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Next Generation Impact

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IMPACT
Antonio Iacobelli via Getty Images
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Der Nachhaltigkeitsbereich erlebt ebenso wie andere Bereiche verschiedene Zyklen von Geschäftsmodellinnovationen.

Die erste Welle der Geschäftsmodellinnovationen betraf die Frage des Sourcings und des verantwortlichen Umgangs mit Lieferanten und Mitarbeitern. The Body Shop wurde bekannt durch den Verzicht auf Tierversuche und ist heute ein Tochterunternehmen von L'Oréal. Ben & Jerry's zahlt Mitarbeitern etwa großzügige Einstiegsgehälter und ist inzwischen ein Tochterunternehmen von Unilever. Andere Beispiele sind etwa Fair Trade oder alles rund um Bio-Baumwolle.

Die zweite Welle von Geschäftsmodellinnovationen versuchte einen direkteren Bezug zu der Zielgruppe der Begünstigten herzustellen. TOMS gibt für jedes verkaufte Paar seiner Sandalen ein Paar an ein Kind in Not. Das Modell wurde sogar noch ausgebaut. Mittlerweile verfolgen andere Unternehmen das Modell, dass ein Taschenkauf für eine sichere Geburt oder ein Brillenkauf für Augenlicht steht.

Kommerziellere Abwandlungen dieses Modells gibt es als Bierkästen für Regenwaldschutz, Windeln für Impfungen und Notizbücher für Schulbücher. Beispiele in digitaler Form sind etwa Mealshare, Table for Two oder Fitness Apps wie CharityMiles oder Run4Good.

Die dritte Welle von Geschäftsmodellinnovationen versucht einen wesentlich direkteren Social Impact zu erzielen. Das zugrundeliegende Motto ist „Sag mir das Problem und ich beschreibe Dir ein Geschäftsmodell zu dessen Lösung".

Mülldeponien in Entwicklungsländern dienen heute als Ausgangspunkt für die Produktion von Handtaschen oder Schmuck unter dem Schlagwort „waste couture" oder upcycling. Blinde, Autisten oder Straßenkinder werden heute nicht mehr als Belastung gesehen, sondern man sieht zunehmend deren speziellen Fähigkeiten.

Next Generation Impact sieht sich ebenfalls in dieser Tradition. Es ist im Kern eine unternehmerische Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft mit einem Fokus auf Social-Impact-Strategien. Was bedeutet das?

Next Generation Impact ist Gründungsgesellschafter von Sports Philosophy, unterstützt die Freedom for Children Foundation und berät Stiftungen, (Sozial-)Unternehmen und regierungsnahe Institutionen bei der Entwicklung und Umsetzung von Social-Impact-Strategien.

Das Sportswear-Label Sports Philosophy wurde als Antwort auf die Frage: „Was kann man gegen Kinderarbeit machen?" gegründet. Man kann als Aktivist oder als Stiftung Konzepte erarbeiten, aber die Termine bekommt man am schnellsten als potentieller Käufer. Besonders eindrucksvoll war das in Bangladesch, als sich der Geschäftsführer eines produzierenden Unternehmens mit 10.000 Mitarbeitern drei Stunden Zeit genommen hat, um über Rahmenbedingungen und CSR-Aktivitäten zu sprechen.

Das zeigt den ersten Ansatz. Social Impact ist nicht an eine bestimmte Rechtsform oder das Gemeinnützigkeitsrecht geknüpft, sondern kann auf vielfältige Weise erreicht werden.

Die Freedom for Children Foundation begleitet die Maßnahmen und hat ein Budget von einer Million Pfund in den nächsten sieben Jahren. Vor kurzem recherchierte zum Beispiel Anthony Ho zu Kinderarbeit in China und zeichnet nach, wie die lokalen Mechanismen funktionieren und wie beispielsweise Schulen an der Vergabe von Arbeitsplätzen mitwirken. Das sind zum größten Teil unbekannte Missstände.

Momentan gehen die Überlegungen in die Richtung, Familien durch direkte Zahlungen dazu zu bewegen, Kinder in die Schule statt in die Arbeit zu schicken. Es ist ein experimenteller und akademischer Ansatz, der mit allen (auch negativen) Implikationen analysiert und bewertet werden muss.

