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Von Kollegen und Vorgesetzten: Häufigste Opfer sexueller Belästigung sind Polizistinnen

31/01/2016 17:14 CET | Aktualisiert 31/01/2017 11:12 CET
ROBERTO PFEIL via Getty Images

Natürlich sollte man bei den üblen Schandtaten gegen Frauen in Köln, Hamburg und so weiter zum Jahreswechsel Täter ausreichend ermitteln und bestrafen. Und auch klären, wer dafür verantwortlich ist, dass das überhaupt passieren konnte. Das Versagen auch der Polizei - bzw. der Verantwortlichen (in der Politik) dafür, dass in Deutschland die Polizei so "kaputt gespart" wird, dass sie kaum noch ihren Aufgaben nachkommen kann.

Das mögen unter anderem Polizeipräsidenten sein - aber wie zuletzt ja bekannt wurde wissen auch zuständige Politiker in den Ländern und im Bund schon lange von Missständen - hierfür (nur) Polizisten zum "Bauernopfer" zu machen - für politisches Versagen - ist ja mehr als heuchlerisch (und verhindert auch wirkliche, auch politische, Lösungen).

Natürlich müssen auch Flüchtlinge, die solche Schandtaten begehen, hart bestraft werden - ebenso wie Deutsche. Nur sollten natürlich auch diese nicht zu "Bauernopfern" gemacht werden für Versäumnisse, die es schon seit Jahrzehnten in Deutschland gibt. Auch nach "Köln" weisen ja unter anderem auch Frauenverbände darauf hin, dass

Sexismus in Deutschland schon seit Jahrzehnten ein (alltägliches) Problem ist.

Übrigens - das in Erinnerung zu rufen bzw. mehr darauf hinzuweisen ist wohl gerade derzeit sehr interessant - nicht zuletzt bei der Polizei selbst. Und auch das schon, auch Verantwortlichen bekannt, seit Jahrzehnten!

So hat etwa bereits am 22. 2. 1999 der Spiegel in einem Artikel (" POLIZEI

Ganz ungeniert") darauf hingewiesen, dass

Polizistinnen werden von Kollegen häufiger sexuell belästigt als Frauen in jedem anderen Beruf

Anlass des Berichtes war damals, dass sich eine Polizistin, die das nicht mehr ausgehalten hat, umgebracht hatte:

Ihr Schichtleiter, der inzwischen versetzt wurde, soll sie etwa als "Bauerntrampel" geschmäht und sie immer wieder, so Münchens Polizeipräsident Roland Koller, mit "volkstümlich-obszönen Umschreibungen des Geschlechtsverkehrs" traktiert haben.

Und weiter heißt es dort:

Ob dumme Sprüche, Grapschereien oder körperliche Gewalt - sexuelle Belästigung ist für Polizistinnen in ganz Deutschland ein Dauerproblem. Eine Studie des Bundesministeriums für Familie und Frauen belegt, dass Polizistinnen von allen befragten Berufsgruppen am häufigsten Opfer von Sex-Attacken am Arbeitsplatz werden, gefolgt von Frauen auf dem Bau.

Und weiter heißt es dort:

In Nordrhein-Westfalen, das ergab eine Studie im Auftrag des Düsseldorfer Innenministeriums, fühlt sich jede vierte Polizistin sexuell belästigt. In jedem dritten Fall war der Täter ein Vorgesetzter.

Nun - natürlich sollten auch sexuelle Belästigungen und Missbrauch, Gewalt usw. von Menschen ausländischer Herkunft aufgearbeitet und verfolgt werden. Aber ebenso natürlich auch die von Deutschen, zumal Polizisten - und wenn so viele - gerade auch Vorgesetzte - Polizisten selbst zumindest belästigen ist das natürlich auch ein Skandal, zumal solche Beamte ja vielleicht gar nicht so schlimm finden, wenn Frauen (auch sonst) belästigt werden, weil das für sie ganz "normal" ist.

Was es aber natürlich in keinster Weise ist - und wenn so etwas sogar, gerade bei der Polizei besonders stark vorkommt sollte das wohl zumindest genau so viel Aufschrei geben wie die Taten einiger (verhältnismäßig weniger) Flüchtlinge in Deutschland !

Zumal gerade an Orten, an denen es zum Jahreswechsel zu Schandtaten kam eben auch bei der Polizei selbst schon seit Jahrzehnten Gravierendes, Schändliches bekannt (aber kaum aufgearbeitet) wurde. Außer in NRW etwa auch in Hamburg. Dazu berichtete der o. g. Artikel:

Eine Umfrage an der Hamburger Landespolizeischule und bei der Bereitschaftspolizei kam zu ähnlichen Ergebnissen. Die überwiegende Mehrzahl jener Polizistinnen, die sich an der Umfrage beteiligten, beklagte sich über Witze und Sprüche mit anzüglichem Inhalt. Fast die Hälfte berichtete von ungewollten Umarmungen und Küssen, drei Polizistinnen gaben gar an, im Dienst zum Sex gezwungen worden zu sein.

Und weiter ist dort zu lesen:

Längst werden in Seminaren für Führungskräfte der Polizei schlüpfrige Bemerkungen, etwa über Kleidung, oder gar anzügliches Verhalten geächtet. Seit 1994 gibt es ein Bundesgesetz zum Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. "Doch alle Richtlinien", so Frauenbeauftragte Sprenger, "bleiben wirkungslos, solange sie in den Schubladen der Vorgesetzten verstauben."

Im Dienstalltag bleiben Frauen allzu oft die Verlierer des Geschlechter-Mobbings. Wenn sie sich an einen Vorgesetzten wenden, wird ihnen vielfach die Versetzung angeboten. Die Frau muss gehen, der Täter bleibt. Sprenger: "Das Opfer hat in solchen Fällen das Gefühl, dass es doppelt bestraft wird."

Wenn man das liest wird einem auch einfach nur schlecht, selbst wenn man nicht zu den Opfern gehört. Wenn man dann nun wieder, nach den Schandtaten von Köln, Hamburg usw., liest, dass die Polizei und Verantwortliche doch nun angeblich alles tun zur Aufarbeitung. Aha. Wirklich? Und wirklich auch in den eigenen Reihen?

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