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Untersuchungsausschüsse zur Aufarbeitung von rechtsradikalen Tendenzen und Sexismus bei der Polizei gefordert

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Sexuelle Übergriffe, Belästigungen, Sexismus sind derzeit ein großes Thema.
Besonders brisant - und bisher kaum beachtet und aufgearbeitet - ist dies in einem Bereich, wo das natürlich eine besondere Rolle spielt: Bei der deutschen Polizei.
Liest man, sogar offizielle, Berichte darüber fragt man sich durchaus, ob man dann das Vertrauen haben kann, dass unsere "Ordnungshüter" mit so etwas angemessen umgehen - oder nicht selbst an sich arbeiten sollten, damit auch so etwas bei Tätern richtig erkannt und damit umgegangen werden kann.

Das will auch eine an alle deutschen Landtage sowie an den Deutschen Bundestag Anfang November gerichtete Petition einleiten, die zudem auch die bessere Aufarbeitung immer wieder publik werdender rechtsradikalen Tendenzen innerhalb der Polizei einfordert- ebenso wie Transparenz darüber, was zu all dem bisher bekannt ist und aufgearbeitet wurde - und was noch nicht (und warum nicht). Dazu werden auch Untersuchungsausschüsse gefordert, die auch jeder MdB/MdL anregen kann, auch Mitglieder der Petitionsausschüsse.

Polizisten die Sexismus, Rechtsradikalismus und dergleichen selbst ausüben oder gut heißen helfen vielleicht ja auch weniger davon bedrohten Bürgern. Und dies betrifft natürlich nicht alle Polizisten, aber erschreckend viele

Und das Problem ist Zuständigen eigentlich schon sehr lange bekannt. Zumal bereits am 22. 2. 1999 der Spiegel in einem Artikel (" POLIZEI Ganz ungeniert") darauf
hingewiesen hat, dass

„Polizistinnen werden von Kollegen häufiger sexuell belästigt als
Frauen in jedem anderen Beruf"

Und weiter ist dort zu lesen:

„Ob dumme Sprüche, Grapschereien oder körperliche Gewalt - sexuelle Belästigung ist für Polizistinnen in ganz Deutschland ein Dauerproblem.
Eine Studie des Bundesministeriums für Familie und Frauen belegt, dass Polizistinnen von allen
befragten Berufsgruppen am häufigsten Opfer von Sex-Attacken am Arbeitsplatz werden, gefolgt
von Frauen auf dem Bau"

Und: „In Nordrhein-Westfalen, das ergab eine Studie im Auftrag des Düsseldorfer Innenministeriums, fühlt sich jede vierte Polizistin sexuell belästigt. In jedem dritten Fall war der Täter ein Vorgesetzter". "Eine Umfrage an der Hamburger Landespolizeischule und bei der Bereitschaftspolizei kam zu ähnlichen Ergebnissen. Die überwiegende Mehrzahl jener Polizistinnen, die sich an der Umfrage beteiligten, beklagte sich über Witze und Sprüche mit anzüglichem Inhalt.
Fast die Hälfte berichtete von ungewollten Umarmungen und Küssen, drei Polizistinnen gaben gar an, im Dienst zum Sex gezwungen worden zu sein".

Längst werden wohl zwar in Seminaren für Führungskräfte der Polizei schlüpfrige
Bemerkungen, etwa über Kleidung, oder gar anzügliches Verhalten geächtet.
Seit 1994 gibt es auch ein Bundesgesetz zum Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.
Die Frauenbeauftragte Sprenger kritisierte aber, verständlicherweise, im besagten Artikel
"Doch alle Richtlinien bleiben wirkungslos, solange sie in den Schubladen der Vorgesetzten verstauben"

Dass zumindest viele Polizistinnen auch heute noch viel zu erleiden haben, auch von Kollegen und Vorgesetzten, berichten immer wieder Betroffene unter anderem im Internet. Grundlegendes hat sich wohl in den letzten Jahren kaum geändert, oben genannte Konsequenzen sind deshalb sicherlich nötig.