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Trauer ist Liebe - Trauer und Liebeskummer können aber auch extrem gefährlich werden!

02/01/2016 12:26 CET | Aktualisiert 02/01/2017 11:12 CET
thinkstock

Aus mehreren Studien und unzähligen Berichten Betroffener weiß man, dass Trauer bzw. Liebeskummer extrem belastend sein können (und ich weiß da wirklich auch aus eigenen Erfahrungen, wovon ich spreche). Etwa jeder 2. Betroffene hat wohl demnach sogar Suizid- Gedanken.

Das sollte man keinesfalls unterschätzen - zumal das selbst stärkste Menschen treffen kann, auch unerwartet. Manchmal auch erst Jahre oder Jahrzehnte nach einem Verlust - eines Menschen oder vielleicht auch "nur" Tieres, Jobs usw. Gerade auch im trüben Winter, wenn in Deutschland sowieso verstärkt Suizid- Gefahr besteht. Zu Weihnachten, Neujahr aber natürlich auch im Frühjahr, Sommer und Herbst, an Jahrestagen oder bei einschneidenden - auch positiven - Lebensereignissen usw. oder auch "einfach so" kann da plötzlich oder schleichend etwas hoch kommen.

Besser lieber einmal vielleicht zu viel als eventuell zu spät sollte man sich dann unbedingt und rechtzeitig Hilfe suchen !

Bei (eventuellem) Bedarf bzw. zur Abklärung beispielsweise bei einem Arzt, der auch zu einem Therapeuten überweisen kann, wenn das nötig bzw. gewünscht wird.

Kostenlose Unterstützung gibt es auch bei vielen Kirchen, Städten und Gemeinden.

Anonyme und kostenlose (erste) Hilfe und Rat für Betroffene oder Angehörige gibt ansonsten auch die Telefonseelsorge(.de) rund um die Uhr - auch an Feiertagen und per E-Mail.

Selbsthilfegruppen (evtl. auch nur im Internet) helfen auch vielen Menschen, wenn man dort - oder bei o. g. Stellen bzw. bei Freunden, Bekannten, Verwandten usw. - wirklich Verständnis findet.

Denn kaum etwas ist individueller als Trauer

- denn jeder Mensch trauert ja über etwas ganz Individuelles, Besonderes - und auch auf ganz individuelle, persönliche Art und Weise.

Gerade auch in Deutschland leiden viele Trauernde nicht zuletzt aber darunter, dass ihnen das nicht erlaubt wird bzw. man viel zu früh wieder "funktionieren" soll. Oder dass man etwas nur (möglichst schnell) "verarbeiten" oder gar sich "von der Trauer befreien" soll.

Echte Trauer ist aber doch Liebe - soll man sich davon, der Erinnerung, die ja wenigstens Gegangene(s) noch gedanklich am Leben erhalten kann und uns verbinden - aber trennen? Das empfehlen heute zum Glück wohl auch kaum noch (Trauer-) Experten, zumindest in der Regel nicht ...

Zumal echte Liebe natürlich - leider - auch oft mit Leiden verbunden ist, Herz und Schmerz sind in der Tat zwei Kehrseiten einer Medaille.

Wie man mit Verlusten, Trauer umgeht - ohne dass sie zerstört - ist eine andere Frage

- die man bei Interesse oder Bedarf beispielsweise mit o. g. Menschen besprechen sollte (und im Notfall, existentiellen Krisen, auch den Notarzt über die Nummer "112" oder "110" rufen). Aber Menschen grundsätzlich vorzuschreiben wie sie "zu trauern haben" ist nicht nur traurig, kann diese sogar erst (sehr) depressiv machen - sondern das ist wirklich ein Verbrechen. Und sich zu seiner Trauer, Liebe zu bekennen ist (außer in überspitzten, ebenfalls gefährlichen Fällen wie etwa bei "Stalking" oder unerwiderter Liebe, die dauerhaft blockiert) ja auch schön und manchmal mutig, Zeichen eines gefühlvollen und Würde-, Liebe vollen Menschen, Liebesbeweis.

Auch Siegmund Freud beschrieb so einmal, als Resümee vieler diesbezüglicher Überlegungen und Erfahrungen, auch aus seiner therapeutischen Arbeit:

Man weiß, dass die akute Trauer nach solch einem Verlust ablaufen wird,

aber man wird ungetröstet bleiben, nie Ersatz finden.

