus. Denn dort wird er dringend gebraucht: Der Pr├Ąsident wankt in der Russland-Aff├Ąre, er attackiert die meisten Medien mehr als dass er sie informiert und kommunikativ herrscht beim sprunghaften Twitter-Pr├Ąsidenten eher Chaos als Ordnung. "Politisch brennt das White House lichterloh", hei├čt es in Washington, und Scaramucci soll als Feuerwehrmann nun den kommunikativen L├Âschzug anf├╝hren.

Kritiker erwarten freilich, dass Scaramucci eher neues ├ľl ins Feuer gie├čen wird. Nicht nur der scheidende Regierungssprecher Sean Spicer nennt seine Berufung einen "Riesenfehler". Scaramucci gilt als "schillernder Schw├Ątzer" und als "typischer Angeber aus New York". An der Wall Street galt er als schlechter Banker, aber als gro├čartiger Verk├Ąufer f├╝r sich und seine jeweiligen Adressen - Lehman Brothers, Goldman Sachs oder Neuberger Berman. Ehemalige Kollegen der Finanzindustrie beschreiben ihn als "Blender". Seine B├╝ros seien mit Nippes und Bildern von Superman angef├╝llt gewesen. ├ähnlich wie Donald Trump sah sich Scaramucci offenbar stets als Held seiner eigenen Lebensinszenierung.

Seine Besch├Ąftigung bei Goldman Sachs w├Ąhrte nicht lange, doch Scaramucci nutzte sein Verkaufstalent, um sich Fremdkapital zu besorgen und am Ende daraus eine Hedge-Fonds-Gesellschaft namens "Skybrigde" zu schmieden, die das Geld anderer verwaltete und mehrte. Sein Spitzname in New York ist seither (eine Verballhornung seines Namens) "the Mooch" - der Schnorrer.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

W├Ąhrend die meisten Banker Diskretion suchen, dr├Ąngt "the Mooch" auf glamour├Âse B├╝hnen. In Davos ist er Stammgast, und in Las Vegas gr├╝ndete er eine eigene Glamour-Konferenz, die mit allerlei Prominenz von Magic Johnson bis Kevin Spacey im Edelhotel Bellagio stattfindet. Wie Donald Trump liebt er protzige Inszenierungen und seine eigene Aufstiegsgeschichte. Seine Familie kam als einfache italienische Einwanderersippe in die USA, sein Vater war Bauarbeiter: "Heute fahren sie Mercedes", sagt er stolz.

Sein italienischer Name hat eine - seit seiner Berufung als Kommunikationschef besonders - gern umhergeraunte Weiterung. Denn Skaramuz ist urspr├╝nglich ein angeberischer Clown im italienischen Volkstheater Commedia dell'arte. Im Englischen beschreibt umgangssprachlich der Scaramouch ein Gro├čmaul. Und so wird sein Name in Washington gerne in der Aussprache "Scaramouchi" verbreitet, mit weichem Zischlaut am Ende.

Scaramucci suchte sich schon lange Zug├Ąnge zur Politik gezielt zu erkaufen. Er machte sich einen Namen als Spendensammler f├╝r Politiker verschiedener Parteien, ob f├╝r Barack Obama, Hillary Clinton oder Jeb Bush. Am Ende vor allem aber f├╝r Trump. Zugleich agiert er seit Jahren als umtriebiger Medienspieler. Er moderierte eine eigene TV-Show f├╝r das Wirtschaftsfernsehen von Fox, er ging in Talkshows, hielt Reden und schrieb B├╝cher dar├╝ber, wie man reich wird.

Ô×Ę Mehr zum Thema: US-Pr├Ąsident Trump hat einen neuen Stabschef - der k├Ânnte einigen Vertrauten des Pr├Ąsidenten zum Verh├Ąngnis werden

Scaramucci glaubte lange Zeit nicht an einen Wahlsieg Trumps und unterst├╝tzte lieber dessen Konkurrenten. Im Jahr 2015 kritisierte er Trump offen als "Stammtischpolitiker" und dessen frauenfeindliche Sprache. Nun entschuldigt er sich f├╝r diese Kritik. "Trump wirft mir das alle 15 Sekunden vor", erz├Ąhlt er, "ich h├Ątte das nie ├╝ber ihn sagen sollen."

Inzwischen aber scheinen sich Pr├Ąsident und Kommunikationschef pr├Ąchtig zu verstehen. Sie haben den gleichen ordin├Ąren Humor New Yorks, sogar die gleiche Art, Vokale zu dehnen - "huge" ist bei beiden immer "yuuuuuuge". Seine Kommunikation ist in etwa so spontan, laut und direkt wie die des Pr├Ąsidenten. Wenn er eine Journalistin sieht, etwa Jessica Pressler vom "New York Magazine", dann fragt er sie schon einmal: "Wie alt bist du? Du siehst gut aus. Keine Falte im Gesicht. Was bist du f├╝r ein Sternkreiszeichen, ein Sch├╝tze?" Und als sie verbl├╝fft antwortet: "Ein L├Âwe", dr├Âhnt er: "Fucking king of the jungle!" Genau so f├╝hlt er sich jetzt vermutlich.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.