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Wenn in der coolen Startup die Eiszeit beginnt

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STARTUP
BraunS via Getty Images
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Ganz klar: wer direkt von der Uni kommt, kann in kurzer Zeit bei vielen Startups intensive Erfahrungen sammeln, mit meist deutlich mehr Entscheidungsfreiheiten als bei einem gro├čen Konzern. Ann├Ąhernd gleichaltrige Team-Kollegen und kollegiale Gr├╝nder und Gesch├Ąftsf├╝hrer sind ein zus├Ątzlicher Reiz, zun├Ąchst bei einem Unternehmen zu beginnen, dass gerade erst versucht, durchzustarten. Soweit der optimale Fall.

Inzwischen profitiert in der digitale Gr├╝ndermetropole Berlin ein ganz anderer Berufsstand vom Startup-Hype: Rechtsanw├Ąlte mit den Fachgebieten Arbeits- und Vertragsrecht. Denn die ├╝berlangen und nicht bezahlten ├ťberstunden f├╝hren nicht unbedingt dazu, dass der Respekt vor den Mitarbeitern w├Ąchst - der Arbeitseifer wird schlicht vorausgesetzt.

Solange im jungen Unternehmen fairplay herrscht, ist das ein gegenseitiges Geben- und Nehmen: mittelpr├Ąchtige Bezahlung f├╝r viel und sehr viel Arbeit, im Ausgleich komprimiierte Einblicke in die Unternehmensentwicklung, oft auch auf internationaler Ebene. Aber was passiert, wenn es in der coolen Unternehmung auf einmal frostige Zeiten einkehren, entweder, weil die Zahlen nicht stimmen oder das Management ├╝berfordert ist, im schlimmsten Fall sogar beides?

Meistens ist es die mangelnde Erfahrung von Startup-Mitarbeitern, die sich Gr├╝nder&Gesch├Ąfsf├╝hrer zunutze machen, um sich von den Mitarbeitern zu trennen, die eben noch als Kumpel mit am Kickertisch standen. Sind die Mitarbeiter erfahrener, kommt es gerne zur N├Âtigung: "Wenn Du keinen Aufhebungsvertrag unterschreibst, m├╝ssen wir Dich leider wegen Betruges anzeigen" - daf├╝r, und das weissen die wenigsten Berufsstarter, kann eine Ungenauigkeit bei der Reisekostenabrechnung reichen. Gr├╝nder mit Finanzinvestoren an Bord haben immer einen Anwalt, der auf solche "Einsparungsm├Âglichkeiten" spezialisiert ist, die Mitarbeiter nicht. Sp├Ątestens dann ist es egal, wieviel ├ťberstunden geleistet worden sind oder mit wieviel Engagement und Kompetenz gearbeitet wurde, dass ist nur noch Geschichte.

Nicht immer ist es b├Âse Absicht, wenn es zur Eskalation kommt: gerade bei schnell wachsenden Startups ist das Management f├╝r fast alles alleine verantwortlich und hat oft das Defizit, nicht delegieren zu k├Ânnen. "Das muss alles ├╝ber unsere Schreibtische" h├Ârt sich zwar nicht nach innovativen F├╝hrungsmethoden an, ist aber g├Ąngige Praxis von Gr├╝ndern, die es vers├Ąumt haben, ein mittleres Management aufzubauen. Was auch an den Investoren liegt, denn diese f├Ârdern bereitwillig die Einstellung von Entwicklern und Vertriebsleuten, aber ├Ąu├čerst ungerne die Vergr├Â├čerung des back-offices: ein/e professionelle Personal-Referent/in ist beispielsweise die absolute Ausnahme.

Das soll niemanden abhalten, wichtige und m├Âglicherweise sogar internationale Erfahrungen bei einer Startup zu machen! Aber mit diesen Tipps kann auch eine Eiszeit entspannter kommen:

1. Niemals einen Arbeitsvertrag ohne Anwalt abschlie├čen. Ein einst├╝ndiges Beratungsgespr├Ąch kostet zwischen 180-220Euro. Das lohnt sich schon, um Erfahrungen zu sammeln. Noch ein Vorteil: kommt es zum ernsten Konflikt mit den Gesch├Ąftsf├╝hrern, mu├č nicht erst ein Jurist gesucht werden.

2. Wer auf "berufliche Freir├Ąume"Wert legt und sich nicht auf einem Platz wiederfinden will, von dem t├Ąglich 80 Kunden angerufen werden m├╝ssen, sollte diesen Punkt sehr genau hinterfragen. . Ohne die M├Âglichkeit, sich pers├Ânlich weiterzuentwickeln, sind die Geh├Ąlter in der Startup-Szene zu niedrig.. Ist es wirklich sicher, an "spannenden, internationalen Projekten mitarbeiten zu k├Ânnen? Konzepte f├╝r gro├če Kunden entwickeln d├╝rfen?

3. Nicht t├Ąuschen lassen von der "Wir sind alle eine gro├če Familie"- Attit├╝de der Gr├╝nder. Dieses Auftreten hat meistens den knallharten betriebswirtschaftlichen Hintergrund, Forderungen nach dem ansatzweisen Einhalten von Arbeitszeiten oder gesetzlich m├Âglicher Mitbestimmung zu verhindern.

4. Unbedingt einmal im Jahr ein Zwischenzeugnis geben lassen! Zeugnisse sind aus der Steinzeit? Wer nach dem Startup in ein etabliertes Unternehmen wechseln will, wird ohne nicht weit kommen. Mit detailierter Beschreibung der Aufgabengebiete und Projekte. Und warum einmal im Jahr? Weil auch Gr├╝nder manchmal von Bord gehen und der Nachfolger nichts ├╝ber die einzelnenen MItarbeiter wei├č.

5. Gr├╝nder arbeiten bis zur zweiten, oft bis zur dritten Finanzierungsrunde auch f├╝r wenige Tausend Euro im Monat. Weil sie das legitime Ziel vor Augen haben, das Unternehmen irgendwann f├╝r viel Geld zu verkaufen. Schade, wenn die Kollegen vom Kickertisch dann leer ausgehen. Weil nichts dazu in ihren Vertr├Ągen steht.

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