Alles, was an seine Stelle rückt,

und wenn es sie auch ganz ausfüllen sollte,

bleibt doch etwas anderes.

Und eigentlich ist es recht so.

Das ist die einzige Art,

die Liebe fortzusetzen

Sicher kann und darf man auch mit anderen Menschen wieder (anders) glücklich werden. Das ist auch kein "Verrat" an gegangenen Menschen - man kann ja beispielsweise auch mehrere Kinder oder Geschwister lieben, ebenso wie z. B. verstorbene und neue Partner. Dies erfordert aber eben meistens zumindest etwas Zeit und Unterstützung. Und Verständnis.

Viele Menschen berichten immer wieder, dass sie - zumindest in extremen Fällen, wie etwa dem Tod von Kindern, aber auch nach Trennungen usw. - echtes und hilfreiches Verständnis auch nur bei Menschen erleben, denen Ähnliches widerfahren ist. So beispielsweise in Selbsthilfegruppen bzw. Foren für Trauernde bzw. Menschen mit Liebeskummer. Bei Bedarf mit ergänzend unterstützender profess. Hilfe, denn

Manchmal ist aber auch fachmännischer Rat bzw. Unterstützung nötig

Denn Trauer bzw. Liebeskummer, Verlust geliebter Menschen (und evtl. auch Tiere, Jobs usw.) können wirklich sehr schmerzen, auch körperlich - auch alleine die „Entzugserscheinungen". Zu diesem Schluss kam beispielsweise auch die renommierte Anthropologin Helen E. Fisher von der New Yorker Rutgers University. Diese hat, auch z. B. mithilfe von Hirnscans, nachweisen können, dass z. B.

Menschen, die gerade von ihrem Partner verlassen wurden, ähnlich brutale Entzugserscheinungen aufweisen wie Drogenabhängige, denen die Droge verwehrt wurde!

Das ist das Ergebnis nach 10 Jahren Forschung hierzu. Dieser Schmerz ist also nicht nur Einbildung oder Gegenstand von unzähligen Gedichten, Romanen, Musik - sondern auch wirklich nachweislich Realität ...

Und auch z. B. Goethe schrieb nicht nur hierzu - er litt auch Zeit Lebens immer wieder daran.

Und sagte dazu beispielsweise einmal

Lass mein Aug den Abschied sagen, den mein Mund nicht nehmen kann!

Schwer, wie schwer ist er zu tragen

und ich bin doch sonst ein Mann

In der Tat kann Liebeskummer und Trauer aber selbst stärkste Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche eventuell extrem treffen

Trennungen, Verluste, Abschiede, Tod - betreffen ja auch früher oder später alle Menschen. Zumal in unserer Zeit - in der Menschen älter werden als früher und sich auch öfters trennen. In einer zudem besonders "schnelllebigen" Zeit bleibt aber oft kaum Zeit für richtigen Abschied, Trauer. Zu wenig Möglichkeit hierfür und zu viel oder schnell Druck immer wieder "funktionieren" zu sollen macht aber oft zumindest psychisch, seelisch krank, unzufrieden, unglücklich.

Oft auch noch lange danach. Man sollte sich deshalb das - i.d.R. ganz normale, gesunde, berechtigte, nötige und ja auch wertschätzende, respekt-und liebevolle- Recht zu trauern nicht nehmen lassen (oder nehmen). Denn das würde auch fast immer bedeuten Liebe zu nehmen - einzelnen Menschen und der Gesellschaft insgesamt, die dann zunehmend liebe-und gefühlloser, herzloser würde. Heute, gerade auch in Deutschland, braucht man dazu aber oft Unterstützung- (gerade) auch als starker, toller Mensch.

Sicherlich bedarf auch nicht jeder Liebeskummer professionelle Hilfe - vor allem nicht solche, die nun (für teures Geld) mit "Erfolgsgarantie" an vielen Orten angeboten wird, von kaum qualifizierten Menschen - und "Heilsversprechen" sind eigentlich auch unseriös, zudem auch echten Therapeuten und Ärzten verboten.

Aber manchmal bedarf das eben auch wirklich - guter, seriöser- professioneller Hilfe, ist Hilfe von Freunden oder Verwandten nicht genug.

Bei Bedarf suchen Sie sich diese also bitte, zumindest vorsorglich, nicht zu spät!

Video: Schmerzhafte Trennung überwinden: Fünf Tipps gegen Liebeskummer

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