Next Generation Impact übernimmt diese Denkweise in die Beratungspraxis und konzipiert unkonventionelle Social-Impact-Strategien für Stiftungen, Unternehmen und begleitet die Entwicklung passender Rahmenbedingungen durch öffentliche Institutionen.

Bei den Stiftungen wird ein großer Teil darauf ausgelegt sein, dass der gesamte Strategieprozess abgedeckt ist. Dabei geht es von der Frage der Mission, der Finanzierungsstrategie bis hin zur Abdeckung des Reporting und Impact Assessments. Bislang ist es nämlich eher die Ausnahme, dass Erkenntnisse aus dem Reporting in die Investitionsentscheidung zurückgespielt werden.

Dabei wird auch anders über soziale Probleme nachgedacht. Für viele ist etwa die Karriere sozialer Probleme eine neue aufschlussreiche Perspektive. Soziale Probleme entwickeln sich über die Zeit und es braucht in den verschiedenen Phasen jeweils unterschiedliche Akteure. Aktivisten werden etwa eine gewisse öffentliche Sensibilisierung für das jeweilige Problem erreichen können, während Sozialunternehmer an ersten Geschäftsmodellen arbeiten und klassische Non-Profit-Organisationen oft erst dann ins Spiel kommen, wenn es schon öffentliche Bezahlmodelle und Finanzierungsansätze gibt.

Bei der Beratung für Unternehmen geht es um die Definition geeigneter Strategien zur Erzielung von Social Impact und auch immer um eine Weiterentwicklung der Aktivitäten. Während früher die Mitarbeiter Schulwände ausgemalt haben, übernehmen sie heute Aktivitäten, die ihren Qualifikationsniveaus entsprechen.

Bankmitarbeiter helfen etwa Obdachlosen bei ihren Bankgeschäften oder erklären Schülern die Bedeutung von Verträgen, um damit die Wahrscheinlichkeit späterer Überschuldung zu reduzieren. Parallel dazu werden Initiativen in der Supply Chain ein Thema sein. Durch einfach Vertragsänderungen und Anpassungen der Supply Chain ist es durchaus möglich, Erfolge in der Reduktion von Kinderarbeit zu erzielen.

Aus dem akademischen Umfeld kommend sind auch Publikationen ein Thema. Ein aktuelles Thema sind etwa intersektorale M&A-Transaktionen. Es ist absehbar, dass einige Social Ventures irgendwann von traditionellen Unternehmen übernommen werden.

Deren Kunden sind loyaler und die Expertise bei der Entwicklung sozialunternehmerischer Geschäftsmodelle kann auch dem übernehmenden Unternehmen helfen. Dazu kommen noch Publikationen zu Social Finance und Impact Investing.

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Das Foto (Copyright: David Ausserhofer) entstand 2013. Auftraggeber war die Körber Stiftung im Rahmen des Deutschen Studienpreises.

Zur Person:

Dr. Wolfgang Spiess-Knafl, Jahrgang 1982, gehört zu Deutschlands Gesichtern der Nachhaltigkeit. Nach dem Studium des Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbaus an der TU Wien arbeitete als M&A-Analyst in der Investment Banking Division von Morgan Stanley. Anschließend promovierte er zum Thema „Finanzierung von Sozialunternehmen" bei Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner am Lehrstuhl für Entrepreneurial Finance der Technischen Universität München.

Danach arbeitete er als Post Doctoral Research Fellow am Civil Society Center der Zeppelin Universität und hat in dieser Zeit Studien und Projekte u.a. für die Europäische Kommission, das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und die belgische König-Baudouin-Stiftung durchgeführt. 2016 gründete er Next Generation Impact in Wien und widmet sich insbesondere der Konzeption von Social-Impact-Strategien.

Im Herbst 2016 ist das Thema "Intersektorale M&A-Transaktionen" abgeschlossen. Es beschäftigt sich mit der Frage: Was passiert, wenn ein großer Konzern ein sozial orientiertes Unternehmen kauft?

Weiterführende Informationen

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